Dienstag, 28. Januar 2014


Glutenfreie Nahrungsmittel schützen bei Zöliakie
auch vor Knochenbrüchen
(Foto: Jing / pixabay.com)

Schäden, die durch eine Glutenunverträglichkeit am Dünndarm entstehen, erhöhen bei Zöliakiepatienten auch das Risiko für Hüftfrakturen.


Etwa ein Prozent der europäischen Bevölkerung leidet an Zöliakie. Ihr Immunsystem reagiert auf das Eiweiß, das in Getreidesorten wie Roggen, Weizen und Gerste vorkommt, und löst eine Reaktion im Dünndarm aus. Die Symptome sind oft unspezifisch. Durchfall und Verstopfung im Wechsel sowie Blähungen und Bauchschmerzen werden oft anderen Krankheiten zugeordnet wie etwa dem Reizdarmsyndrom.

Mehr Knochenbrüche durch Glutenintoleranz

Bei einer Glutenunverträglichkeit kommt es auf Dauer zu Schäden am Darm. Auf lange Sicht führen diese Schäden auch zu einem höheren Risiko für Knochenbrüche, wie Wissenschaftler in Stockholm feststellten. Bislang kamen Studien zu widersprüchlichen Ergebnissen, ob ein erhöhtes Fraktur-Risiko bestehen bleibt, wenn die Erkrankung diagnostiziert und durch eine entsprechende Diät behandelt wird. »Wir glauben, dass durch eine Erholung der Dünndarmschleimhaut auch das Risiko für Komplikationen, einschließlich Knochenbrüchen, bei Zöliakie-Patienten sinkt«, sagt einer der Studienautoren, Jonas F. Ludvigsson von der Karolinska Universitätsklinik in Stockholm. »Unsere Studie bestätigte, dass Patienten eine höhere Rate an Hüftfrakturen haben, wenn das Darmgewebe langfristig geschädigt bleibt. Es ist deshalb von enormer Bedeutung, an einer glutenfreien Diät festzuhalten, um die Schäden an der Darmschleimhaut so gering wie möglich zu halten und das Risiko für Knochenbrüche zu reduzieren.«

Viele Patienten haben dauerhafte Schäden der Darmzotten

Die Kohorten-Studie analysierte Gewebeproben von 7.146 Schweden, die zwischen Juli 1969 und Februar 2008 die Diagnose Zöliakie erhalten hatten. Folgebiopsien wurden innerhalb von fünf Jahren nach der Diagnose durchgeführt. Die Forscher untersuchten, wie stark das Darmgewebe geschädigt war. Unter den Teilnehmern litten 43 Prozent an dauerhafter Zottenatrophie. Das bedeutet, dass die normalerweise dicht gefalteten Zotten der Darmschleimhaut abgeflacht sind. Die Darmschleimhaut kann dann nicht mehr genügend Nährstoffe aus der Nahrung aufnehmen.

Langzeitschäden am Darm erhöhen Risiko für Hüftfraktur

Die Forscher analysierten Patientendaten, um festzustellen, wie viele von ihnen Knochenbrüche hatten. Patienten wurden durchschnittlich 10,3 Jahre überwacht nach der Diagnose Zöliakie. Die Studie fand heraus, dass Patienten mit dauerhaften Gewebeschäden im Darm mit höherer Wahrscheinlichkeit eine Hüftfraktur erlitten. Alle Patienten hatten zum Zeitpunkt der Folgebiopsie ein ähnliches Risiko. Die Gruppe mit dauerhaften Darmschäden hatte ein höheres Risiko für eine Hüftfraktur beginnend fünf Jahre nach der Folgebiopsie, was auf ein höheres Langzeitrisiko schließen lässt.

»Mediziner haben darüber diskutiert, ob Zöliakie-Patienten tatsächlich von einer Folgebiopsie profitieren, um festzustellen, inwieweit das Darmgewebe heilt«, sagt einer der Studienautoren, Benjamin Lebwohl vom Zöliakie-Zentrum der Columbia Universitätsklinik in New York. »Die Ergebnisse deuten an, dass eine Folgebiopsie nützlich sein kann zur Vorhersage von Komplikationen im Verlauf der Erkrankung.«

Quelle: Jonas F. Ludvigsson, PhD, MD et al. Persistent Mucosal Damage and Risk of Fracture in Celiac Disease. JCEM, February 2014. DOI:10.1210/jc.2013-3164

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