Samstag, 21. Juni 2014


Herzinfarkt: Frauen unter 55 haben mehr
Komplikationen als Männer
(Foto: geralt / pixabay.com)

Frauen, die vor dem 55. Lebensjahr einen Herzinfarkt überleben, müssen mit mehr Komplikationen rechnen als Männer.


Obwohl Frauen bis zum Eintritt der Menopause durch das körpereigene Östrogen besser gegen Herzinfarkt geschützt sind als Männer, trifft es immer mehr Frauen zwischen dem 40. und 55. Lebensjahr. Experten führen das auf die Tatsache zurück, dass in den vergangenen Jahrzehnten die Anzahl der Raucherinnen zugenommen hat. Neue Untersuchungen haben nun ergeben, dass Frauen bei einem Herzinfarkt vor dem 55. Lebensjahr mit mehr Komplikationen in den nachfolgenden Monaten zu kämpfen haben als Männer.

1 Jahr nach dem Infarkt haben Frauen mehr Probleme als Männer

Ein Jahr nach dem Herzinfarkt ist die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit schlechter und die Lebensqualität geringer als bei Männern, die den Herzinfarkt überlebten, zeigte die Studie der »Yale School of Medicine« in New Haven, Connecticut. Die Forscher können über die Ursachen dieser Ergebnisse nur spekulieren, aber konnten bei den Untersuchungen feststellen, dass Frauen generell bereits in einem schlechteren Gesundheitszustand waren, wenn sie den Herzinfarkt erlitten.

»Wir sprechen über relativ junge Patienten und deshalb sind die Ergebnisse wirklich verstörend und beunruhigend«, sagt Studienleiterin Rachel Dreyer. Die Wissenschaftler untersuchten, wie es etwa 3.500 amerikanischen und spanischen Erwachsenen im Alter bis zu 55 Jahren ein Jahr nach einem ersten Herzinfarkt zwischen 2008 und 2012 erging. Mehr als zwei Drittel der Studienteilnehmer waren Frauen. Die Anzahl der Teilnehmer, die rauchten oder Bluthochdruck war bei Männern und Frauen etwa gleich verteilt. Nicht eingeschlossen bei der Studie waren Patienten, die an einem Herzinfarkt verstorben waren.

Frauen hatten schlechteren Gesundheitszustand

Frauen hatten etwas häufiger Diabetes (Frauen 39%, Männer 27%) zum Zeitpunkt des Infarktes. Frauen waren auch etwas häufiger fettleibig (Frauen 51%, Männer 45%), hatten ein doppelt so hohes Risiko für einen vorherigen Schlaganfall und ein fast dreimal so hohes Risiko für eine chronische Lungenerkrankung. Depressionen waren auch doppelt so häufig bei den weiblichen Teilnehmern, fanden die Forscher.

Rachel Dreyer und ihre Kollegen stellten ihre Studienergebnisse auf der diesjährigen Konferenz der »American Heart Association« in Baltimore vor. Die Ergebnisse müssen allerdings noch als vorläufig betrachtet werden. Denn auch andere Faktoren als ein schlechter Gesundheitszustand vor dem Infarkt könnten eine Rolle spielen. Beispielsweise ein schlechterer Zugang zu medizinischer Versorgung und weniger soziale Unterstützung, bei gleichzeitiger Mehrbelastung durch berufliche und familiäre Verantwortung, merken die Wissenschaftler an.

Frauen sollten mehr auf ihre Gesundheit achten

»Ich würde sagen, dass Frauen sich wirklich mehr auf ihre Lebensweise konzentrieren müssen«, sagt Studienautorin Dreyer. »Darüber sollten sie auch mit ihren Hausärzten sprechen. Es sind Frauen in der Blüte ihres Lebens, daher ist es wichtig, dass sie auf ihre eigene Gesundheit und entsprechende Vorbeugemaßnahmen achten.«
In erster Instanz gilt es, einen Herzinfarkt zu verhindern. Wenn das nicht möglich ist, sollte eine gesündere Rehabilitation das Ziel sein, meint Dreyer.

Frauen haben höheres Sterberisiko nach Herzinfarkt

Und auch Dr. Gregg Fonarow, Professor für Kardiologie an der Universität von Kalifornien in Los Angeles, ist von der Wichtigkeit der Studienergebnisse überzeugt. »Während jüngere Frauen im Vergleich zu jüngeren Männern eher seltener einen Herzinfarkt bekommen, haben frühere Studien gezeigt, dass jüngere Frauen ein deutlich höheres Sterberisiko haben«, erklärt er. »Frühere Studien haben ebenfalls angedeutet, dass bei Frauen - vor allem bei jüngeren Frauen - nicht so schnell ein Herzinfarkt diagnostiziert und behandelt wird«, merkt Fonarow an. »Diese Daten legen nahe, dass die langfristigen Gesundheitsfolgen für diese jüngere Frauen weitreichender sind als bisher angenommen«, fügt er hinzu.


Quelle: Strait K, Lichtman J, Dreyer R.: Young women fare worse than young men after heart attack. American Heart Association’s Quality of Care and Outcomes Research Scientific Sessions. 2014.

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