Samstag, 10. September 2016


Radieschen werden noch ab und zu als Snack während einer Diät gegessen, aber weiter lassen wir die kleinen roten Knollen meist links liegen. Völlig zu unrecht.

Radieschen sehen zwar nicht so aus, aber sie haben es in sich: Die kleinen roten Knollen bringen echte Power für die Gesundheit. Leider werden sie eher selten gekauft und landen zu wenig auf unseren Tellern. Dabei sind Radieschen sogar im Stande, das Wachstum von Krebszellen hemmen. Und sie können noch einiges mehr!

Radieschen: Der Hit im Gemüsegarten
Radieschen sind im Gemüsegarten vor allem für Kindern ein Hit. Sie sind ganz leicht anzubauen. Aber weiter sind Radieschen so normal und unscheinbar, dass man sie schnell übersieht. Sie gehören zur Familie der Kreuzblütler, genau wie Brokkoli, Rosenkohl, Grünkohl, Blumenkohl, Weißkohl, Chinakohl und Kohlrabi. Blumenkohl konnte in einer Studie im Fachjournal »Carcinogenesis« sogar das Wachstum von Krebszellen hemmen.
Dass die Kreuzblütler eine derartige Wirkung auf Krebszellen haben, wird dem Sulforaphan, einem Senföl, zugeschrieben, das auch in Radieschen zu finden ist. Studien zeigen nicht nur, dass Sulforaphan eine positive Wirkung bei Brustkrebs hat, sondern auch bei Prostata-, Darm- und Eierstockkrebs. Grund ist der zytotoxische Effekt auf die Krebszellen. Das Sulforaphan wirkt wie ein Zellgift bei den Tumorzellen. Leider werden beim Erhitzen etwa 90 Prozent Sulforaphan zerstört. Zu empfehlen ist daher, Gemüse aus der Kreuzblütler-Familie möglichst roh zu essen. Radieschen eignen sich dafür natürlich besonders gut, auch wenn nicht jeder den leicht scharfen Geschmack liebt.

Radieschen haben eine lange Tradition
Dokumentationen aus dem alten Ägypten zeigen, dass man dort schon Radieschen aß noch bevor die Pyramiden erbaut wurden. Die alten Griechen schätzten die kleinen roten Knollen derart, dass sie goldene Nachbildungen des Gemüses anfertigten. Rote Bete bekamen »nur« silberne Nachahmungen und bei Rüben reichte es nur noch für Blei-Nachbildungen. Ein altgriechischer Arzt schrieb selbst ein ganzes Buch über Radieschen. Auch die Römer kannten das scharfe rote Gemüse: Römische Schriftgelehrte berichteten über verschiedene Sorten.
Das kleine Radieschen wurde in Europa erst Mitte des 16. Jahrhunderts erwähnt. Beschreibungen vor dieser Zeit betreffen nur die größeren Arten. Ein deutscher Botaniker erzählte 1544 von einer Sorte, die wohl Dutzende Kilos wog.

Grundlage in der japanischen und chinesischen Küche
In China und Japan wird Radieschen auch schon mal gepökelt. Die Asiaten erreichen dadurch eine für sie attraktivere gelbe Farbe des Gemüses. Europäer finden dagegen den Geruch und Geschmack der gepökelten Variante meist unangenehm. Die gepökelten salzigen Radieschen sind Teil der japanischen Ernährung. Manche Sorten werden speziell zum Kochen gezüchtet.

Rettich in der chinesischen Medizin
So wie wir auf den Apfel vertrauen, »ein Apfel am Tag, hält den Doktor fern«, vertrauen die Chinesen auf weißen Rettich, um in den Wintermonaten gesund zu bleiben. Sie sagen: »Iss Rettich im Winter und Ingwer im Sommer und Du brauchst keine Medikamente«. Laut der chinesischen Medizin stillt weißer Rettich den Durst und nimmt die Hitze, wodurch Darmbewegungen in Gang kommen. Der weiße Rettich hat deshalb auch den Spitznamen »kleiner Ginseng«. Weißer Rettich soll nicht zusammen mit Orangen gegessen werden: Zuviel von beidem könnte einen Kropf verursachen, sagen chinesische Mediziner.
Ihr spezielles Aroma macht Radieschen zum idealen Snack und durch ihre kräftige Farbe verschönern sie jeden Salat. Radieschen sind kleine Multivitamintabletten: Sie enthalten eine Reihe von Vitaminen (B, C, E und K) und Mineralstoffen (Zink, Kalium, Kupfer, Magnesium und Kalzium), allerdings in geringen Mengen. Nur Vitamin C ist wirklich nennenswert (25 Prozent der täglich empfohlenen Menge pro 100 Gramm), der Rest der Vitamine und Mineralien liegt weit darunter. Dafür sind Radieschen überaus figurfreundlich: 14 Kalorien pro 100 Gramm, da kann man sorglos zugreifen.

