Mittwoch, 22. Mai 2013


Eine gesunde Darmflora ist gerade
für ältere  Menschen wichtig
(Foto: Wikilmages/pixabay.com)

Gesunde und ballaststoffreiche Ernährung scheint für ältere Menschen noch wichtiger zu sein als für Jüngere. Forscher glauben, dass sie sich damit sogar vor zunehmender Gebrechlichkeit schützen können.


Gesunde Nahrungsmittel wie Brot, Gemüse und Obst verändern die Darmflora bei Älteren und bewahrt sie wahrscheinlich vor Übergewicht, Entzündungskrankheiten und zunehmender Gebrechlichkeit. Denn Veränderungen der Darmflora-Zusammensetzung werden mit mehreren chronischen Erkrankungen in Verbindung gebracht, einschließlich Fettleibigkeit (Obesitas), Entzündungen und Diabetes.

Die Darmflora älterer Menschen zeigt in ihrer individuellen Zusammensetzung größere Unterschiede als bei jüngeren Erwachsenen. Das stellten irische Mikrobiologen in einer Studie mit 178 Menschen im Alter von 64 bis 102 Jahren fest. Bei Untersuchungen von Stuhlproben fanden die Mediziner nicht weniger als 5000 unterschiedliche Bakterientypen. Außerdem wurden in Stuhl und Blut die Entzündungswerte gemessen. Die Forscher erfassten die Ernährungsgewohnheiten der Studienteilnehmer sowie die Art der Unterbringung (Altenheim, Reha-Klinik, Krankenhaus, eigene Wohnung).

Ernährung in Pflegeeinrichtungen weniger gesund

Zunächst stellten die Wissenschaftler fest, dass Menschen, die dauerhaft in Pflegeeinrichtungen untergebracht sind, mehr Zucker, Fett und Fleisch zu sich nahmen. Die Gruppe, die noch zu Hause lebte, aß deutlich ballaststoffreicher mit viel Brot, Obst und Gemüse. Ballaststoffe sind Kohlenhydrate, die überwiegend in pflanzlichen Nahrungsmitteln vorkommen.

Obwohl Ballaststoffe unverdaulich sind, bewerten Experten sie als besonders wichtig, denn sie sorgen für eine regelmäßige Verdauung. Zusätzlich helfen sie dabei, ein normales Körpergewicht zu halten: Ballaststoffreiche Mahlzeiten enthalten bei gleichem Volumen weniger Energie.

Wirklich erstaunt waren die Forscher nicht über dieses Ergebnis. Dass die Ernährung in Kranken- und Pflegeeinrichtungen nicht immer ideal ist, damit hatten sie gerechnet.
Unerwartet war allerdings das Ergebnis, dass die unterschiedliche Ernährungsweise sich stark auf die Zusammensetzung der Darmflora auswirkte und somit auch Gesundheit und Wohlbefinden beeinflusste.

Bei den Bewohnern der Versorgungseinrichtungen, die weniger abwechslungsreich aßen, fanden sich viel weniger unterschiedliche Bakterienarten im Darm als bei den restlichen Studienteilnehmern. Zusätzlich zeigte diese Gruppe auch einige erhöhte Entzündungswerte.

Zum Vergleich hatten die Forscher auch eine Gruppe jüngerer Menschen, durchschnittlich 36 Jahre alt, untersucht. Daraus resultierte, dass bei ihnen die Darmflora weniger durch die Ernährung beeinflusst wurde. Die Darmbakterien variieren bei Senioren stärker und in Abhängigkeit ihres Speiseplans.

Verschiedene Bakterien - verschiedene Funktionen?

Die Mikrobiologen vermuten, dass eine Vielzahl verschiedener Darmbakterien auch verschiedene Funktionen ausüben. Die Nahrung kann effizienter aufgespalten werden und dem Körper mehr Nährstoffe liefern.
Die Gebrechlichkeit alter Menschen ist unter anderem auf den Verlust von Muskelmasse und Muskelspannung zurückzuführen. Eine vielfältige Darmflora ist deshalb besonders wichtig, um Eiweiß und Kalzium für den Körper verfügbar zu machen.

Die Wissenschaftler sind daher auch überzeugt, dass eine angepasste Ernährung und eine Ergänzung mit Probiotika die Gesundheit im Alter länger erhalten kann. Dies gilt insbesondere für Menschen, die dauerhaft in Pflegeeinrichtungen leben.

Noch haben die Forscher nur Hinweise darauf, dass verschiedene Bakterienstämme verschiedene Funktionen übernehmen. Eine genauere Zuweisung von Aufgaben und welche Darmbakterien besonders bedeutsam sind, ist noch unbekannt.

Denn die Erforschung unseres »Innenlebens« ist nicht so einfach: Die Winzlinge lassen sich nicht »live« bei der Arbeit beobachten. Also bleiben nur indirekte Verfahren über Stuhlanalysen und Blutuntersuchungen, um die Darmflora zu entschlüsseln und der Bedeutung der unterschiedlichen Darmbakterien auf die Spur zu kommen.

Quellen: Paul W. O’Toole et al.: Gut microbiota composition correlates with diet and health in the elderly. Published: Nature 488, 178–184 (09 August 2012) doi:10.1038/nature11319

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