Montag, 29. April 2013


Borderline - Gefühle können nur schwer kontrolliert werden
(Foto: lassedesignen - Fotolia.com)

Das Borderline-Syndrom oder die Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS) ist in der Öffentlichkeit vor allem bekannt durch das selbstverletzende Verhalten der Betroffenen. Die Erkrankten fügen sich oft selbst Schnittverletzungen oder Brandwunden zu, weil sie das Gefühl haben, ihren Körper sonst nicht zu spüren. Doch Borderline ist sehr viel komplexer.


Symptome und Ursachen

Das Borderline-Syndrom ist eine emotional-instabile Persönlichkeitsstörung. Eine schwere Persönlichkeitsstörung vom impulsiven Typ, die im Grenzbereich (engl.Borderline) zwischen Neurose und Psychose liegt.
Etwa zwei Prozent der Gesamtbevölkerung sind betroffen. Häufig erkranken junge Frauen (bis 80 Prozent) zwischen 15 und 45 Jahren. In vielen Fällen kommt es zu weiteren psychischen Problemen wie Depressionen und Symptomen anderer Persönlichkeitsstörungen.

Borderline-Betroffene leiden an einer gestörten Selbstwahrnehmung, können Emotionen nur schwer kontrollieren, sind emotional instabil. Angst vor dem allein sein, Gedächtnisstörungen, wahnhaftes Erleben bis hin zu Verfolgungswahn zählen zu den Symptomen. Soziale Inkompetenz kennzeichnet sich durch unbeständige, problematische Beziehungen und starke Verlassensängste. Partner werden zunächst idealisiert, und wenn sie den Erwartungen nicht entsprechen, schnell abgewertet. Häufig besteht ein quälendes Gefühl innerer Leere und Langeweile. Betroffene sind oft auf der Suche nach einer Beschäftigung.

Traumatische Erfahrungen erhöhen das Risiko für Borderline

Es kommt zu sozialem Kontrollverlust: Drogen- und Alkoholmissbrauch, sexuelle Prostitution, Diebstähle, Verschuldung. Extreme emotionale Belastungen erzeugen eine veränderte Wahrnehmung des eigenen Körpers und Schmerzunempfindlichkeit. Dann setzt selbstschädigendes Verhalten ein mit Selbstverletzungen durch Schnitt- oder Brandwunden und Selbstmorddrohungen. Das hilft Betroffenen, ihren Körper wieder zu spüren.

80 Prozent der Borderlinepatienten haben in ihrer Kindheit oder Jugend schwere traumatische Erfahrungen gemacht. In vielen Fällen kam es zu sexuellem oder körperlichem Missbrauch oder dem Erleben von extremer häuslicher Gewalt. Oft war der Täter eine wichtige Bezugsperson. Daher kommt es zu unvereinbaren Emotionen zwischen Zuneigung, Angst und Hass. Die starke Widersprüchlichkeit der Gefühle beeinflusst auch die zwischenmenschlichen Beziehungen in späteren Jahren.

Neben Missbrauchserfahrungen bilden extreme emotionale Vernachlässigung oder eine übermäßig strenge Erziehung die Hauptursache für eine Borderlinestörung.
Die Diagnose wird in aller Regel durch das „diagnostische Interview für das Borderline-Syndrom“ (DIB) gestellt. Der Arzt oder Psychologe führt ein etwa zweistündiges Gespräch mit dem Patienten und wertet dieses Gespräch anhand eines Punktesystems (Scores) aus.

Therapie und Verlauf

Bei Borderline werden Therapieangebote häufig abgelehnt, da Betroffene kein Vertrauen zum Therapeuten aufbauen können. In den vergangenen Jahren wurde speziell zur Behandlung von Borderline-Patienten die „didaktisch-behaviorale Therapie“ entwickelt. Sie kann ambulant durchgeführt werden und gliedert sich in mehrere Abschnitte. Betroffene sollen andere Handlungsmöglichkeiten im Umgang mit schwierigen Situationen erlernen, die traumatischen Erfahrungen sollen bearbeitet und die Lebensumstände stabilisiert werden.
Je nach Ausgangslage kann eine stationäre Therapie - zumindest vorübergehend - ratsam sein. Medikamente wie Neuroleptika, die auch bei Schizophrenie eingesetzt werden, können eine sinnvolle Ergänzung bilden. Die Borderlinestörung verläuft chronisch, allerdings stellt sich mit zunehmendem Alter größere Stabilität in Beziehungen und Berufsleben ein.


Weitere Infos: Ein Forum für Betroffene finden Sie hier und auf der Internetseite des ersten europaweiten Selbsthilfevereins zum Thema Borderline »BorderlineNetzwerk e.V.«.

Quelle:  borderline-plattform.de

Ripoll LH.: Psychopharmacologic treatment of borderline personality disorder. Dialogues Clin Neurosci. 2013 Jun;15(2):213-24

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