Montag, 20. Juni 2016


Koffein als Wachmacher hat seine Grenzen
(Foto: Christoph - pixabay.com)
Koffein gilt als der Wachmacher schlechthin. Doch nach drei Nächten mit ungenügendem Schlaf hilft auch kein Kaffee mehr.


Straßenlärm, reichlich Überstunden, weinende Babys, ein Schnarcher im Nachbarbett, durchgefeierte Nächte, zu spät heimkehrende Teenager: Die Gründe für eine erzwungen verkürzte Nachtruhe sind vielfältig. Auch Medikamente, Alkohol oder eine üppige Mahlzeit am Abend können uns den Schlaf rauben. So manch einer grübelt auch nachts gerne über anstehende Probleme in Beruf und Familie, und wälzt sich stundenlang im Bett herum statt entspannt in schöne Traumwelten abzutauchen. Am Morgen fühlt man sich dann wie gerädert und versucht dann mit einer Tasse starken Kaffee die Lebensgeister wieder zu erwecken.

Koffein hat seine Grenzen
Doch das Allheilmittel gegen Müdigkeit - Koffein - erreicht schnell seine Wirkungsgrenzen, sagen Wissenschaftler. Nach drei Nächten mit nur fünf Stunden Schlaf, hilft auch kein Kaffee mehr. Tracy Jill Doty und ihre Kollegen untersuchten dafür 48 gesunde Freiwillige für neun Tage in einem Schlaflabor. In der ersten Nacht durften sie solange schlafen, wie sie wollten. In den folgenden fünf Nächten wurden sie jedoch bereits nach fünf Stunden Schlaf wieder geweckt. In den weiteren drei Nächten durften die Teilnehmer acht Stunden schlafen, um sich zu erholen.
An den Tagen, an denen die Teilnehmer nur fünf Stunden geschlafen hatten, erhielt eine Gruppe zwei Mal am Tag 200 Milligramm Koffein verabreicht. Die andere Gruppe bekam ein Placebo.

Die Stimmung wird eher schlechter
Tagsüber absolvierten die Testpersonen kognitive Tests. Auch ihre Aufmerksamkeit, Schläfrigkeit und die Fähigkeit, wach zu bleiben, wurden regelmäßig gemessen. Mit einer Fragenliste wurde außerdem ihr Gemütszustand festgestellt.
Während der beiden ersten kurzen Nächte schnitten die Teilnehmer, die Koffein erhalten hatten besser bei der Psychomotor Vigilance Task (PVT) ab, ein Test zur Erfassung des Reaktionsvermögens auf visuelle Reize. Nach drei Nächten mit nur fünf Stunden Schlaf konnte allerdings auch das Koffein die Aufmerksamkeit nicht mehr positiv beeinflussen.
Ähnlich verhielt es sich mit dem Gemütszustand der Teilnehmer. Die Koffein-Konsumenten fühlten sich in den ersten Tagen noch glücklicher als die Placebo-Gruppe. In den letzten Tagen mit wenig Schlaf reagierten die Kaffeetrinker aber gereizter als die Kaffeeabstinenzler.

Leistung wird nicht mehr gesteigert
»Es überraschte uns vor allem, dass die leistungsfördernden Effekte einer zweimal täglichen Koffein-Dosis schon nach drei Nächten mit Schlafentzug wegfallen«, sagt Doty. »Diese Ergebnisse sind wichtig, weil Koffein häufig als Stimulanz eingesetzt wird, wenn wegen Schlafmangels die Leistungskurve abfällt. Die Ergebnisse dieser Studie zeigen, dass dieselbe Dosis Koffein nach mehreren Tagen Schlafentzug nicht mehr wirksam ist.« Die Zusammenfassung der Studienergebnisse wurde in einer Beilage zum Fachjournal »SLEEP« veröffentlicht.

Quelle: Abstract Title: Caffeine Efficacy Across a Simulated 5-day Work Week with Sleep Restriction, Abstract ID: 0254 (Pdf-File Page 96)

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