Donnerstag, 28. Januar 2016


Bei Übergewicht benötigt der Körper mehr Vitamin E
(Foto: cocoparisienne - pixabay.com)
Menschen mit Übergewicht und metabolischem Syndrom benötigen mehr Vitamin E, um dem oxidativen Stress entgegen zu wirken.



Eine aktuelle Studie deutet an, dass fettleibige Menschen, die zusätzlich am metabolischen Syndrom leiden, sich mit einem unerwarteten Dilemma konfrontiert sehen, was das Vitamin E betrifft. Sie benötigen mehr Vitamin E als üblich, denn ihr Gewicht und andere Gesundheitsprobleme verursachen erhöhten oxidativen Stress. Gleichzeitig sorgen dieselben Gesundheitsprobleme dafür, dass das Vitamin E nicht mehr so gut wirkt.



Chronischer Vitamin E-Mangel bei Übergewicht?

Das bedeutet, dass viele übergewichtige und adipöse Menschen vielleicht unter einem chronischen Vitamin E-Mangel leiden, was die Vielzahl verschiedener Krankheiten, die mit dem metabolischen Syndrom verknüpft sind - Herzkrankheiten, Diabetes, Alzheimer, Krebs - verschlimmert. Das metabolische Syndrom betrifft einen von sechs Europäern und in manchen europäischen Ländern schon jeden Dritten. Die Diagnose »metabolisches Syndrom« wird gestellt, wenn drei oder mehr der folgenden Kriterien vorliegen: ein erhöhter Taillenumfang (Männer über 102 cm, Frauen über 88 cm), ungünstige Blutfettwerte (hoher Triglyceridwert, niedrige Werte des »guten« HDL), hoher Blutdruck und hohe Werte beim Nüchternblutzucker.



Viel Vitamin E im Blut, aber nicht da wo es gebraucht wird

Manche Ergebnisse der Studie waren entgegen allen Erwartungen, sagen die Forscher, denn Vitamin E ist ein fettlösliches Vitamin und sollte - theoretisch - in höheren Mengen bei übergewichtigen Menschen vorkommen, die große Mengen fetthaltiger Nahrung essen. Dennoch stellte eine Studie im »American Journal of Clinical Nutrition« fest, dass zwar viel Vitamin E im Blut zirkulieren kann, aber bei Übergewichtigen dieser essenzielle Mikronährstoff nicht den Weg ins Gewebe findet, wo er am meisten benötigt wird.



Aufnahme von Vitamin E im Gewebe beeinträchtigt

»Aus unseren Forschungen geht hervor, dass das Gewebe von Menschen mit Adipositas einige der Lipide nicht mehr aufnimmt, weil schon genügend Fett vorhanden ist«, erzählt Professorin und Studienleiterin Maret Traber von der Oregon State Universität. »Während dieses Prozesses wird auch die Aufnahme des Vitamin E abgelehnt. Daher ist, auch wenn das Gewebe starken oxidativen Stress erfährt, die Aufnahme von Vitamin E beeinträchtigt und das Gewebe erhält keine ausreichenden Mengen des wichtigen Mikronährstoffs. Das führt zu mehr Entzündungsprozessen im Körper, die Krankheiten wie Diabetes und Arterienverkalkung verursachen.«



Vitamin E schützt die Zellen

Fett erzeugt Oxidantien, die den metabolischen Stress erhöhen, sagt Traber. Oxidation ist ein natürlicher Prozess, bei dem sogenannte freie Radikale, die während der normalen Stoffwechselvorgänge entstehen, die Körperzellen schädigen. Vitamin E bildet zusammen mit Vitamin C und einigen anderen Antioxidantien eine natürliche Ernährungsabwehr dieses Problems und macht die Oxidantien unschädlich. Dennoch nehmen die meisten Menschen zu wenig Vitamin E mit Nahrung auf, oft nur die Hälfte der empfohlenen Menge. Lebensmittel mit hohem Vitamin E-Gehalt sind zum Beispiel Nüsse, Samen und Olivenöl.



