Samstag, 1. August 2015


Sauerkirschen lindern Muskel- und Gelenkschmerzen
(Foto: Hans - pixabay.com)
Sauerkirschen schmecken nicht nur erfrischend und aromatisch, sondern hemmen auch Entzündungen und lindern Muskelschmerzen.

Rot, knackig und erfrischend: Sauerkirschen sind im Sommer eine besonders leckere und erfrischende Zwischenmahlzeit. Die dunkelroten Früchte sind ausgiebig erforscht worden im Zusammenhang mit Schmerzlinderung bei Gicht, rheumatischen Gelenkschmerzen und Muskelschmerzen nach sportlichen Belastungen. Eine Studie im »Journal of Functional Foods« berichtet erstmalig auch darüber, dass Sauerkirschen den Harnsäure-Stoffwechsel verändern, was Einfluss auf die Gelenkschmerzen haben kann. Die Studie entdeckte nach dem Verzehr von Sauerkirschen eine Erhöhung bestimmter Anthocyan-Verbindungen im Blut. Anthocyane gehören zu den Polyphenolen, sekundären Pflanzenstoffen, denen vielfältige gesundheitsfördernde Eigenschaften zugeordnet werden. Anthocyane sind in roten und dunkelroten Früchten wie Himbeeren und Blaubeeren zu finden, aber Kirschen - besonders Sauerkirschen - sind besonders reich an Anthocyanen.

Sauerkirschen senken Harnsäure und Entzündungsfaktor
Sauerkirschsaft senkt den Harnsäurespiegel im Blut und den Entzündungsfaktor CRP (C-reaktives Protein). CRP ist Teil unseres Immunsystems und der Spiegel steigt bei Infektionen und Entzündungen schnell an. Hohe Harnsäurespiegel werden mit Gicht in Verbindung gebracht, eine Form von Gelenkentzündung, die heftige Anfälle von Schmerzen und entzündlichen Schwellungen in unterschiedlichen Gelenken verursacht. Gicht tritt auf, wenn überschüssige körpereigene Harnsäure, in den Gelenken kristallisiert. Oft betroffen sind das große Zehengelenk, aber auch Knöchel oder Fingergelenke.
Für die Studie tranken zwölf gesunde Teilnehmer mit einem Durchschnittsalter von 26 Jahren unterschiedliche Montmorency-Sauerkirschsaft-Konzentrate: zwei Tage lang morgens und abends 30 Milliliter Saftkonzentrat mit 100 Milliliter Wasser vermischt (entsprechend 90 ganzen Montmorency-Sauerkirschen) und nach zehn Tagen Pause zwei Tage lang morgens und abends 60 Milliliter Saftkonzentrat mit 100 Milliliter Wasser vermischt.

Sauerkirschen liefern viele Anthocyane
Die Forscher untersuchten Blut und Urin der Teilnehmer unmittelbar vor und in verschiedenen Intervallen 48 Stunden nach dem Trinken des Sauerkirschsaftes. Die Ergebnisse waren wie erwartet: Die Blutwerte für Harnsäure und den Entzündungsfaktor CRP waren gesunken und der Harnsäurespiegel im Urin war gestiegen nach beiden Dosierungen. Dabei war die Wirkung von 30 Milliliter Saftkonzentrat genauso wirksam wie 60 Milliliter.
»Wir haben Montmorency-Sauerkirschen seit einigen Jahren untersucht, denn sie ist eine einzigartige Frucht mit hohen Konzentrationen an Anthocyanen«, sagt Co-Autor Howatson, dessen frühere Studien bereits zeigen konnten, dass Sauerkirschsaft bestimmte Entzündungsprozesse und oxidativen Stress nach hochintensivem Sport reduzieren kann.

