Montag, 13. Mai 2013


Schlaganfall durch Blutgerinnsel oder Hirnblutung
(Foto: geralt/pixabay.com)
 
Unter dem Namen Schlaganfall fasst man eine Reihe von Erkrankungen zusammen, die unterschiedliche Ursachen haben und ebenso unterschiedliche Behandlungen erfordern. Ärzte sprechen heute eher von »Hirninfarkt« oder »Hirnblutung« je nach Ursache des Schlaganfalls.


Ursachen für einen Schlaganfall

Apoplexie, Hirninfarkt, Hirninsult: So bezeichnen Mediziner einen Schlaganfall. Doch was passiert dabei im Körper? Gehirnareale werden durch einen Gefäßverschluss oder durch eine Einengung nicht genügend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt, Nervenzellen sterben ab und Körperfunktionen fallen aus. Es kommt zum Hirninfarkt. Dafür sind zwei Hauptursachen verantwortlich:

Verschluss durch ein Blutgerinnsel (Thrombus), das sich beispielsweise im Herzen oder in der Halsschlagader gebildet hat und mit dem Blutfluss ins Gehirn gelangt (Thromboembolie).
Verschluss einer Hirnarterie oder der hirnversorgenden Halsgefäße durch Gefäßverkalkung (Arteriosklerose).
Sind von der Unterversorgung kleinste Arterien im Gehirn betroffen, sprechen Ärzte von einer Mikroangiopathie.

In 15 bis 20 Prozent der Schlaganfälle ist eine Hirnblutung der Auslöser. Dabei reißt ein Blutgefäß und Blut tritt ins umliegende Hirngewebe ein (Interzerebralblutung) - nicht selten durch Bluthochdruck und Vorschäden aufgrund von Arterienverkalkung. Bei etwa zwei bis fünf Prozent der Betroffenen findet die Einblutung in den Zwischenraum von Gehirn und weicher Hirnhaut (Arachnoidea) statt. Dieser Zwischenraum ist normalerweise mit Hirnwasser gefüllt und schützt es vor Erschütterungen.
Seltenere Ursachen für einen Schlaganfall sind Gefäßentzündungen oder -verletzungen, Störungen der Blutgerinnung oder eine Gerinnselbildung in den Venenabflüssen des Hirns (Sinusvenenthrombose).

Symptome bei einem Schlaganfall

Bemerken Sie die nachstehenden Symptome bei sich selbst oder jemand anderem, sollten Sie sofort notärztliche Hilfe aufsuchen, denn ein Schlaganfall stellt eine lebensbedrohliche Situation dar. Und je früher die Behandlung nach einem Schlaganfall einsetzt, umso besser können Folgeschäden verhindert werden.
Typische Symptome bei einem Schlaganfall sind:

Sehstörungen (Doppelbilder, vorübergehender Sehverlust auf einem Auge, verschwommenes Sehen, Einschränkungen des Gesichtsfeldes, Störungen des räumlichen Sehens),
plötzlich einsetzende Schwäche oder Lähmung einer Körperhälfte oder eines Armes, Beines oder einer Gesichtshälfte (herabhängender Mundwinkel),
Schwindel und Gleichgewichtsstörungen,
plötzlich einsetzende Verwirrtheit, Bewusstseinseintrübung bis zur Bewusstlosigkeit,
schlagartig auftretende sehr starke Kopfschmerzen, die der Betroffene so nicht kennt,
Übelkeit und Erbrechen.

TIA - der kleine Schlaganfall

Etwa jeder dritte Schlaganfall kündigt sich durch TIAs an. Eine Transitorisch Ischämische Attacke (TIA) weist die gleichen Symptome auf, die allerdings nur Minuten bis wenige Stunden anhalten. Eine TIA entsteht durch eine kurzzeitige Durchblutungsstörung und sollte genauso notfallmäßig behandelt werden wie ein Schlaganfall.

Wie wird ein Schlaganfall festgestellt?

Ein zum Schlaganfall führender Gefäßverschluss oder eine Hirnblutung werden vorrangig mit bildgebenden Verfahren wie Computertomografie (CT), Magnetresonanztomografie (MRT) oder Kernspintomografie festgestellt. Herzrhythmusstörungen werden mittels eines EKGs (Elektrokardiogramm) kontrolliert. Ultraschalluntersuchungen des Herzens und der hirnversorgenden Blutgefäße geben weitere Hinweise auf Gefäßablagerungen, Gefäßeinengungen, Gefäßverschlüsse oder Blutgerinnselbildung.

Therapie beim Schlaganfall

Die Akutbehandlung wird optimal auf einer sogenannten Stroke Unit, einer Schlaganfall-Spezialstation, eingeleitet. Hier ist die Behandlung auf die speziellen Anforderungen von Schlaganfall-Patienten ausgerichtet.
Bei einem Gefäßverschluss können Blutgerinnsel durch eine Lysetherapie medikamentös aufgelöst werden. Dies muss allerdings innerhalb von maximal viereinhalb Stunden nach dem Schlaganfall geschehen. Wichtig ist deshalb, die Warnsignale zu beachten und möglichst schnell zu reagieren. Umso wirksamer ist die Therapie und langfristige Schäden können verhindert werden.
Ist die Ursache des Schlaganfalls eine Hirnblutung oder ist das Zeitfenster für eine Lysetherapie verstrichen, so werden chirurgische Maßnahmen notwendig.

