Samstag, 18. Mai 2013


Gerade im Urlaub kommt man
schnell mit Hepatitisviren in Kontakt
(Foto: Wikilmages/pixabay.com)

Endlich ist der langersehnte Urlaub da. Die schönsten Wochen des Jahres will man unbeschwert genießen. Da denkt niemand an eine Hepatitisinfektion. Doch Hepatitisviren sind weit verbreitet. Besonders in südlichen Urlaubsländern.


Eine Virushepatitis kann jeden treffen. Gegen einige der Hepatitisviren A bis E ist eine Impfung möglich. Deshalb sollte man vor einer Urlaubsreise über einen Impfschutz gegen Hepatitis A und B nachdenken. Denn gerade die Hepatitiserreger A, B und C sind in den Ferienländern rund ums Mittelmeer besonders häufig vertreten. Leider ist eine vorbeugende Impfung gegen das Hepatitis C-Virus immer noch unmöglich. Hepatitisviren verursachen eine akute Leberentzündung. Die Krankheit ist tückisch: Lange Zeit sind kaum Symptome erkennbar und daher wird die Infektion oft nur zufällig entdeckt. Und eine Ansteckung im Urlaub ist keine Seltenheit. Das Robert-Koch-Institut stellte schon 2004 fest, dass mehr als die Hälfte der nach Deutschland eingeschleppten Hepatitis A-Infektionen aus den Mittelmeeranrainerstaaten stammten.

Hepatitisviren können nach Jahren gefährlich werden

Hepatitis A
Wie eine im Januar 2012 veröffentlichte Studie im »Journal of Viral Hepatitis« beweist, haben in der Türkei schon 40 Prozent der Kinder und Jugendlichen zwischen fünf und 24 Jahren einmal eine Hepatitis-A-Infektion durchlaufen. Hauptursachen sind unzureichende Hygienebedingungen. Muscheln, Getränke mit Eiswürfeln oder unsauberes Trinkwasser sind oft mit Hepatitis A-Viren verseucht ohne das es für Urlauber erkennbar ist. Auch Lebensmittel sollten immer vollständig durchgegart sein. Besonderes Augenmerk verlangen auch die sanitären Anlagen. Verschmutzte Toiletten können eine Schmierinfektion verursachen, insbesondere wenn die Händehygiene nach dem Toilettenbesuch vernachlässigt wird. Die Viren werden dann über Handkontakt und kontaminierte Gegenstände wie Türklinken weiterverbreitet. Auch wenn eine Hepatitis A-Infektion meist vollständig ausheilt, kann der Krankheitsverlauf schwierig sein und sogar zu längerer Arbeitsunfähigkeit führen. Vor allem Ältere, Schwangere und Menschen mit bestehenden Lebererkrankungen sind gefährdet und hier kann die Erkrankung auch tödlich verlaufen.

Hepatitis B
Weit verbreitet ist auch der Hepatitis B-Erreger. Er ist hundertmal ansteckender als der HI-Virus und er wird vor allem über Körperflüssigkeiten übertragen. Mehr als die Hälfte der Infizierten steckt sich über sexuelle Kontakte an. Aber auch ein Tattoo oder Piercing am Urlaubsort kann zur Erkrankung führen, wenn unhygienisch gearbeitet wurde. Sogar ein vermeintlich harmloser Besuch beim Nagelstylisten oder Friseur kann risikoreich sein, denn kleinste Blutmengen reichen für eine Ansteckung aus. Wissenschaftler der Universität im türkischen Samsun entdeckten, dass mehr als sechs Prozent aller verwendeten Barbiermesser mit Hepatitis B-Viren verunreinigt waren. Hepatitis B und C können einen chronischen Verlauf nehmen, besonders wenn die Infektion spät entdeckt wird. Dann kommt es häufig zu Vernarbungen (Fibrose) des Lebergewebes, das Lebergewebe schrumpft (Leberzirrhose) und es entwickelt sich Leberkrebs. In diesem Stadium kann dem Patienten nur noch durch eine Lebertransplantation geholfen werden.

