Sonntag, 30. November 2014


Bluthochdruck wird bei Frauen anders behandelt
(Foto: succo - pixabay.com)

Frauen mit Bluthochdruck bekommen andere Medikamente als Männer und erreichen seltener die empfohlenen Blutdruckwerte.


Den »kleinen Unterschied« zwischen Mann und Frau gibt es nicht nur biologisch, sondern auch in der Medizin. Oft genug erhalten Männer und Frauen die gleichen Medikamente und Therapien, obwohl die Geschlechter darauf teilweise sehr unterschiedlich reagieren. Doch auch der umgekehrte Fall ist keine Seltenheit, wie schwedische Forschungen nun aufdeckten: Frauen, die wegen Bluthochdruck behandelt werden, erhalten nicht die gleichen Medikamente wie Männer und erreichen auch seltener die Behandlungsziele.

Frauen erreichen seltener empfohlene Blutdruckwerte
Etwa ein Drittel der schwedischen Erwachsenen leidet an Bluthochdruck, der als einer der verbreitetsten Risikofaktoren für Schlaganfall, Herzversagen und Herzinfarkt bei Männern und Frauen gleichermaßen gilt.
Eine Studie der Universität Göteborg untersuchte die Grundversorgung für 40.825 Bluthochdruckpatienten. Es zeigte sich, dass Frauen und Männern unterschiedliche Medikamente zur Blutdrucksenkung verschrieben werden. Frauen erreichen auch seltener die angestrebten Blutdruckwerte von unter 140/90 mmHg, die als Schwelle zum Bluthochdruck gelten.

Unterschiedliche Medikamente
Die Studie ergab, dass Frauen häufiger Diuretika verschrieben bekommen, die den Blutdruck durch vermehrte Flüssigkeitsausscheidung senken. Männer erhalten dagegen öfter ACE-Hemmer, die die Produktion des Enzyms Angiotensin II in der Niere blockieren. Angiotensin II sorgt normalerweise für ein starkes Zusammenziehen der Blutgefäße und somit zur Erhöhung des Blutdrucks.
»Internationale Leitlinien empfehlen, dass Patienten, die sowohl an Bluthochdruck als auch an Diabetes leiden, mit ACE-Hemmern behandelt werden«, sagt die Doktorandin und Studienautorin Charlotta Ljungman. »Aber unsere Studie zeigt, dass Frauen diese Behandlung seltener erhalten. Darüber hinaus kann diese Diskrepanz nicht durch Unterschiede in anderen gleichzeitigen kardiovaskulären Erkrankungen erklärt werden.«

Alter ist ein Faktor
Die Studie dokumentierte auch, dass Unterschiede in der Therapie zwischen Männern und Frauen größer sind bei Patienten mit geringer Bildung. Die Tatsache, dass Frauen seltener den Zielblutdruck erreichen, rührt teilweise daher, dass Frauen im Allgemeinen älter sind, wenn bei ihnen Bluthochdruck diagnostiziert wird.
»Aber das sollte keinen Unterschied machen, denn frühere Studien haben gezeigt, dass ältere Patienten mit Bluthochdruck ebenso deutlich von einer Therapie zur Blutdrucksenkung profitieren, nicht zuletzt um die Entwicklung von Folgeerkrankungen wie Schlaganfall, Demenz und Herzversagen zu verhindern«, sagt Charlotta Ljungman.

Unterschätztes Risiko
Frauen sind in der Regel weniger wahrscheinlich von Herzkreislauferkrankungen betroffen und sterben auch später. Charlotta Ljungman glaubt, dass dies einer der Gründe sein könnte, warum das Gesundheitssystem das Risiko für zukünftige kardiovaskuläre Erkrankungen bei Frauen unterschätzt. »Das Wichtigste bei der Behandlung von Bluthochdruck ist, die empfohlenen Richtwerte zu erreichen«, erklärt Charlotta Ljungman. »Die Tatsache, dass Frauen das so viel seltener erreichen, ist bemerkenswert und es müssen unbedingt Schritte unternommen werden, um die Behandlung zu verbessern.«

Quelle: Ljungman, Charlotta: Treatment of hypertension in women and men. University of Gothenburg. Sahlgrenska Academy. ISBN: 978-91-628-9000-1, http://hdl.handle.net/2077/35942, Stand: 19.09.2014

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