Gewichtsabnahme: Vitaminpräparat kann sinnvoll sein

»Eine weitere Sorge ist, dass Menschen, wenn sie abnehmen wollen, zuerst die Fettaufnahme reduzieren«, erklärt Traber. »Das kann Sinn machen, wenn Kalorien reduziert werden sollen, aber Fett ist die Hauptquelle für Vitamin E in unserer Ernährung, so dass dieser Versuch zur Gewichtsabnahme manchmal tatsächlich einen Nährstoffmangel verschlimmert.« Ein vernünftiger Ansatz, mein Traber, wäre der Versuch sich gesund und ausgewogen zu ernähren, auch wenn das Gewicht reduziert werden soll, und gleichzeitig täglich ein Multivitaminpräparat einzunehmen, dass 100 Prozent der empfohlenen Tagesmenge Vitamin E enthält, was 15 Milligramm entspricht. Es ist ebenfalls wichtig, ein wenig Fett mit dem Vitaminpräparat zu essen, denn sonst wird dieses fettlösliche Vitamin - wie es in den meisten Nahrungsergänzungsmitteln vorkommt - nicht optimal aufgenommen.



Vitamin E: das Antioxidans

Vitamin E als zellschützende Substanz wird in allen Körpergeweben benötigt. Der Körper kann Vitamin E nicht selbst herstellen. Das fettlösliche Vitamin spielt eine Rolle bei der Produktion roter Blutkörperchen und ist wichtig für die Erhaltung von Muskel- und anderen Geweben. Vitamin E schützt die Zellen gegen Schädigungen durch Oxidation ungesättigter Fettsäuren. Auch für den Zellstoffwechsel und das Immunsystem ist Vitamin E von Bedeutung.



Tocopherole: Oberbegriff Vitamin E

Vitamin E ist ein Oberbegriff für eine Anzahl Tocopherole, wie Alpha-, Beta-, Gamma- oder Delta-Tocopherol, die von Natur aus in Nahrungsmitteln vorhanden sind. Alpha-Tocopherol wird am besten von unseren Körperzellen aufgenommen und ist deshalb die wichtigste Form. In Vitamin E-Nahrungsergänzungsmitteln findet man meistens Alpha-Tocopherol oder Alpha-Tocopherolacetat. Manchmal wird auf dem Etikett der Gehalt an Vitamin E angegeben in internationalen Einheiten IE oder IU. Dabei entspricht eine IE 0,67 Milligramm Alpha-Tocopherol. Die empfohlene Tagesmenge Vitamin E wird meist auch in Einheiten Alpha-Tocopherol angegeben.



Gute Vitamin E-Lieferanten

Genügend Vitamin E muss über die Nahrung aufgenommen werden. Tierische Produkte enthalten relativ wenig Vitamin E. Gute Vitamin E-Quellen sind pflanzliche Produkte wie Getreide, Nüsse, Samen, Gemüse und Obst und Pflanzenöle wie Oliven-, Sonnenblumen- und Weizenkeimöl. Mit einer Handvoll gemischter Nüsse können Sie schon 1,6 Gramm Vitamin E aufnehmen. Mit einem Esslöffel Sonnenblumenöl sogar 7,6 Gramm. Ein Vitamin E-Mangel entsteht vor allem durch chronische Erkrankungen oder bei Stoffwechselstörungen. Ein ernster Vitamin E-Mangel kann zu Verdauungsstörungen, verminderter Immunabwehr, Blutarmut, Muskelschwäche und Gehirnerweichung führen. Die empfohlene Tagesmenge laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung liegt bei 12 bis 14 Milligramm Vitamin E für Erwachsene.



Quelle: M. G. Traber, S. W. Leonard, G. Bobe, X. Fu, E. Saltzman, M. A. Grusak, S. L. Booth. -Tocopherol disappearance rates from plasma depend on lipid concentrations: studies using deuterium-labeled collard greens in younger and older adults. American Journal of Clinical Nutrition, 2015; DOI: 10.3945/ajcn.114.100966

0 Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Gesundheit & Wissenschaft

Gesundheit & Wissenschaft
Bitte beachten Sie, dass Artikel auf dieser Seite generell fachlichen Rat - zum Beispiel durch einen Arzt - nicht ersetzen können.

Categories

Angelika Lensen. Powered by Blogger.

Autor(en)

Alle Beiträge auf Gesundheit & Wissenschaft wurden von Angelika Lensen erstellt.

About Me

Mein Foto
Ich schreibe als freie Journalistin für Online- und Printmedien
über Gesundheit, Medizin und Wissenschaft.


Werbepolitik

Diese Internetseite ist frei von Werbung und wird ausschließlich privat finanziert.

Letzte Aktualisierung

Beliebte Artikel

Folgen Sie dem Blog per E-Mail

Google+ Badge