Sauerkirschen lindern Schmerzen
Anstrengendes Sporttraining kann vorübergehende Entzündungen und oxidativen Stress verursachen. Das kann zu Muskelschäden, Muskelschmerzen und einer verlangsamten Regenerationsfähigkeit führen. »Unsere aktuelle Studie wurde mit gesunden Teilnehmern durchgeführt, obwohl mehr Forschungen nötig sind, um die besonderen Vorteile von Montmorency-Sauerkirschsaft für Patienten mit entzündlichen Krankheiten wie Gicht und anderen rheumatischen Erkrankungen zu bestimmen.« Doch die Anthocyane in den Sauerkirschen wirken ähnlich gut wie frei verkäufliche nicht-steroidale Entzündungshemmer (NSAID), also Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Diclofenac. Ein Saftkonzentrat ist also durchaus als begleitende Therapie bei Gicht und entzündlichen Gelenkerkrankungen zu empfehlen.

Sauerkirschen gegen Schlaflosigkeit
Die Universität von Michigan führte eine ähnliche Studie mit 45 und 90 ganzen gefrorenen Sauerkirschen durch. Auch in diesem Fall steigerte sich die antioxidative Kapazität mit beiden Dosierungen und blieb für zwölf Stunden nach dem Verzehr der Sauerkirschen erhöht. »Unsere Beobachtungen beruhen auf einmaligem Verzehr«, erklärt Studienleiter Dr. E. Mitchell Seymour. »Nicht auszudenken, wie gut die Wirkung sich bei regelmäßigem Konsum von Sauerkirschen entfaltet und wie das in mögliche Gesundheitsvorteile übersetzt werden kann.« Laut Studien der Northumbria-Universität in Newcastle fördert Sauerkirschsaft auch Schlafqualität und Schlafmenge. Verantwortlich dafür ist der hohe Melatonin-Gehalt. Melatonin ist ein körpereigenes Hormon, das den Schlafrhythmus reguliert. Das bestätigte auch 2014 eine Studie der Louisiana-State-Universität mit sieben Senioren im Alter zwischen 59 und 77 Jahren, die an Schlaflosigkeit litten. Nachdem sie zwei Wochen lang zweimal täglich etwa 250 Milliliter Sauerkirschsaft getrunken hatten, konnten sie im Durchschnitt 84 Minuten pro Nacht länger schlafen.

Sauerkirschen sind das Jahr hindurch verfügbar
Montmorency-Sauerkirschen sind das ganze Jahr hindurch getrocknet, gefroren oder als Saft verfügbar, einschließlich Saftkonzentrat, das für die britische Studie verwendet wurde. Montmorency-Sauerkirschsaft-Konzentrat kann mit Wasser oder anderen Säften gemischt werden oder ist als Zutat für Smoothies oder andere Getränke geeignet.
Ein Glas Kirschsaft ein- bis zweimal täglich ist leicht in jeden Speiseplan einzubauen. Er kann Ihnen vielleicht Medikamente und Schmerzen ersparen. Und schmecken tut’s auch noch.

Quellen: Bell PG, Gaze DC, Davison GW, George TW, Scotter MJ, Howatson G. Montmorency tart cherry (Prunus cerasus L.) concentrate lowers uric acid, independent of plasma cyanidin-3-O-glucosiderutinoside. Journal of Functional Foods. 2014; 11: 82-90, doi: 10.1016/j.jff.2014.09.004

Bell PG, Walshe IH, Davison GW, Stevenson E, Howatson G. Montmorency cherries reduce the oxidative stress and inflammatory responses to repeated days high-intensity stochastic cycling. Nutrients. 2014;6:829-843. doi: 10.3390/nu6020829

Seymour EM, Warber SM, Kirakosyan A, Noon KR, Gillespie B, Uhley VE, Wunder J, Urcuyo DE, Kaufman PB, Bolling SF. Anthocyanin pharmacokinetics and dose-dependent plasma antioxidant pharmacodynamics following whole tart cherry intake in human adults. Journal of Functional Foods. 2014; 11:509-516, doi: 10.1016/j.jff.2014.08.007

Bowtell JL1, Sumners DP, Dyer A, Fox P, Mileva KN. Montmorency cherry juice reduces muscle damage caused by intensive strength exercise. Med Sci Sports Exerc. 2011 Aug;43(8):1544-51. doi: 10.1249/MSS.0b013e31820e5adc

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