Hepatitis C
Impfschutz gegen Hepatitis C gibt es bis jetzt nicht. Hier kann man nur durch umsichtiges Verhalten eine Infektion vermeiden. Hepatitis C wird in vielen Fällen durch Blut und Blutprodukte übertragen. Auch unsterile Injektionsnadeln, wie sie oft von Drogenkonsumenten benutzt werden, bergen ein hohes Ansteckungsrisiko. Bei Hepatitis C ist eine möglichst frühe Diagnose essenziell, um Langzeitschäden zu vermeiden. Eine rechtzeitige medikamentöse Therapie verlangsamt schädigende Prozesse und in 50 bis 80 Prozent der Fälle kann die Krankheit sogar geheilt werden.

Hepatitis D und E
Nur Hepatitis B-Infizierte können sich mit dem Hepatitis D-Virus infizieren. Dem Hepatitis D-Virus fehlt eine eigene Hülle und es benutzt den Hepatitis B-Virus zur Vermehrung. Der Erreger ist vor allem im Mittelmeerraum, im Amazonasgebiet und in arabischen Ländern verbreitet. Eine Hepatitis B-Impfung schützt daher auch gegen eine Hepatitis D-Infektion.

Hepatitis E kommt nur in den Tropen vor. Es benutzt die gleichen Übertragungswege wie das Hepatitis A-Virus. Die Erkrankung erfordert keine spezielle Behandlung und nimmt keinen chronischen Verlauf. Allerdings sterben Schwangere im letzten Drittel der Schwangerschaft überdurchschnittlich häufig nach einer Hepatitis E-Infektion. Bei zehn bis zwanzig Prozent endet die Krankheit tödlich.

Wer kann sich impfen lassen?

Impfungen gegen Hepatitis A und B bieten verlässlichen Schutz. Neben einer getrennten Impfung gegen die Erreger gibt es auch eine Kombinationsimpfung. Sie bietet mindestens zehn Jahre Schutz vor den Hepatitis A- und B-Viren.
Eine Impfung ist für Kinder ab dem vollendeten ersten Lebensjahr möglich sowie für Jugendliche und Erwachsene. Die Impfung wird schrittweise durchgeführt. Vier Wochen nach der ersten Impfung erhält man die zweite Spritze und nach sechs Monaten die Dritte. Danach besteht ein vollständiger Schutz für mindestens zehn Jahre.

Symptome einer Hepatitis-Erkrankung

Die ersten Anzeichen ähneln einer Grippeinfektion:

  • Müdigkeit und Abgeschlagenheit
  • Gliederschmerzen
  • erhöhte Körpertemperatur bis 38 Grad
  • Appetitlosigkeit
  • Übelkeit
  • Druckschmerz im rechten Oberbauch
Die typischen Anzeichen treten, wenn überhaupt, erst im späteren Verlauf der Erkrankung auf:

  • Dunkelfärbung des Urins
  • Gelbfärbung von Haut und Augen (Gelbsucht)
  • Entfärbung des Stuhls
  • Juckreiz

Eine Hepatitis kann, vor allem wenn sie ohne erkennbare Symptome verläuft, nur durch eine Blutuntersuchung nachgewiesen werden.

Die Leber - lebenswichtiges Kraftwerk

Die Leber zählt zu den größten Organen des menschlichen Körpers und funktioniert wie ein kleines chemisches Kraftwerk. Sie reinigt unser Blut von Schadstoffen wie Alkohol und Medikamenten, bildet Abwehrstoffe, reguliert Fettstoffwechsel und Blutzucker durch die Herstellung verschiedener Hormone. Sie ist an der Blutgerinnung beteiligt und ebenso am Vitamin- und Mineralstoffhaushalt. Sie produziert eine Hormonvorstufe, das Angiotensinogen, das für die Regulierung von Blutdruck und Wasserhaushalt essenziell ist.

Quellen: Ceran et. al., Hepatitis A seroprevalence in children and young adults in Istanbul, Turkey. Journal of viral Hepatitis, 2012, 19, 72-76

Eroglu et al., Detection of Hepatitis B Virus in Used razor Blades
by PCR. Hepat Mon 2010; 10 (1): 22-25

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