Mittwoch, 20. November 2013


Rotwein enthält viel Resveratrol
(Foto: tpsdave / pixabay.com)

Resveratrol in Rotwein und Trauben hat viele gesundheitsfördernde Eigenschaften. Bestimmte Krebszellen sprechen sogar besser auf eine Bestrahlung an.


In früheren Untersuchungen stellten Wissenschaftler bereits fest, dass Rotwein den Konsum von Fleisch gesünder macht. Denn beim Verdauungsprozess von Fleisch fallen große Mengen von veränderten LDL-Lipoproteinpartikeln an. Diese veränderten Fettpartikel fördern Ablagerungen in den Blutgefäßen, was auf Dauer zu Arteriosklerose und Folgeerkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall führen kann. Wer also gerne und häufig zu Braten, Hähnchen und Schnitzel greift, hat ein erhöhtes Risiko für die Entstehung von Arteriosklerose. Ein Glas Rotwein zum Essen oder auch das Zufügen von Rotwein beim Kochen und Braten von Fleisch kann die Gefahr verringern. Und wer kann schon einem zarten saftigen Stück Braten in einer sämigen dunklen Rotweinsoße begleitet vom Duft frischer Kräuter widerstehen?

Resveratrol: Hilfe in der Krebstherapie

Eine aktuelle Studie der Universität von Missouri zeigte, dass Resveratrol, ein Polyphenol in Rotwein und Traubenschalen, bestimmte Arten von Krebszellen empfänglicher für eine Bestrahlungstherapie macht. Diese Forschungen wurden an Zellen von Melanomen durchgeführt und folgen einer früheren Studie, die ähnliche Ergebnisse bei der Behandlung von Prostata-Krebs feststellte. Der nächste Schritt für die Forscher ist, eine erfolgreiche Methode zu entwickeln, um das Resveratrol zum Tumor zu bringen und vielleicht eine Vielzahl von Krebsarten zu behandeln.

»Unsere Studie überprüfte, wie Resveratrol und Bestrahlungstherapie das Überleben von Melanomzellen verhindern«, sagt Michael Nicholl vom »Ellis Fischel Cancer Center« in Columbia, Missouri. »Diese Arbeit baut auf dem bisherigen Erfolg mit Resveratrol plus Bestrahlung bei Prostatakrebs auf. Wegen der Schwierigkeiten ausreichende Mengen Resveratrol in die Melanomzellen zu bringen, ist die Substanz wahrscheinlich momentan keine effektive Behandlungsmöglichkeit für fortgeschrittene Melanome.«

Resveratrol verbessert Bestrahlungstherapie

Die Studie stellte fest, dass Melanome empfänglicher für eine Bestrahlung werden, wenn sie zuvor mit Resveratrol behandelt werden. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass bei einer Behandlung des Krebses mit Resveratrol alleine, bereits 44 Prozent der Tumorzellen abgetötet wurden. Wurden die Krebszellen mit einer Kombination aus Resveratrol und Bestrahlung behandelt, starben 65 Prozent der Tumorzellen ab.
Nicholl sagte, dass seine Ergebnisse zu mehr Forschung führen könnten, um die Vorteile einer natürlich vorkommenden Substanz in der Krebsbekämpfung auszuloten.

»Es scheint einige Möglichkeiten zu geben und Resveratrol könnte potenziell sehr wichtig sein bei der Behandlung einer Vielzahl von Krebsarten«, meinte Nicholl. »Es kommt darauf, wie das Resveratrol eingesetzt wird. Wenn wir einen erfolgversprechenden Weg finden, um das Resveratrol in die Tumorzellen zu bringen, könnte es zur Behandlung vieler Krebsarten dienen. Melanome sind wegen ihrer Art sich im Körper zu verbreiten, sehr knifflig. Aber wir stellen uns vor, dass das Resveratrol mit Bestrahlung kombiniert werden kann, um symptomatisch Metastasen zu behandeln, die im Gehirn oder im Knochen entstehen können.«

Keine Eigentherapie mit Resveratrol

Resveratrol als Nahrungsergänzung ist frei verkäuflich in vielen Reformhäusern und Supermärkten zu bekommen. Nicholl empfiehlt Patienten jedoch nicht, sich auf diese Mittel zur Behandlung von Krebs zu verlassen, denn weitere Forschungen sind noch notwendig. Die Studie von Nicholl wurde im »Journal of Surgical Research« veröffentlicht. Falls zusätzliche Studien in den kommenden Jahren erfolgreich sind, wollen die Forscher die entsprechenden Genehmigungen zur Entwicklung eines Medikaments beantragen. Erst danach sind klinische Studien möglich, die hoffentlich zu neuen Arzneimitteln in der Krebstherapie führen.

Resveratrol auch nach Umwandlung effektiv

In einer britischen Studie stellten Wissenschaftler jetzt auch fest, dass das Resveratrol Krebszellen auch noch effektiv bekämpft, nachdem es vom Körper verstoffwechselt wurde. Das ist ein äußerst interessantes Ergebnis, denn Resveratrol wird sehr schnell verstoffwechselt und bislang nahmen Wissenschaftler an, dass der Spiegel der extrahierten Substanz im Körper zu schnell sinkt, um es in klinischen Studien einsetzen zu können. Die neuen Forschungen zeigen, dass das Resveratrol immer noch in die Zellen aufgenommen werden kann, auch nach dem es in Resveratrol-Sulfate umgewandelt wurde.