Nur wenig Vitamine und Mineralien: Was macht Radieschen trotzdem wertvoll?
Wenn wir Radieschen nicht wegen ihres Vitamin- und Mineralgehaltes zu essen brauchen, was macht sie trotzdem so besonders wertvoll für unsere Gesundheit? Radieschen sind der »Putztrupp« für übermäßigen Schleim. Sie reinigen die Nebenhöhlen, besonders bei älteren Menschen. Übermäßige Schleimbildung ist laut der chinesischen Medizin ein Zeichen von Spannung im Körper. Zu viel Schleim kann durch Gifte, Lebensmittelzusatzstoffe und Allergien gebildet werden. Die beiden Nahrungsmittelsorten, die berüchtigt sind für eine übermäßige Schleimproduktion, heißen Milchprodukte und Weizen. Wenn Sie das essen, sollten Sie auch Radieschen essen.

Radieschen gegen Schimmelinfektionen
Radieschen schützen gegen Schimmelinfektionen mit Candida albicans. Um ein überschießendes Wachstum von Candida zu bremsen, reichen Nahrungsergänzungen nicht aus. Sie sollten auch die richtigen Nahrungsmittel essen. Die Natur bietet wirksame Mittel, um Schimmel zu bekämpfen. Die Zufuhr von schimmelhemmenden Nahrungsmitteln spielt eine wichtige Rolle, um Candida zu bekämpfen oder vorzubeugen. Radieschen gehören zweifellos dazu. In den vergangenen Jahren sind die Auswirkungen von Rettich und Radieschen auf Candida gut untersucht worden. Die Welt der Antischimmel-Medikamente ist ein Stück kleiner als die der Antibiotika, deshalb suchen Wissenschaftler nach immer neuen Antischimmel-Präparaten. In einigen Studien liegt der Fokus auf RsAFP2, eine Substanz, die Pflanzen vor Schimmelbefall schützt und die auch von Radieschen gebildet wird. Eine belgische Studie aus dem Jahr 2009 berichtet, dass dieses spezifische Eiweiß bei dem menschlichen Krankheitskeim Candida albicans den Zelltod fördert. Andere Studien bestätigen, dass RsAFP2 aktiv ist in der Zellwand von Candida albicans, dort die Zellwandschädigt und wirksam vernichtet. Das lässt dem Schimmel keine Chance.

Radieschen schützen gegen Krebs
Radieschen enthalten Glucosinolate oder Senfölglykoside, die das Wachstum von Krebszellen bremsen und Apoptose erzeugen, ein programmierter Zelltod von alten und geschädigten Zellen. Das kann noch verstärkt werden durch einen Extraktaus der Rettichwurzel. Auch Sulforaphan bietet durch seine Wirkung als Zellgift einen starken Schutz vor Krebs.

Radieschen fördern Entgiftung
Knabbert man hin und wieder während des Tages ein paar Radieschen und werden noch weitere Entgiftungsmaßnahmen getroffen, können die roten Knollen die Entgiftung unterstützen. Radieschen enthalten Zeaxanthin, Lutein, A- und B-Karotin, was die Reinigungsfunktionder Leber, der Galle und des Darms fördert. Zusätzlich regen die Senfölglykoside den Entgiftungsprozess an. Radieschen entwässern und wirken so als natürliches Diuretikum. Das wirkt sich positiv auf einen zu hohen Blutdruck aus und reinigt darüber hinaus die Harnwege. Harnwegsinfektionen haben auf diese Weise keine Chance sich auszubreiten. Der spanische schwarze Rettich hat einen höheren Gehalt an Senfölglykosiden als andere Sorten. Diese Glucosinolate schützen vor akuten Vergiftungen.

Radieschen hemmen Entzündungen
Radieschen haben ein einzigartiges Molekül, das Indol-3-Carbinol (I3C). Dieses Molekül ist bei allen Kreuzblütlern zu finden und hemmtEntzündungsmediatoren im Blut, die einen Entzündungsprozess im Körper einleiten oder aufrechterhalten. Bekannte Entzündungsfaktoren sind zum Beispiel Histamin und Interleukin. Histamin spielt eine zentrale Rolle bei Allergien und der Immunabwehr und das Interleukin ist wichtig für die Kommunikation der Abwehrzellen. Radieschen verbessern entzündliche Hauterkrankungen wie Akne, Ekzeme, Schuppenflechte und lindern Schmerzen und Schwellungen. Sulforaphan unterstützt zusätzlich die entzündungshemmendeWirkung.

Radieschen für die Herzgesundheit

Die kleinen roten Knollen helfen auch Herz und Blutgefäßen. Das rote Radieschen ist vollgepackt mit Anthocyanidinen. Diese sekundären Pflanzenstoffe, die auch für die rote Farbe verantwortlich sind, begrenzen die Schäden an den roten Blutkörperchen soweit wie möglich, in dem sie Sauerstoff an das Blut abgegeben. Das beugt Herz-und Gefäßkrankheiten vor. Anthocyanidine, eine Gruppe der Anthocyane, sind auch in Blaubeeren, Erdbeeren und roten Trauben zu finden.

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