Montag, 29. August 2016


Akupressur gegen die Erschöpfung bei Brustkrebs
(Foto: acupuncturebox - pixabay.com)
Akupressur kann bei Brustkrebs-Patientinnen hartnäckige Erschöpfung lindern, sagt eine neue Studie aus Amerika.


Das Fatigue- oder Erschöpfungssyndrom ist eine der häufigsten Langzeiteffekte einer Brustkrebsbehandlung. Etwa ein Drittel der Frauen erfahren mäßige bis schwere Symptome von Fatigue bis zu zehn Jahre nach dem Ende ihrer Behandlung.

Fatigue bei vielen chronischen Krankheiten
Die Studie im Fachjournal »JAMAOncology« fand heraus, dass Akupressur die Erschöpfung innerhalb von sechs Wochen um 27 bis 34 Prozent reduzieren kann. Zwei Drittel der Frauen, die Entspannungsakupressur machten - eine bestimmte Art dieser Heilmethode - erreichten normale Fatigue-Level.
»Fatigue ist ein unterschätztes Symptom bei vielen chronischen Krankheiten und speziell bei Krebs. Es hat erheblichen Einfluss auf die Lebensqualität. Akupressur ist leicht zu erlernen und Patienten können es selbst anwenden«, sagt Studienautorin Suzanna Zick, Professorin für Familienmedizin an der Universität Michigan.

Akupressur: entspannende und stimulierende Technik
Akupressur kommt aus der traditionellen chinesischen Medizin (TCM). Dabei wird mit Fingern, Daumen oder einem Gegenstand Druck auf bestimmte Punkte des Körpers ausgeübt. Wissenschaftler testeten zwei Arten von Akupressur: Entspannende Akupressur, die traditionell zur Behandlung von Schlaflosigkeit angewendet wird, und stimulierende Akupressur, die für mehr Energie sorgt. Die beiden Techniken unterscheiden sich durch die behandelten Punkte am Körper.
An der Studie nahmen 424 Brustkrebspatientinnen teil. Die Frauen wurden zufällig in drei Gruppen eingeteilt. Eine Gruppe bekam entspannende Akupressur, die zweite Gruppe stimulierende Akupressur und die dritte Gruppe erhielt die Standard-Behandlung einschließlich der typischen Schlaf-Management-Techniken. Die Frauen lernten, die Akupressurpunkte zu finden und zu stimulieren, so dass sie die Behandlung einmal täglich sechs Wochen lang zu Hause durchführen konnten.

Entspannende Akupressur lindert Fatigue und Schlafstörungen
Am Ende der Studie zeigten die beiden Akupressur-Therapien eine erhebliche und dauerhafte Verbesserung des Fatigue-Syndroms. Doch nur die entspannende Akupressur verbesserte auch Schlafqualität und Schlafstörungen sowie die Lebensqualität insgesamt.
Frühere Studien hatten schon Hinweise gegeben, dass Akupunktur das Fatigue-Syndrom verringern könnte. Aber Akupunktur wird häufig nicht durch die Krankenversicherungen bezahlt. Zudem muss man für die Behandlung sechs Wochen lang ein- bis zweimal wöchentlich zu einem entsprechenden Therapeuten gehen. Akupressur hingegen lässt sich leicht erlernen und anschließend zu Hause anwenden, wie die Studie bewiesen hat.

App soll Akupressur-Unterricht erleichtern
Die Studienteilnehmerinnen lernten innerhalb von 15 Minuten, die richtigen Akupressurpunkte zu finden und den richtigen Druck auszuüben. Einige Frauen berichteten über kleine Druckstellen an den Akupressurpunkten. Etwa zwölf Prozent der Teilnehmerinnen brachen die Studie ab, weil es ihnen zu zeitaufwendig war. »Angesichts des kurzen Trainings zur Anwendung der Akupressur, könnte diese Maßnahme eine kostengünstige Möglichkeit zur Behandlung des Erschöpfungssyndroms sein«, meint Zick.
Die Forscher entwickeln gerade eine mobile App, um Akupressur zu erlernen. Sie wollen zusätzlich weiter erforschen, warum Akupressur Fatigue beeinflusst und ob es auch bei Patienten wirkt, die noch mitten in einer Krebsbehandlung stecken oder die an anderen Krebsarten als Brustkrebs leiden.

Fatigue-Syndrom: Ursachen, Symptome, Risikofaktoren
Fatigue taucht als Begleiterscheinung diverser chronischer Erkrankungen auf:
  • Multiple Sklerose
  • Morbus Parkinson
  • systemischer Lupus Erythematodes
  • Rheuma
  • HIV und Aids
  • Krebs (tumorbedingte Fatigue)

Doch auch andere Umstände können solch ein Erschöpfungssyndrom auslösen:
  • schwere Schlafstörungen
  • nächtliche Atemaussetzer bei Schlafapnoe
  • chronische Schmerzen
  • Schilddrüsenerkrankungen
  • Blutarmut
  • Mangelernährung
  • Interferonbehandlung (bei Hepatitis C, multipler Sklerose, Krebs)
  • Chemotherapie bei Krebs

Fatigue kann auch als eigenständige neurologische Krankheit auftreten, wobei Ärzte dann vom chronischen Erschöpfungssyndrom (CFS = chronic fatigue snydrome) sprechen. Die Ursachen und Beschwerden unterscheiden sich aber teilweise stark vom Fatigue-Syndrom.

Totale Erschöpfung
Studien haben gezeigt, dass das Risiko für Fatigue mit dem Alter steigt. Zudem erkranken mehr Frauen als Männer am Fatigue-Syndrom. Die Beschwerden äußern sich vor allem in einem dauerhaften Gefühl von geistiger und körperlicher Erschöpfung. Entscheidend ist, dass diese Beschwerden sich nicht durch Ruhephasen oder Schlaf bessern. Die Betroffenen sind in steigendem Maße weniger leistungsfähig und bereits einfache alltägliche Aktivitäten wie Kochen, Zähne putzen oder Telefonieren sind beinahe nicht mehr durchzuführen. Genauso schwierig gestalten sich Aufgaben, die geistige Leistungsfähigkeit erfordern. Aufmerksamkeit und Gedächtnis sind bei dieser chronischen Erschöpfung stark beeinträchtigt. Private und berufliche Aktivitäten werden zunehmend eingeschränkt und die Lebensqualität der Betroffenen leidet erheblich. Behandelt wird das Fatigue-Syndrom vor allem, in dem man die Grunderkrankungen therapiert. Medikamente, Bewegungs- und Verhaltenstherapien können den Betroffenen helfen, mit der chronischen Erschöpfung im Alltag besser umzugehen.

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