Enzyme innerhalb der Zellen sind fähig, diese Substanzen wieder in Resveratrol abzubauen. Das bedeutet, dass der Resveratrol-Spiegel in den Zellen höher ist als bisher gedacht. Tatsächlich zeigten die Ergebnisse sogar, dass Resveratrol sogar effektiver ist, wenn es aus Resveratrol-Sulfaten erzeugt wird, denn die erreichten Konzentrationen sind höher. Karen Brown, die die Studie an der Universität von Leicester leitete, untersuchte die Resveratrol-Sulfate bei Mäusen. Das Forschungsteam konnte freies Resveratrol im Blutplasma und in verschiedenen Geweben der Versuchstiere nachweisen. Das ist der erste Hinweis, dass Resveratrol aus Resveratrol-Sulfaten in lebenden Tieren erzeugt werden kann und die Forscher glauben, damit verdeutlichen zu können, wie positiv Resveratrol bei Tieren wirken kann.

Resveratrol lässt Krebszellen sich selbst verdauen

Die Studie konnte ebenfalls nachweisen, dass Resveratrol, das aus Resveratrol-Sulfaten hergestellt wurde, in der Lage ist, das Wachstum von Krebszellen zu verlangsamen, indem Resveratrol die Zellen dazu anregt, sich selbst zu verdauen und die weitere Zellteilung verhindert.
Professor Karen Brown sagt: »Es gibt deutliche Beweise aus Laborversuchen, dass Resveratrol eine Vielzahl positiver Wirkungen hat - vom Schutz gegen diverse Krebsarten und Herzerkrankungen bis zur Verlängerung der Lebenszeit. Unsere Studie war die erste, die zeigte, dass Resveratrol in den Zellen aus Resveratrol-Sulfaten zurückgewonnen werden kann und das dieses Resveratrol dann noch biologisch aktiv ist, was sich für eine Vielzahl menschlicher Krankheiten als nützlich erweisen könnte.«

Rotwein leider nicht auf Rezept

Doch wer nun glaubt, dass er beim nächsten Arztbesuch eine Flasche Rotwein zur Vorbeugung und Behandlung verschiedenster Erkrankungen verordnet bekommt, wird enttäuscht sein, denn Dr. Sarah Williams, Pressesprecherin der britischen Krebsforschung, sagt: »Diese interessante Studie unterstützt weitergehende Forschungen von Resveratrol als therapeutisches Molekül, aber es ist wichtig anzumerken, dass jeglicher Gesundheitsvorteil des Moleküls nicht durch das Trinken von Rotwein herbeigeführt wird. Es ist bekannt, dass das Trinken von Alkohol in jeder Form - Rotwein eingeschlossen - das Krebsrisiko erhöht.«

Resveratrol hat in verschiedenen Studien auch eine zellschützende Wirkung beim Glaukom gezeigt. Der erhöhte Augeninnendruck verursacht vermehrt oxidativen Stress an der Netzhaut und am Sehnerv. Die Ausschüttung von Entzündungsbotenstoffen wird verringert und die Zellalterung verlangsamt. Diese Eigenschaften schützen aber nicht nur Zellen im Auge, sondern auch die Blutgefäße und können so einer Arteriosklerose vorbeugen. In einer neueren Studie konnte Resveratrol auch krankhafte Veränderungen des Herzens, die häufig bei einem Diabetes mellitus auftreten, hinauszögern und abmildern.

Resveratrol: In welchen Pflanzen findet man es?

Obwohl Resveratrol in größeren Mengen hauptsächlich in Rotwein vorkommt, sind auch roter Traubensaft und verschiedene Pflanzen und pflanzliche Lebensmittel gute Resveratrol-Quellen. Neben Weintrauben findet man das Polyphenol in Maulbeeren, Pflaumen, Himbeeren und Erdnüssen. Es schützt die Pflanzen vor Parasiten, Pilzinfektionen, Verletzungen oder ultravioletter Strahlung.

Und auch wenn übermäßiger Alkoholgenuss natürlich in keinem Fall gesundheitsfördernd ist, so können ein bis zwei Gläser Rotwein pro Tag durchaus einen positiven Aspekt für die Gesundheit bieten. Genießen Sie es, denn Entspannung und Wohlbefinden sind auch gesundheitsfördernd.

Quellen: Yujiang Fang, Moore J. Bradley, Kathryn M. Cook, Elizabeth J. Herrick, Michael B. Nicholl: A potential role for resveratrol as a radiation sensitizer for melanoma treatment. Journal of Surgical Research - August 2013 (Vol. 183, Issue 2, Pages 645-653, DOI: 10.1016/j.jss.2013.02.037)

Ketan R. Patel, Catherine Andreadi, Robert G. Britton, Emma Horner-Glister, Ankur Karmokar, Stewart Sale, Victoria A. Brown, Dean E. Brenner, Rajinder Singh, William P. Steward, Andreas J. Gescher und Karen Brown: Sulfate Metabolites Provide an Intracellular Pool for Resveratrol Generation and Induce Autophagy with Senescence. Science translational Medicine, 2013 DOI: 10.1126/scitranslmed.3005870


Mohammadshahi M, Haidari F, Ghadiri Soufi F.: Chronic resveratrol administration improves diabetic cardiomyopathy in part by reducing oxidative stress. Cardiol J. 2013 Nov 6. DOI: 10.5603/CJ.a2013.0051

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