Nach der Akutversorgung setzen sobald wie möglich Rehabilitationsmaßnahmen ein, um die körperlichen und geistigen Fähigkeiten zurückzuerlangen oder zu erhalten. In der Regel wird der Schlaganfall-Patient in eine Reha-Klinik überwiesen, wo er zunächst drei Wochen stationär betreut wird. Die weitere Rehabilitation kann auch ambulant am Wohnort des Patienten durchgeführt werden.

Die Folgen: Einschränkungen im Alltag

Der Schlaganfall ist die dritthäufigste Todesursache nach Krebs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Das erste Jahr nach einem Schlaganfall überleben bis zu 40 Prozent der Betroffenen nicht.
Rund 64 Prozent der Schlaganfall-Patienten bleiben ein Jahr nach dem Schlaganfall pflegebedürftig. Schlaganfall ist der häufigste Grund für erworbene Behinderungen bei Erwachsenen. Zu den häufigsten Folgeerscheinungen zählen einseitige Lähmungen, Gefühlsstörungen in Armen und Beinen, Schluckstörungen, Gleichgewichtsstörungen, Bewusstseins- und Wahrnehmungsstörungen, Sprach- und Sehstörungen. Etwa die Hälfte der Patienten wird durch Hirnschäden oder die daraus resultierenden Behinderungen depressiv.
Fast eine Million Menschen in Deutschland leiden unter den Folgen einer Schlaganfall-Erkrankung und aufgrund der steigenden Lebenserwartung wird die Zahl weiter zunehmen.

Die größten Risikofaktoren

Zu den Hauptrisikofaktoren für das Auftreten eines Schlaganfalls zählen:

Nikotin
Stress
Bluthochdruck
Zu hohe Blutfettwerte
Bewegungsmangel und Übergewicht
Zu hoher Blutzucker (Diabetes mellitus)
Herzrhythmusstörungen (Vorhofflimmern)

Vor allem das Vorhofflimmern gilt inzwischen als gefährlich. Vorhofflimmern ist die häufigste Herzrhythmusstörung. Etwa eine Million Menschen in Deutschland sind davon betroffen, doch nur jede Zweite weiß von seiner Erkrankung. Betroffene haben ein fünffach erhöhtes Risiko einen Schlaganfall zu erleiden. Größte Gefahr beim Vorhofflimmern ist, dass sich im linken Herzvorhof Blutgerinnsel bilden und mit dem Blut ins Gehirn geschwemmt werden. Zur Vorbeugung erhalten solche Risikopatienten Blut verdünnende Medikamente.

Doch auch die anderen Risikofaktoren sollten reduziert oder ganz vermieden werden. Denn sie alle führen zu Ablagerungen in den Blutgefäßen (Arteriosklerose), schlechten Fließeigenschaften des Blutes, weniger Elastizität der Blutgefäße und verstärken sich gegenseitig negativ.

Vorbeugung und Früherkennung können Leben retten

Durch Früherkennung und vorbeugende Maßnahmen könnten nach Meinung der Deutschen Schlaganfall-Hilfe bis zu 70 Prozent aller Schlaganfälle vermieden werden. Basis sind eine gesunde Lebensführung und die Kontrolle eventueller Risikofaktoren. Wer seine Risikofaktoren kennt und entsprechend gegensteuert, kann sein Schlaganfall-Risiko deutlich senken. In Deutschland werden jährlich etwa 270.000 Menschen »vom Schlag getroffen«. Die Deutsche Schlaganfall-Hilfe wirbt daher auch vor allem für Früherkennung und regelmäßige medizinische Check-ups.

Die Krankenkassen bieten entsprechende Vorsorgeprogramme ohne Zusatzkosten an. Schon ab 35 können solche Vorsorgeuntersuchungen alle zwei Jahre in Anspruch genommen werden. Hausärzte raten gerade dieser Altersgruppe dazu, die Check-ups zu nutzen, um eventuelle Risiken zu erkennen. Und selbst im Alter oder nach einem überstandenen Schlaganfall lohnen sich vorbeugende Maßnahmen wie die Umstellung ungünstiger Lebensgewohnheiten. Weitere Informationen, Fragebögen zur Vorbereitung auf ein Arztgespräch und ein Online-Risikotest finden Sie auf der Internetseite der Deutschen Schlaganfall-Hilfe.

Quelle: Thrombolysis with Alteplase 3 to 4.5 Hours after Acute Ischemic Stroke.
Hacke W, et al., for the ECASS Investigators. N Engl J Med 2008;359:1317-29, doi: 10.1056/NEJMoa0804656

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