Mittwoch, 14. Januar 2015


Schichtdienst lässt das Gehirn schneller altern
(Foto: Hans - pixabay.com)

Im Schichtdienst arbeiten lässt das Gehirn schneller altern und beeinflusst auch die intellektuellen Fähigkeiten, sagen Forscher.

Aus einer Studie im Fachjournal »Occupational and Environmental Medicine« ging unter anderem hervor, dass das Gehirn durch unregelmäßige Arbeitszeiten um mindestens sechs Jahre früher alterte. Nach Beendigung der Schichtarbeit gab es zwar eine gewisse Regeneration, doch erst nach fünf Jahren war das Gehirn wieder auf normalem Niveau.

Störung der biologischen Uhr
Unser Körper ist angelegt, um tagsüber aktiv zu sein und nachts zu schlafen. Gerade unser Gehirn braucht nachts eine Erholungspause. Es ist bekannt, dass das Arbeiten entgegen unserer biologischen Uhr viele negative Folgen - von Brustkrebs über Diabetes bis zu Übergewicht - auslösen kann. Die französischen und britischen Wissenschaftler der Universitäten Toulouse und Swansea zeigen nun auch den Einfluss auf die geistigen Fähigkeiten.
3.232 Franzosen nahmen an Tests für Gedächtnis, Denkgeschwindigkeit und anderen kognitiven Fähigkeiten teil. Diese Tests ergaben, dass jemand, der zehn Jahre lang im Schichtdienst gearbeitet hatte, dieselbe Punktzahl erreichte, wie jemand der 6,5 Jahre älter war.

Abnahme der Gehirnfunktion
»Die Abnahme der Gehirnfunktion ist ernorm«, erzählt Wissenschaftler Dr. Philip Tucker. »Wenn Menschen komplizierte kognitive Aufgaben ausführen müssen, werden sie das auch mit Sicherheit merken. Sie machen wahrscheinlich mehr Fehler, was schwerwiegende Folgen haben kann. Dennoch ist es schwierig einzuschätzen, wie groß der Effekt im täglichen Leben ist.«
Laut Tucker ist es besser, nicht im Schichtdienst zu arbeiten, wenn es nicht nötig ist, aber manchmal ist das arbeitstechnisch nicht anders möglich. »Es gibt Möglichkeiten, um den Effekt zu begrenzen. Ein gut aufgestellter Schichtplan und regelmäßige gesundheitliche Kontrollen, einschließlich der kognitiven Fähigkeiten, um Warnsignale frühzeitig zu entdecken.«
Vor allem die Umkehrbarkeit des festgestellten Effektes finden die Forscher interessant. Diese Regeneration konnte erstmals in einer Studie nachgewiesen werden.

Regeneration nicht immer sicher
Professor Derk-Jan Dijk, vom Surrey Schlafzentrum, gibt zu bedenken, dass pensionierte Schichtarbeiter immer noch eine schlechtere Schlafqualität hatten als Menschen, die nie nachts gearbeitet haben. »Deshalb ist es möglich, dass einige dieser Effekte nicht so schnell oder vollständig verschwinden. Wir akzeptieren heutzutage, dass Schichtarbeit vielleicht nicht gut für die körperliche Gesundheit ist, aber diese Studie beweist, dass auch die Gehirnfunktionen betroffen sind und ich denke, dass dieses Studienergebnis viele Leute überrascht.«

Zusammenhang mit Demenz?
Die Ergebnisse bieten auch Anknüpfungspunkte für Patienten mit Demenz. Auch bei diesen Patienten wird oft eine Verschiebung des Schlaf-Wach-Rhythmus beobachtet, vergleichbar mit Menschen, die im Schichtdienst arbeiten. Ein möglichst stabiler und gleichmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus kann vielleicht die Zunahme von Beschwerden bei Demenz verhindern. Dazu gehört auch ein gut organisierter Tagesablauf und helles Licht am Tage. Die Nachtruhe kann eventuell mit entsprechenden schlaffördernden Medikamenten wie Melatonin unterstützt werden.

Quelle: Jean-Claude Marquié, Philip Tucker, Simon Folkard, Catherine Gentil, David Ansiau: Chronic effects of shift work on cognition: findings from the VISAT longitudinal study. Occup Environ Med oemed-2013-101993, doi: 10.1136/oemed-2013-101993

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