Donnerstag, 15. Januar 2015


20 Minuten spazierengehen
senkt das Sterberisiko
(Foto: Antranias - pixabay.com)

Herzversagen, Krebs, vorzeitiger Tod: Alles vermeidbar, sagen Forscher, wenn wir uns mehr bewegen. Bewegungsmangel ist gefährlicher als Übergewicht.


Die Europäer werden zunehmend Bewegungsmuffel. Couch-Potatoe statt Sportskanone. Das hat über die Jahre dazu geführt, dass wir immer dicker werden. Die Hälfte der Bevölkerung leidet an Übergewicht und allen erdenklichen Folgekrankheiten. Doch in der letzten Zeit gibt es viele Forschungsarbeiten, die deutlich machen, dass Bewegungsmangel wahrscheinlich ein größeres Problem ist als Übergewicht. Dabei kann schon ein flotter Spaziergang von 20 Minuten das Risiko für einen vorzeitigen Tod reduzieren, wie Forscher der Universität Cambridge bestätigen.

Früher Tod durch Bewegungsmangel
Die Studie mit mehr als 334.000 Europäern stellte fest, dass doppelt so viele Todesfälle dem Bewegungsmangel zuzuschreiben sind im Vergleich zu Todesfällen durch Übergewicht. Doch bereits eine mäßige Steigerung der körperlichen Aktivität hat erhebliche gesundheitliche Vorteile.
Körperliche Inaktivität wird durchweg mit einem erhöhten Risiko für einen verfrühten Tod und Krankheiten wie Krebs und Herzkreislauferkrankungen in Verbindung gebracht. Obwohl Bewegungsmangel auch ein erhöhtes Körpergewicht und einen höheren Body-Mass-Index (BMI) fördert, ist der Zusammenhang mit vorzeitigem Tod unabhängig vom individuellen BMI.

Daten aus 12 Jahren und ganz Europa
Um die Verbindung zwischen Bewegungsmangel und vorzeitigem Tod sowie die Wechselbeziehung mit Übergewicht festzustellen, analysierten die Forscher Daten von 334.161 Männern und Frauen in Europa, die Teil der EPIC-Studie (European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition) waren. Für einen Zeitraum von durchschnittlich 12 Jahren maßen die Forscher Größe, Gewicht und Taillenumfang und ließen die Teilnehmer die Häufigkeit körperlicher Aktivität selbst einschätzen.

Bewegung in Beruf und Freizeit optimal
Die Wissenschaftler stellten fest, dass der größte Unterschied zwischen den Gruppen mit inaktiven und mäßig aktiven Teilnehmern bestand. Die Teilnehmer, die mäßig aktiv waren sowohl am Arbeitsplatz als auch in der Freizeit, konnten das Risiko für einen vorzeitigen Tod am stärksten senken. Nur 22,7 Prozent der Teilnehmer wurden als inaktiv eingestuft, weil sie einer sitzenden Tätigkeit nachgingen und sich auch in der Freizeit wenig bewegten. Die Studienautoren schätzen, dass körperliche Bewegung wie etwa ein 20-minütiger flotter Spaziergang täglich, nicht nur 90 bis 110 Kalorien verbrennt, sondern auch das vorzeitige Sterberisiko um 16 bis 30 Prozent senken kann. Der Einfluss machte sich aber stärksten bei Normalgewichtigen bemerkbar, aber auch Teilnehmer mit einem höheren BMI konnten davon profitieren.

Doppelt so viele sterben durch Bewegungsmangel
Anhand der aktuellsten Daten über Todesfälle in Deutschland schätzen die Wissenschaftler, dass 337.000 der 9,2 Millionen Todesfälle in ganz Europa einem krankhaften Übergewicht (BMI über 30) zugeordnet werden können. Doch doppelt so viele Sterbefälle (676.000) werden durch Bewegungsmangel verursacht. Professor Ulf Ekelund von der Universität Cambridge, der die Studie geleitet hat, sagt: »Die Botschaft ist einfach: Nur ein wenig Bewegung täglich kann umfangreiche gesundheitliche Vorteile für die »Bewegungsmuffel« haben. Obwohl wir feststellten, dass schon 20 Minuten einen Unterschied bedeuten, sollten wir tatsächlich versuchen mehr zu tun als das; körperliche Aktivität hat viele nachgewiesene Gesundheitsvorteile und sollte eine wichtige Rolle im täglichen Leben spielen.«

Kleine Veränderungen bringen schon viele Vorteile
Sein Kollege, Professor Nick Wareham, fügt hinzu: »Menschen bei der Gewichtsabnahme zu unterstützen kann eine Herausforderung sein und wir müssen weiterhin versuchen das Übergewicht in der Bevölkerung zu senken. Dabei können Maßnahmen im Gesundheitswesen, die die Leute dazu ermutigen, kleine aber machbare Veränderungen bei der körperlichen Aktivität durchzuführen schon bedeutende gesundheitliche Vorteile bringen und kleine Änderungen sind leichter zu erreichen und durchzuhalten.«

Quelle: Ekelund, U. et al.: Physical activity and all-cause mortality across levels of overall and abdominal adiposity in European men and women: the European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition Study (EPIC). Am J Clin Nutr, January 14, 2015 DOI: 10.3945/ajcn.114.100065

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