Mittwoch, 1. Juni 2016


Pflanzenöle mit Linolsäure verlängern nicht das Leben
(Foto: stevepb - pixabay.com)
Hat das Ersetzen gesättigter Fette durch pflanzliche Öle wirklich so viele Gesundheitsvorteile? Eine neue Studie bezweifelt das.


Das Ersetzen gesättigter Fettsäuren durch pflanzliche Öle, die reich an Linolsäure sind, senkt den Cholesterinspiegel, aber reduziert weder das Risiko für Herzerkrankungen noch wirkt es lebensverlängernd, wie eine neue Studie im Fachjournal »The BMJ« berichtet.

Pflanzenöle besser fürs Herz: seit 50 Jahren unsicher
Die Ergebnisse unterstützen Zweifel an der weit verbreiteten Meinung, dass Pflanzenöle mit viel Linolsäure gut für die Herzgesundheit sind.
Die bisherige »Herz-Ernährungs-Hypothese» prophezeit, dass der Austausch gesättigter Fettsäuren durch Pflanzenöle mit viel Linolsäure das Sterberisiko durch Herz-Kreislauf-Krankheiten reduziert, in dem der Cholesterinspiegel gesenkt wird.
Obwohl viele Studien diese Theorie unterstützen, wurde das Modell nie ursächlich in einer randomisierten Kontrollstudie nachgewiesen und blieb deshalb für mehr als 50 Jahre unsicher. Darüber hinaus wurden Schlüsselergebnisse wegweisender Studien zu diesem Thema nicht vollständig veröffentlicht.

Analyse von Daten aus dem Jahr 1973
Deshalb machte sich ein amerikanisches Forschungsteam von der Universität von North-Carolina unter der Leitung von Christopher Ramsden daran, diese Hypothese zu überprüfen, in dem sie Daten einer großen randomisierten Kontrollstudie analysierten, die vor 45 Jahren durchgeführt wurde. Am »Minnesota Coronary Experiment« (MCE) nahmen derzeit 9.423 Probanden viereinhalb Jahre lang teil.
Die Studie untersuchte, ob der Austausch gesättigter Fette durch Maisöl mit viel Linolsäure, das Risiko für eine Erkrankung der Herzkranzgefäße und das Sterberisiko durch senken des Cholesterinspiegels beeinflusst. Die Kontrollgruppe ernährte sich mit viel gesättigten Fetten.

Cholesterin sinkt, aber verlängert nicht das Leben
Wie erwartet, senkte eine linolsäure-reiche Ernährung den Cholesterinspiegel, aber das das ließ sich nicht in ein besseres Überleben übertragen. Tatsächlich hatten die Teilnehmer mit stärkerer Senkung des Cholesterinspiegels eher ein höheres Sterberisiko.
Im Jahr 2013 prüften die Wissenschaftler unveröffentlichte Daten einer ähnlichen Studie - der »Sydney Diet Heart Study« - und stellten fest, dass das Sterberisiko durch koronare Herzerkrankung höher war bei denen, die gesättigte Fette durch linolsäurehaltiges Pflanzenöl ersetzt hatten.

Kein Beweis für die Vorteile von Pflanzenöl
Um ihre Ergebnisse weiter zu prüfen, untersuchte und analysierte das Team die Ergebnisse aller ähnlich randomisierten Kontrollstudien - und fand keinerlei Abnahme des Sterberisikos. Weder bei einer koronaren Herzerkrankung noch bei anderen Ursachen.
Die Wissenschaftler weisen speziell auf die eingeschränkt vorhandene Datenlage hin, und kommen zu dem Schluss, dass die gesammelten Ergebnisse nicht den Grundsatz unterstützen, dass eine Cholesterinsenkung durch Pflanzenöle das Risiko für eine koronare Herzkrankheit und vorzeitigen Tod reduziert.

Zuviel Linolsäure eher schädlich
Und sie schließen daraus, dass Ergebnisse der MCE-Studie den zunehmenden Beweis fördern, dass unvollständige Veröffentlichungen dazu beitragen haben, dass die Vorteile von Pflanzenölen gegenüber gesättigten Fetten überschätzt wurden.
Die Wissenschaftler merken außerdem an, dass obwohl kleine Mengen Linolsäure lebenwichtig für die Gesundheit sind, hohe Mengen Linolsäure nicht einer normalen Ernährungsweise entsprechen und vorläufige Beweise sogar andeuten, dass Nebenprodukte der Linolsäure mit chronischen Schmerzen und anderen Krankheiten in Verbindung stehen.

Beweislage muss überprüft werden
In einem zugehörigen Leitartikel schreibt Lennert Veerman von der Universität von Queensland: »Die Vorteile von mehrfach ungesättigten Fetten gegenüber gesättigten Fetten scheinen etwas weniger sicher zu sein, als wir immer dachten.« Er weist auf einige Studieneinschränkungen hin, die das Ergebnis beeinflusst haben könnten und hält eine sorgfältige Überprüfung der Beweislage für angebracht, um angemessene Ernährungsempfehlungen geben zu können.
In der Zwischenzeit, sagt er, sollten wir weiterhin mehr Fisch, Obst, Gemüse und Vollkornprodukte essen und Salz, Zucker, industrielle Transfette und übermäßiges Essen vermeiden.

Quelle: Christopher E. Ramsden et al.: Re-evaluation of the traditional diet-heart hypothesis: analysis of recovered data from Minnesota Coronary Experiment (1968-73). BMJ 2016;353:i1246, doi: 10.1136/bmj.i1246

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