Montag, 8. Februar 2016


Der "Kater" nach dem Alkoholgenuss soll uns
in Zukunft erspart bleiben
(Foto: jackmac34 - pixabay.com)
Wissenschaftlern ist es gelungen, eine Hefe herzustellen, die die Gesundheitsvorteile von Wein steigert, aber die giftigen Nebenprodukte reduziert.


Gründe zum Feiern gibt es im Verlauf eines Jahres ja genug: Das reicht vom Beginn des neuen Jahres, über eine ausgelassene Karnevalszeit bis hin zu ausgiebigen Weihnachtsfeiern und einem krachenden Silvester. Mal ganz abgesehen von den privaten Festtagen wie Geburtstagen, Hochzeitstagen und sonstigen Jubiläen. Bei den meisten Feiern gehört dann auch ein Gläschen Sekt, Wein oder Bier durchaus zum gemütlichen Beisammensein. Die Probleme fangen an, wenn man seine Grenzen nicht gut einzuschätzen weiß und das eine oder andere Gläschen Alkohol zu viel im Magen landet. Dann heißt es am nächsten Morgen: »Guten Morgen, lieber Kater, hast Du wenigstens ein paar Kopfschmerztabletten mitgebracht?«

Ein Enzym als Gen-Skalpell
Laut wissenschaftlichen Untersuchungen werden alkoholische Getränke einschließlich Wein und Bier sowie andere fermentierte Nahrungsmittel wie Brot aus polyploiden Hefestämmen hergestellt, die dafür bekannt sind, mehrere Kopien von Genen in ihren Erbanlagen zu besitzen. Es gab bisher keine Methode, die es Wissenschaftlern erlaubte ein bestimmtes Gen mit all seinen Kopien zu entfernen. Wurde ein bestimmtes Gen entfernt, so haben die unveränderten Kopien das Gen korrigiert und somit die Genmanipulation zunichtegemacht. Forschern der Universität von Illinois ist es nun gelungen ein äußerst präzises »Gen-Skalpell« zu entwickeln, dass das Ziel-Gen samt seinen vielfachen Kopien sehr genau aus dem Genom herausschneidet. Ein Enzym macht es möglich den Stoffwechsel der Hefestämme, die häufig in Wein, Bier und bei der Herstellung fermentierter Produkte benutzt werden, zu beeinflussen.

Verbesserter Nährwert bei fermentierten Lebensmitteln
Die Möglichkeiten für einen verbesserten Nährwert in Lebensmitteln sind atemberaubend, meinen die Wissenschaftler. »Aber wir könnten auch Stoffwechselvorgänge hinzufügen, um bioaktive Substanzen aus anderen Lebensmitteln in die Hefe einzubringen, beispielsweise Ginseng. Oder wir könnten Substanzen in die Hefestämme von Bier, Kefir, Käse oder eingelegtem Gemüse einfügen, die Resveratrol produzieren. Resveratrol ist ein sekundärer Pflanzenstoff, der die Gefäße schützt, das Cholesterin senkt, Thrombosen vorbeugt und sogar Krebszellen zerstört und das Leben verlängern soll. Das ist für alle Nahrungsmittel möglich, die fermentiert werden«, erklärt Studienleiter Yong-Su Jin. Ein anderer Vorteil ist, dass Weinhersteller das Enzym klonen können, um den biologischen Säureabbau zu verbessern, ein zweiter Fermentierungsvorgang, der den Wein weicher und leichter macht. Wird diese sogenannte malolaktische Gärung unsachgemäß durchgeführt, entstehen giftige Nebenprodukte, die den berüchtigten »Kater« verursachen können.

Aus dem Kater wird ein Kätzchen
Der Kater nach übermäßigem Alkoholkonsum wird durch verschiedene Faktoren verursacht und eine Reduzierung der giftigen Nebenprodukte wird vielleicht einen Kater nicht komplett verhindern können, aber mit Sicherheit das Unwohlsein verringern. Das könnte sich als besonders nützlich erweisen, denn Forschungen haben ergeben, dass Weintrinker dazu neigen, die Menge zu unterschätzen, die sie ins Glas einschenken und deshalb am Ende mit einem »Überraschungskater« aufwachen.
Bis entsprechende alkoholische Getränke im Handel verfügbar sind, wird wahrscheinlich noch einige Zeit vergehen, denn die Forschungen sind noch am Anfang. Bis dahin heißt es schlicht und ergreifend: Alkohol nur in Maßen trinken und gerne auch zwischendurch das eine oder andere Glas Mineralwasser, damit der Flüssigkeitshaushalt in Balance bleibt und der Kater nicht ganz so laut miaut.


Quellen: Yong-Su Jin et al.: Construction of a Quadruple Auxotrophic Mutant of an Industrial Polyploid Saccharomyces cerevisiae Strain by Using RNA-Guided Cas9 Nuclease. Appl. Environ. Microbiol. December 2014 vol. 80 no. 24 7694-7701, DOI: 10.1128/AEM.02310-14

Mathew Sajish & Paul Schimmel: A human tRNA synthetase is a potent PARP1-activating effector target for resveratrol. Nature. 2015 Mar 19;519(7543):370-3. DOI: 10.1038/nature14028

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