Freitag, 31. Mai 2013


Herpesviren können bei Älteren
das Gedächtnis beeinträchtigen
(Foto: geralt/pixabay.com)

Wissenschaftler haben einen Zusammenhang zwischen Herpesinfektionen und Gedächtnisproblemen bei Älteren gefunden.


Herpesviren sind weit verbreitet und gelten durchweg als harmlos. Fast jeder Mensch kommt im Laufe des Lebens mit ihnen in Kontakt und einmal infiziert, werden wir den Erreger auch nicht mehr los. Er bleibt im Körper und lässt manchmal die unangenehmen und schmerzhaften Bläschen entstehen.
Ältere Menschen, die bestimmte Krankheitserreger in sich tragen, wie das Herpes-Simplex-Virus, das den unliebsamen und quälenden Lippenherpes verursacht, haben mehr Probleme mit ihrem Gedächtnis. Das beweisen Studien, die in der wissenschaftlichen Zeitschrift »Neurology« veröffentlicht wurden.

Viele Menschen sind Träger des Herpes-Simplex-Virus (HSV). Von diesem Virus gibt es unterschiedliche Typen. HSV-1 verursacht Lippenherpes, HSV-2 eher Genitalherpes. Meist hat man nach einer Infektion erst mal Ruhe vor den Viren. Sie ziehen sich zurück und verharren in einem inaktiven Stadium im Körper. Nur wenn das Immunsystem geschwächt ist, beispielsweise durch Stress oder eine Erkältung, können die Herpesviren wieder aktiv werden.

Mehr Infektionen - mehr Gedächtnisprobleme

Wissenschaftler des »Columbia University Medical Centre« in New York benutzten für ihre Studie Blutproben von 1.625 Menschen mit einem Durchschnittsalter von 69 Jahren. Sie untersuchten das Blut auf Indikatoren, die auf häufig vorkommende Krankheitserreger hindeuten, wie beispielsweise das Herpes-Simplex-Virus, das Cytomegalievirus, Chlamydophila pneumoniae, das häufig Lungenentzündungen hervorruft oder der Magenkeim Helicobacter pylori, häufiger Auslöser von Magengeschwüren.

Testpersonen, die mehr Infektionen in sich trugen, schnitten bei Gedächtnistests 25 Prozent schlechter ab. Dieser Zusammenhang blieb auch bei Berücksichtigung bestimmter Faktoren wie Ausbildung, Rauchen, Herzerkrankungen und Diabetes, bestehen. Wiederholungstests innerhalb von durchschnittlich acht Jahren zeigten allerdings, dass sich die Werte nicht verschlechterten.

Erhöhtes Risiko für Frauen und Bewegungsmuffel

»Wir stellten fest, dass der Zusammenhang bei Frauen deutlicher war, ebenso bei Personen mit niedrigem Bildungsstand sowie bei Menschen ohne Krankenversicherung oder fehlender medizinischer Versorgung. Das Risiko war allerdings am größten bei Personen, die keinen Sport ausüben«, erklärt Studienleiterin Dr. Mira Katan. »Obwohl wir unsere Ergebnisse noch weiter auswerten müssen, sind wir anhand der vorliegenden Daten in der Lage, Personen zu identifizieren, die ein erhöhtes Risiko auf kognitive Beeinträchtigungen haben.«

Bewegung wirkt schützend

Bewegung scheint einen schützenden Effekt zu haben. Das Forschungsteam entdeckte, dass die Verbindung zwischen Infektionen und Gedächtnisproblemen nur bei Menschen mit einem sitzenden Lebensstil auftrat und nicht bei Teilnehmern, die sich nach eigenen Angaben regelmäßig bewegten oder sportlich aktiv waren.

Ursachen noch nicht eindeutig

Ob der Lippenherpes-Virus die Gedächtnisprobleme verursacht ist noch nicht klar. In vorhergehenden Untersuchungen wurde allerdings schon gemutmaßt, dass das Herpes-Simplex-Virus durch chronische Entzündungsreaktionen zur Entwicklung von Demenz beitragen könnte, angesichts der Tatsache, dass das Virus sich in andere Körperregionen - unter anderem ins Gehirn - zurückzieht.

Quelle: Mira Katan et al.: Infectious burden and cognitive function, The Northern Manhattan Study. Neurology March 26, 2013 vol. 80 No. 13 1209-1215, DOI: 10.1212/WNL.0b013e3182896e79

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