Donnerstag, 10. Juli 2014


Der verwendete Fahrsimulator
(Foto: Universität von Granada)

Die biologische Uhr beeinflusst unsere Leistungsfähigkeit, unser Gesundheitsrisiko und sogar unsere Fahrtüchtigkeit, wie spanische Forscher jetzt herausfanden.


Wann wir fit und leistungsfähig oder müde und lustlos sind, wird maßgeblich von unserer biologischen Uhr bestimmt. Unser Chronotyp - also Lerche oder Eule - wird genetisch vorgegeben und je nachdem welche Genkombination wir von unseren Eltern mitbekommen, sind wir Frühaufsteher oder Nachtmenschen. Der zirkadiane Rhythmus macht uns selbst für gewisse Krankheiten anfälliger und wirkt somit auch auf unser Gesundheitsrisiko ein. Spanische Forscher stellten nun fest, dass unsere innere Uhr auch die Fahrtüchtigkeit manipuliert.

Eulen morgens unaufmerksam beim Fahren

Forscher der Universität von Granada zeigten, dass der individuelle Chronotyp deutlich das Fahrverhalten beeinflusst. Tatsächlich waren die Nachteulen am frühen Morgen miserable Autofahrer. Sie sind während ihrer »nicht-optimalen« Zeit einfach unaufmerksamer. Allerdings ließ das Experiment erkennen, dass Lerchen, also die Frühaufsteher, generell die beständigeren Autofahrer waren, denn sie fuhren relativ gut sowohl in den Morgenstunden wie am Abend.
In einem Artikel in »Accident Analysis and Prevention« analysierten Forscher der Gruppe »Neuroergonomia« an der Universität von Granada den zirkadianen Rhythmus an 29 Studenten mit extremem Chronotyp, die aus mehr als 500 Personen zufällig ausgewählt wurden.

Lerchen und Eulen im Fahrsimulator

Zirkadiane Rhythmen sind Unterschiede in biologischen Variablen, die in regelmäßigen Intervallen auftreten, so wie Schlaf- und Wachphasen. »Als Wissenschaftler ziehen wir gerne den Vergleich zu Vögeln: Wir vergleichen Frühaufsteher mit Lerchen und Nachtmenschen mit Eulen«, erklärt Ángel Correa, Hauptautor der Studie. Das Forschungsteam der Universität Granada benutzte einen Fragebogen, um festzustellen, wann sich beispielsweise die Teilnehmer am vitalsten fühlten oder wie ihre Schlafgewohnheiten waren und einen Fahrsimulator. Beide Gruppen, Morgen- und Abendtypen, absolvierten sowohl um 8 Uhr morgens als auch um 8 Uhr abends eine Testfahrt im Fahrsimulator. Danach wurden die Fahrleistungen zu den jeweils optimalen und nicht optimalen Tageszeiten verglichen.
Anhand der Forschungsergebnisse regen die Forscher an, dass Unternehmen ihre Mitarbeiter daraufhin testen sollten, ob sie Morgen- oder Abendtypen sind und ihre Arbeitszeiten dementsprechend anzupassen.

Hochrisiko Berufe

»Bestimmte Berufe beinhalten die Durchführung von Aufgaben, die besondere Wachsamkeit erfordern: Piloten, Fluglotsen, Überwachungspersonal in Atomkraftwerken, Chirurgen oder Berufskraftfahrer«, betont Correa. »Eine bestimmte Tageszeit kann gut oder schlecht sein für diese Aufgaben, je nachdem welcher Chronotyp der Durchführende hat und natürlich gibt es auch Zeiten, die für jeden schlecht sind, wie während des Mittagstiefs oder in den frühen Morgenstunden zwischen drei Uhr und fünf Uhr«, weist Correa hin.

Die Wissenschaftler der Universität von Granada warnen, dass Fahren nach einer Wachzeit von mehr als 18 Stunden gefährlich ist. Zum Beispiel wenn jemand nachts um 2 Uhr fährt, nachdem er am Vortag um 8 Uhr aufgestanden ist, was im Alltag recht häufig vorkommt. »Das ist mit dem gleichen Risikoniveau verbunden wie fahren mit dem maximal zulässigen Blutalkoholspiegel, denn das Maß an Wachsamkeit sinkt unter solchen Umständen beträchtlich«, erklären die Forscher.

Quellen: Correa A, Molina E, Sanabria D: Effects of chronotype and time of day on the vigilance decrement during simulated driving. Accid Anal Prev. 2014 Jun;67:113-8. doi: 10.1016/j.aap.2014.02.020

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