Samstag, 25. Mai 2013


Nicht nur Männer leiden an Schlafapnoe
(Foto: tatlin/pixabay.com)

Schlafapnoe, oft als reines Männerproblem betrachtet, tritt bei Frauen doch häufiger vor als bislang vermutet. Vor allem Frauen mit starkem Übergewicht und hohem Blutdruck sind vermehrt betroffen, wie aktuelle Untersuchungen jetzt ergaben.


Schlafapnoe ist eine ernste Erkrankung, bei der die Schläfer nachts unter Atemaussetzern leiden. Körper und besonders das Gehirn bekommt zu wenig Sauerstoff und löst als Folge einen Weckreflex aus. Das Risiko für Schlafapnoe steigt mit dem Lebensalter und die Zahl der männlichen Betroffenen ist höher als die der weiblichen. Auch unter Typ-2-Diabetikern kommt Schlafapnoe überdurchschnittlich oft vor.

Schlafapnoe auch ein weibliches Problem

In einer Untersuchung der schwedischen Universitäten Uppsala und Umeå ermittelten die Wissenschaftler, wie häufig Schlafapnoe bei Frauen auftritt und welche Risikofaktoren die Schlaferkrankung begünstigen. Die Mediziner nahmen 400 zufällig ausgewählte Frauen zwischen 20 und 70 Jahren in die Studie auf. Die Teilnehmerinnen füllten Fragenbögen aus und nahmen an einer Schlafuntersuchung teil.

Bei der Hälfte der Probandinnen wurde Schlafapnoe festgestellt. Bei den Frauen, deren Blutdruck zu hoch war, waren sogar 80 Prozent betroffen und bei 84 Prozent der stark übergewichtigen Frauen stellten die Forscher Schlafapnoe fest. 31 Prozent der übergewichtigen Teilnehmerinnen zwischen 55 und 70 Jahren zeigten sogar schwere Schlafapnoesymptome.

Die Mediziner waren ungemein überrascht, so viele weibliche Schlafapnoiker zu finden, gilt doch Schlafapnoe immer noch vor allem als männliche Erkrankung. Mediziner wissen allerdings, dass Frauen nach den Wechseljahren durch die abnehmende Hormonproduktion öfter von Schlafapnoe betroffen sind. Ärzte müssen sich vor allem dem Zusammenhang zwischen Schlafapnoe, hohem Blutdruck und Übergewicht bewusst sein, um festzustellen, welche Patienten möglicherweise von der Schlaferkrankung betroffen sind, meinen die schwedischen Wissenschaftler.
Die Studienergebnisse sind in der August-Ausgabe des European Respiratory Journals nachzulesen.

Ursachen und Warnzeichen für Schlafapnoe

Es gibt drei Formen von Schlafapnoe:

  • obstruktive Schlafapnoe
  • zentrale Schlafapnoe
  • gemischte Schlafapnoe

Bei der obstruktiven Schlafapnoe erschlaffen im Schlaf die Gaumen- und Rachenmuskeln so stark, dass bei den Schläfern die Atemwege zufallen. Durch einen solchen Atemstillstand (Apnoe) sinkt der Sauerstoffgehalt im Blut rapide ab. Das Gehirn setzt dann einen Notfallplan in Gang: Bestimmte Stresshormone werden freigesetzt, die den Schläfer so weit aufwecken, dass die Muskelspannung sich erhöht und die Atmung einsetzt.
Bei der zentralen Schlafapnoe liefert das Gehirn nicht genügend Atembefehle und es kommt zu Atemaussetzern.
Die Mehrheit der Schlafapnoiker leidet an der obstruktiven oder der gemischten Schlafapnoe und die meisten sind starke Schnarcher. Im Laufe einer Nacht treten nicht selten bis zu 400 Atemstillstände auf. Dennoch fühlen sich viele Schlafapnoiker morgens ausgeschlafen. Doch schon starkes Schnarchen alleine ist auf Dauer gefährlich für Herz und Kreislauf, wie neuere Untersuchungen beweisen.

Welche Warnzeichen deuten auf eine Schlafapnoe hin?

  • sehr laute unregelmäßige Schnarchgeräusche
  • Atempausen von zehn Sekunden bis zu mehreren Minuten
  • Kopfdruck, Kopfschmerz, Mundtrockenheit am Morgen
  • morgendliche Erschöpfung
  • Schwindel, besonders nach dem Aufstehen
  • abnehmende körperliche und geistige Leistungsfähigkeit
  • Konzentrationsprobleme
  • Persönlichkeitsveränderungen, Depressionen, Nervosität, Gereiztheit
  • häufiger nächtlicher Harndrang und vermehrtes Wasserlassen während der Nacht
  • Erektionsprobleme
  • extreme Tagesmüdigkeit bis zum Sekundenschlaf, vor allem bei monotonen Arbeiten.

Auch Menschen mit Kieferfehlstellungen, Nasenpolypen oder vergrößerten Rachenmandeln sind gefährdet. Und abendlicher Alkoholgenuss, Schlafmittel oder Schichtarbeit erhöhen ebenfalls das Risiko. All diese Umstände fördern die Entwicklung einer Schlafapnoe.

Folgeerkrankungen bei Schlafapnoe

Die dauernden nächtlichen Weckreaktionen des Körpers erzeugen Dauerstress, Puls und Blutdruck steigen und das Herz-Kreislaufsystem wird permanent überlastet. Die für körperliche und geistige Regeneration notwendigen Schlafphasen wie Tiefschlaf und REM-Schlaf sind stark reduziert oder fehlen. Rezeptoren, die das Herz-Kreislaufsystem regulieren, werden überbeansprucht.
Die Folgen der mangelnden Erholungsphasen sind gravierend und neue Einsichten in die gesundheitlichen Konsequenzen starker Schlafstörungen kommen unentwegt hinzu:

  • Entstehung von Bluthochdruck
  • Übergewicht
  • Herzrhythmusstörungen, Herzschwäche, koronare Herzerkrankungen
  • Herzinfarkt
  • Schlaganfall
  • verfrühte Gefäßverkalkung (Arteriosklerose)
  • Depressionen, Angstzustände
  • Abnahme der Merkfähigkeit
  • Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes

Schlafapnoe sollte in jedem Fall behandelt werden. In leichten Fällen kann eine Umstellung der Lebensgewohnheiten ausreichen, beispielsweise Gewicht reduzieren, Alkohol, Nikotin und Schlafmittel vermeiden. In schweren Fällen werden Betroffene mit einer Atemmaske versorgt, die nachts getragen wird und durch leichten Überdruck dafür sorgt, dass die Atemwege offenbleiben. Auch wenn Patienten sich an das Schlafen mit einem solchen CPAP-Gerät (CPAP: engl. Continuous Positive Airway Pressure) gewöhnen müssen, fühlen sich viele Schlafapnoiker nach kurzer Zeit tagsüber wieder erheblich fitter. Probleme wie Tagesmüdigkeit und mangelnde Konzentrationsfähigkeit nehmen ab und der Alltag ist wieder einfacher zu bewerkstelligen.


Quelle: Karl A. Franklin, Carin Sahlin, Hans Stenlund, Eva Lindberg: Sleep apnoea is a common occurrence in females, Eur Respir J erj02127-2011; published ahead of print 2012, doi:10.1183/09031936.00212711

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