Samstag, 9. August 2014


Energy Drinks plus Alkohol verführen
zu mehr Alkoholkonsum
(Foto: evilos / pixabay.com)

Energy Drinks plus Alkohol verführen zu mehr Alkoholkonsum und erhöhen das Risiko für’s »Komasaufen« vor allem bei Jugendlichen, sagen Wissenschaftler.


Gesundheitsexperten beobachten mit zunehmender Sorge, dass vor allem Jugendliche und junge Erwachsene Energy Drinks gerne zusammen mit Alkohol konsumieren. Neue Forschungen bieten nun Beweise für den Mechanismus, warum Energy Drinks das »Komasaufen« fördern: Die Kombination von Energy Drinks mit Alkohol erhöht stärker den Wunsch mehr zu trinken als nur beim alleinigen Konsum von Alkohol. Studienteilnehmer, die Energy Drinks mit Alkohol kombinierten, bewerteten das Mixgetränk deutlich besser und wollten mehr davon trinken als nur bei alkoholischen Getränken alleine.

Energy Drinks mit Alkohol verführen zum »Komasaufen«

»Eine Reihe von Querschnittsstudien zeigen, dass junge Erwachsene, die Alkohol mit Energy Drinks mixen, mehr Alkohol konsumieren als Gleichaltrige, die Energy Drinks nicht mit Alkohol kombinieren. Und einige Studien deuten an, dass dieses Verhalten das Risiko für übermäßiges Trinken - auch bekannt als »Komasaufen« - erhöht«, erklärt Rebecca McKetin von der »Australian National University« und Leiterin der Studie. »Dennoch kann es natürlich auch einfach sein, dass Leute, die öfter trinken, wahrscheinlich auch öfter Energy Drinks mit Alkohol trinken. Aber wenn es so sein sollte, dass Energy Drinks übermäßiges Trinken fördern, könnte die Popularität von Energy Drinks mit Alkohol die alkoholbedingten Schäden bei Jugendlichen verschärfen, besonders Schäden durch Trunkenheit wie Autounfälle und Verletzungen durch Streitereien oder Stürze.«

Mehr Probleme nach Energy Drinks

»Wenn wir berücksichtigen, dass Forschungen einen viel höheren Konsum bei Teilnehmern von Veranstaltungen festgestellt haben, zeigt diese Studie die Notwendigkeit des Handelns bei den Entscheidungsträgern«, fügt Peter G. Miller, Professor für Psychologie an der Deakin-Universität hinzu. »Zusammen mit anderen kürzlich veröffentlichten Forschungsergebnissen aus Westaustralien, die über mehr Schäden in Nächten berichten, wenn Leute Energy Drinks trinken, wird es immer deutlicher wie die Verbindungen zwischen dem Konsum von Energy Drinks und höheren Raten an Trunkenheit und Verletzungen erklärt werden können. Die Bedenken von Wissenschaftlern im Hinblick auf die soziale Ordnung und das öffentliche Gesundheitswesen scheinen gerechtfertigt zu sein, ungeachtet dessen, dass die Hersteller das Gegenteil behaupten.« Miller weist auf das jüngst in Litauen verhängte Verbot hin, Energy Drinks an unter 18-Jährige zu verkaufen.

Energy Drinks mit Alkohol fördert den Wunsch nach mehr Alkohol

»Wir stellten bei unserer Studie fest, dass Leute, die Alkohol mit Energy Drinks trinken, einen stärkeren Wunsch haben weiterzutrinken als bei alleinigem Alkoholkonsum«, sagt McKetin. »Das würde bedeuten, dass jemand der Alkohol mit Energy Drinks kombiniert, mehr trinken will als seine Freunde, die das nicht kombinieren. Was wir nicht sagen können ist, ob derjenige das auch tatsächlich tut. Offensichtlich spielen dabei auch andere Faktoren eine Rolle; Menschen können sich über ihre Wünsche hinwegsetzen und viele Dinge beeinflussen eine Entscheidung, ob jemand weitertrinkt oder nicht. Doch wenn es zu mehr Alkoholkonsum führt, würden wir erwarten mehr Konsumenten von Energy Drinks mit Alkohol zu sehen, die mehr trinken als Gleichaltrige, die keine Energy Drinks mit Alkohol konsumieren.«

Alkoholvorfälle nehmen zu

Miller stimmt zu. »Ein stärkerer Drank zu trinken hat erhebliche Auswirkungen, wenn wir an die Art der Alkoholvorfälle denken«, sagt er. Wenn Leute betrunken werden, auch schon auf niedrigem Niveau, zeigen sie weniger Hemmungen und trinken wahrscheinlich mit zunehmendem Rausch immer mehr. Und natürlich, je betrunkener man wird, je wahrscheinlicher wird man verletzt, wird man Opfer oder Täter einer Körperverletzung oder fährt sogar betrunken mit dem Auto nach Hause, verhält sich schlecht gegenüber Bekannten oder Sexualpartnern.«

Energy Drinks in Bars und Clubs einschränken

»Die wichtigste Auswirkung der Ergebnisse betrifft die Politik rund um den Verkauf von Energy Drinks in Bars und Nachtclubs, wo Leute Alkohol konsumieren und den Verkauf von fertig gemischten Energy Drinks mit Alkohol allgemein«, sagt McKetin. »Unsere Studienergebnisse legen nahe, dass Energy Drinks die Leute mehr bis zum Rausch trinken lassen und damit folglich das Risiko für alkoholbedingte Probleme wie Trunkenheit am Steuer und Gewalt unter Alkoholeinfluss erhöhen. Unsere Studie alleine liefert nicht genügend Beweise, um Einschränkungen von Energy Drinks in Bars zu befürworten, aber es ist ein wichtiger Schritt.«

Dringender Handlungsbedarf

»Diese Resultate zeigen, dass die Studienergebnisse in Australien denen in Amerika ähneln«, fügt Miller hinzu. »Es lohnt sich außerdem anzumerken, dass aufgrund von Beschränkungen der Ethikkommission in diesem Experiment nur sehr geringe Mengen an Alkohol und Energy Drinks verwendet wurden. Die Mengen, die Leute im Normalfall zu sich nehmen, sind weitaus größer. Dieser Unterschied, zwischen was akzeptabel ist in einem streng kontrollierten und überwachten Experiment und unkontrollierten Kneipen und Clubs sagt etwas über das besorgniserregende Ausmaß, in dem gefährliches Verhalten auftritt und die Notwendigkeit für die Regulierungsbehörden zu handeln.«

Quelle: Rebecca McKetin, Alice Coen. The Effect of Energy Drinks on the Urge to Drink Alcohol in Young Adults. Alcoholism: Clinical and Experimental Research, 2014; DOI: 10.1111/acer.12498

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