Mittwoch, 2. Oktober 2013


Die Signalgebung des Magens ist bei Übergewicht gestört
(Foto: weinstock / pixabay.com)

Der Magen fettleibiger Menschen lässt Diäten durch falsche Signale scheitern, sagen australische Forscher. Das Signal bleibt auch nach einer Gewichtsabnahme gestört.


Die Art und Weise, wie der Magen das Sättigungsgefühl wahrnimmt und das Signal »satt« ans Gehirn weiterleitet, ist bei krankhaft übergewichtigen Menschen gestört und normalisiert sich auch nach einer Gewichtsreduktion nicht, wie Forschungen der Universität von Adelaide ergeben haben. Forscher glauben, dass dies ein Schlüssel dafür sein könnte, warum Menschen nach einer erfolgreichen Diät wieder an Gewicht zunehmen.

Fettreiche Ernährung machen Magennerven unempfindlich

In Laborstudien erforschte Stephen Kentish, Student an der Universität von Adelaide, die Auswirkungen einer fettreichen Ernährung auf die Fähigkeit des Darms Sattheit zu signalisieren und ob Veränderungen sich normalisieren, wenn das Körpergewicht abnimmt.
Die Ergebnisse, veröffentlicht im Fachjournal »International Journal of Obesity«, zeigen, dass die Nerven im Magen, die Sattheit ans Gehirn melden, nach einer dauerhaft fettreichen Ernährung desensibilisiert sind.
»Die Reaktion der Magennerven kehrt bei normaler Ernährung nicht zum Normalzustand zurück. Das bedeutet, dass man mehr essen muss, um dasselbe Sättigungsgefühl zu haben wie gesunde Personen«, sagt Studienleiter Professor Amanda Page vom Forschungslabor für Darmnerven der Universität.

Leptin desensibilisiert Magennerven

»Das körpereigene Hormon Leptin, das die Nahrungsaufnahme reguliert, kann auch die Empfindlichkeit der Nerven im Magen, die Sattheit signalisieren, verändern. Unter normalen Bedingungen wirkt Leptin als Essbremse und stoppt die Nahrungszufuhr. Doch bei Personen, die durch fettreiche Ernährung fettleibig geworden sind, desensibilisiert Leptin die Magennerven, die Sattheit feststellen. Diese zwei Mechanismen kombiniert bedeuten, dass fettleibige Menschen mehr essen müssen, um sich satt zu fühlen, was wiederum den Kreislauf der Fettleibigkeit weiterführt.«

Möglicherweise dauerhafter Effekt

Professor Page sagt, dass die Ergebnisse große Bedeutung für Leute mit Adipositas haben. Sowohl für Personen, die versuchen Gewicht zu verlieren als auch für Personen, die versuchen, ihren Gewichtsverlust beizubehalten.
»Unglücklicherweise zeigen unsere Resultate, dass die Nerven im Magen für Sattheit desensibilisiert bleiben, nachdem ein Gewichtsverlust erreicht wurde«, erklärt Page. Allerdings ist sie noch nicht sicher, ob dieser Effekt dauerhaft oder nur langandauernd.

»Wir wissen, dass nur fünf Prozent der Leute, die eine Diät machen, in der Lage sind ihren Gewichtsverlust zu stabilisieren. Die meisten Leute sind innerhalb von zwei Jahren nach einer Diät zu ihrem Ausgangsgewicht zurückgekehrt«, sagt Page. »Mehr Forschung ist nötig, um festzustellen, wie lange der Effekt anhält und ob es einen Weg gibt - chemisch oder anderweitig - um den Magen zu überlisten und ihn in den Normalzustand zurückzuversetzen.«


Quelle: S J Kentish, T A O‘Donnell, C L Frisby, H Li, G A Wittert and A J Page: Altered gastric vagal mechanosensitivity in diet-induced obesity persists on return to normal chow and is accompanied by increased food intake, International Journal of Obesity (30 July 2013), DOI: 10.1038/ijo.2013.138

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