Sonntag, 26. Mai 2013


Rheuma frühzeitig mit Biologika behandeln
(Foto: Uta Herbert/pixelio.de)
Eine frühe und intensive Behandlung mit Biologika lässt Patienten mit rheumatischen Gelenkentzündungen schneller schmerzfrei werden und beugt Knochenzerstörungen vor. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie der Berliner Charité.


Bislang wurden solche biotechnologisch hergestellten Medikamente meist erst angewendet, wenn die Standardtherapie nicht mehr ausreichte oder es zu Nebenwirkungen bei den Standardmedikamenten kam. Ein Biologikum wird mit molekularbiologischen Verfahren aus lebenden Zellen hergestellt und wirkt nur auf spezielle Botenstoffe des Immunsystems. Die Wirksubstanz heftet sich an die vom Körper produzierten Entzündungsstoffe und schaltet sie aus. Das Fortschreiten der Entzündung sowie Schwellungen und Schmerzen werden verhindert.

Frühe Anwendung von Adalimumab positiv

In der Studie an der Berliner Charité unter der Leitung von Professor Gerd-Rüdiger Burmester wurde bei rheumatoider Arthritis die Standardtherapie mit Methotrexat mit einer Kombinationstherapie von Methotrexat und Adalimumab verglichen. Adalimumab ist ein seit zehn Jahren zugelassenes Biologikum und wird weltweit am häufigstens eingesetzt. Die Mediziner untersuchten, wie der Krankheitsverlauf bei rheumatischen Gelenkentzündungen ist, wenn eine Biologikumtherapie unmittelbar nach der Diagnose beginnt und nicht erst, wenn andere Behandlungen erfolglos bleiben.

Die Studienteilnehmer litten alle an beginnender rheumatoider Arthritis mit starken Symptomen und erheblichen Beeinträchtigungen im Alltag. Eine Hälfte der Studienteilnehmer erhielt sechs Monate die Kombinationstherapie, die andere Hälfte verwendete das Standardmedikament und ein Scheinmedikament. Alle Probanden nahmen anschließend noch weitere sechs Monate den Standardwirkstoff Methotrexat.

Beide Teilnehmergruppen zeigten zum Studienende vergleichbare Symptome, allerdings war die Biologikum-Gruppe deutlich schneller schmerzfrei. Weiterhin stellten die Mediziner anhand von Röntgenbildern fest, dass die Patienten nach der Behandlung mit dem Biologikum erheblich weniger Knochenzerstörungen aufwiesen. Professor Burmester befürwortet aufgrund dieser positiven Forschungsergebnisse eine frühe, intensive Behandlung mit Adalimumab, um die Lebensqualität der Betroffenen zu erhalten und um Knochenzerstörungen zuvorzukommen.

Abwehrreaktionen möglich

Niederländische Forschungen der Stiftung »Sanquin Bloedvoorziening« haben ergeben, dass ein Drittel der Rheumapatienten Antikörper gegen Adalimumab, auch bekannt als Humira, entwickelt. Diese Antikörper können dazu führen, dass das Biologikum seine Wirkung verliert.

Pauline van Schouwenburg von der Abteilung Immunpathologie bei Sanquin, untersuchte das Blut von 272 Rheumapatienten, die mit Adalimumab behandelt wurden, auf das Vorhandensein von Antikörpern gegen dieses Arzneimittel. Über drei Jahre hinweg wurde das Blut der Rheumapatienten regelmäßig auf die vorhandene Wirkstoffmenge und die Bildung von Antikörper untersucht. 32 Prozent entwickelten eine Abwehrreaktion, die dazu führte, dass das Medikament nur teilweise oder gar nicht mehr wirkte.

Spezielle Antikörper

Die Untersuchungen zeigen zum ersten Mal, gegen welche spezifische Substanz von Adalimumab Antikörper gebildet werden. »Bislang war nicht bekannt, ob die Antikörper sich nur gegen einen oder gegen mehrere Substanzen richten. Diese Studie beweist, dass die Antikörper sich in jedem Fall gegen einen ganz spezifischen Teil des Medikaments richten - nämlich gegen den wirksamen Anteil«, sagt Van Schouwenburg.

Rechtzeitig auf Immunreaktionen testen

Um zu vermeiden, dass Medikamente nicht wirken, können Patienten eventuell mit einer Kombinationstherapie behandelt werden. Van Schouwenburg: »Mit einer Kombinationstherapie werden Wirkstoffe verabreicht, die die Immunreaktion unterdrücken. Frühere Studien lassen vermuten, dass die Chance auf die Bildung von Antikörpern damit gesenkt wird.«


Es ist sinnvoll, um schon in einem frühen Behandlungsstadium zu untersuchen, ob ein Patient Abwehrreaktionen zeigt. »Durch Bestimmen der Wirkstoffmenge und möglicher Antikörper im Blut lässt sich vermeiden, dass ein Patient weiter behandelt wird, obwohl die Therapie schon nicht mehr wirkt. Auch lässt sich vermeiden, dass der Patient andere Wirkstoffe probieren muss, die dann auch nicht wirken. Das ist nicht nur für den Patienten angenehmer, sondern spart auch Kosten. Ärzte müssen daher sorgfältig kontrollieren und routinemäßig das Blut ihrer Patienten auf Antikörper untersuchen lassen«, empfiehlt Van Schouwenburg.

Quellen: Burmester GR et al.: Induction therapy with adalimumab plus methotrexate for 24 weeks followed by methotrexate monotherapy up to week 48 versus methotrexate therapy alone for DMARD naive patients with early rheumatoid arthritis: HIT HARD, an investigator-initiated study. Ann Rheum Dis. 2012 Jul 10. doi: 10.1136/annrheumdis-2012-201612

van Schouwenburg PA, Krieckaert CL, Nurmohamed M, Hart M, Rispens T, Aarden L, Wouters D, Wolbink GJ: IgG4 Production Against Adalimumab During Long Term Treatment of RA Patients, J Clin Immunol. 2012 Oct;32(5):1000-6. doi: 10.1007/s10875-012-9705-0

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