Freitag, 10. April 2015


Haben weibliche Langschläfer ein
höheres Schlaganfallrisiko?
(Foto: Giuliamar - pixabay.com)
Erwachsene, die mehr als acht Stunden pro Nacht schlafen, sollen ein erhöhtes Schlaganfallrisiko haben, meinen Wissenschaftler der Universität Cambridge.


Manche Menschen kommen mit fünf oder sechs Stunden Schlaf pro Nacht aus und fühlen sich danach fit und ausgeruht. Doch es gibt auch die Langschläfer, die es herrlich finden neun oder zehn Stunden ins Reich der Träume abzutauchen. Doch damit tun sie ihrer Gesundheit nichts Gutes, meinen nun Neurologen der Universität Cambridge. Denn die sogenannten Langschläfer entwickelten 46 Prozent häufiger einen Schlaganfall als Menschen, die sechs bis acht Stunden schlafen, ergab ihre Analyse. Obwohl die Wissenschaftler nicht wissen, ob langes Schlafen auch tatsächlich die Ursache ist. Es ist auch möglich, dass der lange Schlaf gerade eine Folge oder ein Vorzeichen für einen schlechteren Gesundheitszustand des Gehirns ist. Den festgestellten Zusammenhang konnten sie nicht direkt erklären.

Schlafdauer und Schlaganfall
»Frühere Untersuchungen haben bereits einen möglichen Zusammenhang zwischen Schlaf und Schlaganfallrisiko angedeutet«, erzählt Studienleiter Yue Leng. Die neue Analyse untersuchte den Zusammenhang zwischen einer veränderten Schlafdauer und inwieweit dies das Schlaganfallrisiko beeinflusst. Angesichts dessen, dass dafür noch weitere Forschungen nötig sind, empfiehlt Leng noch nicht, nun weniger zu schlafen. »Schlaf ist entscheidend für eine gute Gesundheit.«

Höheres Schlaganfallrisiko bei mehr als acht Stunden Schlaf
Für die Studie analysierten Leng und seine Kollegen die Daten von 9.692 Europäern. Die Teilnehmer, die zu Beginn der Studie zwischen 42 und 81 Jahre alt waren, wurden zehn Jahre lang begleitet. Zwischen 1998 und 2000 berichteten sie über ihr Wohlbefinden, ihren Lebensstil, ihren Gesundheitszustand sowie die Schlafdauer und die Schlafqualität. Vier Jahre später wurde das nochmals wiederholt. Ungefähr 70 Prozent der Teilnehmer schlief sechs bis acht Stunden pro Nacht. Jeder zehnte Teilnehmer schlief mehr als acht Stunden. Während der Studienperiode erlitten 346 Teilnehmer einen Schlaganfall.

Weibliche Langschläfer haben das höchste Risiko
Berücksichtigt wurden auch Faktoren wie Rauchen, Alkoholkonsum, körperliche Aktivität und Vorerkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck und erhöhtes Cholesterin. Die Langschläfer, die mehr als acht Stunden pro Nacht schliefen, hatten ein 46 Prozent höheres Risiko für einen Schlaganfall. Für weibliche Langschläfer lag das höhere Risiko selbst bei 80 Prozent. In einer zweiten Untersuchung wurden elf früher durchgeführte Studien über Schlaganfall zusammengefasst. Aus dieser Übersichtsstudie schlussfolgerten die Forscher, dass eine Schlafdauer von weniger als sechs Stunden pro Nacht das Schlaganfallrisiko leicht um 15 Prozent erhöht. Wer mehr als acht Stunden jede Nacht schläft, erhöht sein Schlaganfallrisiko deutlich um 45 Prozent.

Kritikpunkte
Auch wenn die Studie sorgfältig gestaltet war und eine Reihe von Einflussfaktoren wie Herz- und Gefäßkrankheiten berücksichtigte, gibt es einige Schwachpunkte. Es wurden keine Krankheiten wie Schlafapnoe und Krebs berücksichtigt, die den Schlaf und die Schlafqualität beeinflussen können. Informationen über den Alkoholkonsum - ein wichtiger Störfaktor beim Schlafen - werden selten wahrheitsgemäß von den Teilnehmern angegeben und sind deshalb nicht verlässlich. Auch die Angaben der Teilnehmer zur Schlafdauer sind nicht ganz zuverlässig, denn oft genug trügt die Erinnerung an die genaue Anzahl der geschlafenen Stunden. Momentan sehen die Forscher noch keine mögliche Erklärung für den Zusammenhang zwischen lange schlafen und Schlaganfall. »Wir wissen nicht, ob eine längere Schlafdauer ein Symptom, ein Vorzeichen oder die Ursache für Gefäßerkrankungen ist«, erklärt Yue Leng.

Langschläfer haben mehr Gefäßprobleme
Es ist zum jetzigen Zeitpunkt sogar unsicher, ob überhaupt ein direkter Zusammenhang besteht. Dafür sind in jedem Fall weitere Forschungen notwendig. Bekannt aus früheren Studien ist, dass bei Langschläfern mehr Entzündungsstoffe im Blut nachzuweisen sind und auch Herz-Kreislauf-Probleme, wie Bluthochdruck häufiger vorkommt. Wer ein höheres Schlafbedürfnis hat, ist möglicherweise bereits krank, denn der Körper verlangt bei Erkrankungen automatisch nach mehr Schlaf. Dann wäre der Schlaf selbst ungefährlich. Sorgen Sie in jedem Fall für regelmäßigen Schlaf von sieben bis acht Stunden, dann erhält der Körper die nötige Erholung und Zeit zur Regeneration.

Quelle: Yue Leng et al.: Sleep duration and risk of fatal and nonfatal stroke. A prospect study and meta-analysis. Neurology February 25, 2015. DOI: 10.1212/WNL.0000000000001371

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