Freitag, 10. Oktober 2014

Schlafmangel erzeugt falsche Erinnerungen


Schlafmangel verwirrt unsere Erinnerungen
(Foto: tatlin / pixabay.com)

Schlafmangel beeinträchtigt nicht nur die Leistungsfähigkeit, sondern kann auch zu falschen Erinnerungen führen. Bereits einige Stunden zu wenig Schlaf reichen dafür aus.

Mal wieder einige Stunden zu wenig geschlafen? Für die meisten von uns ist das eher die Regel als die Ausnahme. Lange Arbeitstage, familiäre Verpflichtungen und wenig Freizeit: Alles unter einen Hut zu bringen ist schwierig. Meist gehen wir deshalb später ins Bett, als wir sollten. Die Zeit, die wir pro Nacht brauchen, um morgens wieder fit zu sein, ist natürlich auch individuell verschieden. Im Durchschnitt benötigen wir ungefähr sieben bis acht Stunden Schlaf, um tagsüber leistungsfähig zu sein. Und jeder bleibt natürlich mal länger auf und weiß dann schon im Voraus, dass er am nächsten Tag vermutlich übermüdet ist. Doch Wissenschaftler haben festgestellt, dass wir nach dem Auslassen einiger Stunden Schlaf nicht nur mit Müdigkeit, schlechterer Gehirnleistung und verzögertem Reaktionsvermögen zu kämpfen haben, sondern dass sich falsche Erinnerungen in unser Gedächtnis schleichen.

Schlafmangel erschwert das Verarbeiten neuer Informationen

Eine Studie im Journal »Psychological Science« verbindet Schlafmangel mit falschen Erinnerungen. An der Studie nahmen 193 Studenten teil. Diejenigen, die höchstens fünf Stunden in einer Nacht geschlafen hatten, gaben an, ein Nachrichtenvideo viel häufiger gesehen zu haben, als das tatsächlich der Fall war. Wer mit gerade mal fünf Stunden ungenügend Schlaf bekommen hatte, ging auch schneller auf falsche Vorschläge des Forschungsteams ein. Diese falschen Vorschläge flossen in 38 Prozent ihrer Antworten ein. Bei der Gruppe, die ausreichend geschlafen hatte, passierte das nur in 28 Prozent der Fälle. Laut den Studienautoren erschwert der Schlafmangel die Verarbeitung neuer Informationen.

Falsche Erinnerungen schon bei geringem Schlafmangel

Die Forscher schließen aus ihren Untersuchungen, dass kein totaler Schlafentzug notwendig ist, um falsche Erinnerungen hervorzurufen. Bereits einige Stunden zu wenig Schlaf können ausreichen, um »Träume wahr werden zu lassen«. Traum und Realität können nach einer zu kurzen Nachtruhe vom Gehirn nicht mehr gut unterschieden werden. Aktuelle Studien zeigen zudem, dass in der heutigen Zeit die durchschnittliche Schlafdauer abnimmt und chronischer Schlafmangel mehr und mehr Personen betrifft. Solch ein Problem kann ernste und weitreichende Folgen haben: Falsche Erinnerungen bei Augenzeugen sollen laut den Studienautoren zu falschen Identifizierungen führen können, die wichtigste Ursache für falsche Verurteilungen in den USA. Weitere Studien sollen mehr Verständnis für die Zusammenhänge zwischen Schlafmangel und falschen Erinnerungen bringen. Erst dann können Wissenschaftler Strafverfolgungsbehörden mit wissenschaftlich basierten Richtlinien versorgen, die sicherstellen, dass die Erinnerungen von Augenzeugen der Wahrheit entsprechen. Schlafmangel kann also durchaus Folgen haben, die weiter reichen als die eigene Gesundheit.

Quelle: S. J. Frenda, L. Patihis, E. F. Loftus, H. C. Lewis, K. M. Fenn. Sleep Deprivation and False Memories. Psychological Science, 2014; DOI: 10.1177/0956797614534694

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