Sonntag, 26. Mai 2013


Eine neue Analysetechnik verbessert den
Einsatz von Herzschrittmachern
(Foto: By Steven Fruitsmaak [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC-BY-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/3.0)], via Wikimedia Commons)

Durch eine verbesserte Analyse der Herzfunktion kann ein Herzschrittmacher bei einer Herzinsuffizienz viel effektiver wirken.


Wissenschaftler der kardiologischen Abteilung des medizinischen Zentrums VUmc in Amsterdam haben mit einer neuen Strategie einen Durchbruch in der Behandlung von Herzinsuffizienz geschafft. Bei Patienten mit Herzinsuffizienz (Herzmuskelschwäche), die mit einem biventrikulären Herzschrittmacher behandelt werden, wird nun eine innovative Analysetechnik zur Messung der Herzfunktion angewendet. Bei dieser neuen Behandlungsmethode werden mittels Sensoren Druck und Volumen gleichzeitig innerhalb der Herzkammer gemessen. Damit wird die Erfolgsrate der Herzschrittmacherbehandlung um mehr als die Hälfte verbessert. Diese Forschungen schließen an frühere Forschungsergebnisse des VUmc und der Isala Kliniken an und sind kürzlich als Vorveröffentlichung im »European Journal of Heart Failure« erschienen.

Präzisere Wirkung

Momentan reagieren nur ungefähr 50 Prozent der Patienten mit Herzinsuffizienz positiv auf die Behandlung mit einem Herzschrittmacher. Mit der neuen Behandlungsstrategie kann der Kardiologe den optimalen Stimulationspunkt im Herzen finden, wodurch die Herzfunktion eine sofortige Verbesserung zeigt. Diese Verbesserung war auch nach sechs Monaten noch vorhanden. Damit wird zum ersten Mal nachgewiesen, das akute Verbesserungen der Herzfunktion auf Basis dieser spezifischen Funktionsanalyse auch einen vorhersehbaren Effekt auf das endgültige Behandlungsresultat haben.

An der Studie nahmen 41 Patienten teil. Von den untersuchten Patienten reagierten 77 Prozent positiv auf die neue Behandlung, eine Verbesserung von 54 Prozent im Vergleich zur Standardbehandlung. Die Veröffentlichung der Studienergebnisse schließt an frühere Studien an und ist ein Abschluss, der die Vorteile des neuen Therapieansatzes bestätigt.

Kosteneinsparungen im Gesundheitssektor möglich

Abgesehen von den positiven Gesundheitseffekten für den Patienten, ist diese verbesserte Prozedur auch kostengünstiger. Dadurch, dass mehr Patienten positiv auf die Behandlung ansprechen, fallen die Nachfolgekosten niedriger aus. Zuvor stellte sich bei Untersuchungen derselben Studienteilnehmer heraus, dass bei 17 Prozent der Patienten das Implantieren eines Herzschrittmachers nicht notwendig ist, was sofortige Kosteneinsparungen bringt. Bei einem großflächigen Einsatz dieser Methode werden in den Niederlanden in den kommenden fünf Jahren kumulative Kosteneinsparungen von 200 Millionen Euro erwartet. Die innovative Messmethode der Herzfunktion, Inca (intracardiac analyzer), wurde in den Niederlanden entwickelt.

Herzinsuffizienz - woher kommt die Herzschwäche?

Bei einer Herzinsuffizienz oder Herzmuskelschwäche handelt es sich um eine Funktionsstörung des Herzens mit nachlassender Pumpleistung. Der Herzmuskel wird zunehmend schwächer und kann nicht mehr ausreichend Blut in den Kreislauf pumpen. Die nachlassende Pumpleistung führt zur Unterversorgung von Organen und Geweben und kann schlimmstenfalls zu einem Kreislaufversagen führen.

Eine Herzinsuffizienz entwickelt sich häufig als Folge anderer Krankheiten. Eine akute Herzinsuffizienz kann beispielsweise nach einem akuten Herzinfarkt auftreten. Eine chronische Herzinsuffizienz entsteht meist durch langjährigen Bluthochdruck (Hypertonie) oder durch eine koronare Herzerkrankung (KHK). Solche Erkrankungen schwächen die Herzmuskulatur und die Pumpleistung des Herzens lässt nach. Auch Entzündungen des Herzbeutels oder des Herzmuskels können den Herzmuskel dauerhaft schwächen, vor allem wenn sie nicht rechtzeitig erkannt und behandelt werden.

Drei Formen der Herzinsuffizienz

Mediziner unterscheiden drei Formen der Herzinsuffizienz mit unterschiedlichen Symptomen.

Linksherzinsuffizienz
Bei der Linksherzinsuffizienz ist die linke Herzkammer geschwächt und es kann nicht genügend Blut in den Körper gepumpt werden. Das Blut staut sich in der Lunge, was zu Symptomen wie Atemnot oder auch zu niedrigem Blutdruck (Hypotonie) führt.

Rechtsherzinsuffizienz
Bei einer Rechtsherzinsuffizienz ist die rechte Herzkammer nicht mehr in der Lage, das Blut, das aus dem Körper zurückfließt, schnell genug in die Lunge weiter zu pumpen. Das Blut staut sich vor dem Herzen und es entsteht ein hoher Druck in den Blutgefäßen. Wassereinlagerungen (Ödeme) in den Beinen und im Brust- oder Bauchraum sind typische Folgen dieser Herzmuskelschwäche.

Globale Herzinsuffizienz
Bei einigen Patienten mit Herzmuskelschwäche sind beide Herzhälften betroffen. Menschen mit einer globalen Herzinsuffizienz fühlen sich oft müde, schwach und sind schnell erschöpft, vor allem bei körperlicher Anstrengung. Sie haben häufig Probleme mit der Atmung bis hin zur Atemnot.

Als vorbeugende Maßnahme wird, wie für fast alle Gesundheitsprobleme, ein gesunder Lebensstil empfohlen. Zuviel Zigaretten, Alkohol und fettes Essen sind auch Risikofaktoren für eine Herzinsuffizienz.

Quelle: G.J. de Roest, C.P Allaart, S. Kleijn, P.P. Delnoy, L Wu, M.L. Hendriks, J.G.F. Bronzwaer, A.C. van Rossum en C.C. de Cock: Prediction of long-term outcome of cardiac resynchronization therapy by acute pressure–volume loop measurements. Eur J Heart Fail (2012) doi: 10.1093/eurjhf/hfs190

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