Sonntag, 23. April 2017


Langanhaltender Stress kann bei über 50-jährigen Übergewicht verursachen. Britische Wissenschaftler maßen dafür den Cortisol-Gehalt im Haar.


Stress kennt jeder von uns. Ob auf beruflicher oder privater Ebene, in der Schule oder während des Studiums, irgendwann werden wir mit Stress konfrontiert. Solange solche Stressphasen nur kurz sind, kann der Körper damit umgehen und es kommt nicht zu gesundheitsschädigenden Auswirkungen. Schlimmer ist es, wenn wir chronisch unter Stress stehen und eigentlich keine Entspannungsphasen mehr erleben, dann können wir krank werden und auch dick, wie britische Wissenschaftler nun wieder bestätigen. Menschen, die unter chronischem Stress leiden, haben ein höheres Risiko Übergewicht zu entwickeln, besonders wenn sie älter als 50 Jahre sind. Das ergab eine Studie in »Obesity« mit mehr als 2.500 Männern und Frauen im Alter ab 54 Jahren.

Stresslevel der letzten zwei Monate


Wissenschaftler der Langzeitstudie »Englisch Longitudinal Study of Ageing« nahmen für die Studie von jedem Teilnehmer eine Haarprobe. Im Haar lässt sich nämlich die Menge des Stresshormons Cortisol im Körper ablesen. Die Haarprobe war zwei Zentimeter lang, was etwa zwei Monaten Haarwachstum entspricht. Auf diese Weise konnte der Cortisol- und daher Stressspiegel der vergangenen zwei Monate gemessen werden.

Überzeugender Beweis


Studienleiterin Sarah Jackson fand dabei eine Wechselbeziehung zwischen größeren Mengen Cortisol und einem größeren Taillenumfang und Body-Mass-Index. »Diese Ergebnisse sind der überzeugende Beweis, dass chronischer Stress in Verbindung steht mit mehr Übergewicht«, so Jackson.

Bei Stress wird die Amygdala, die emotionale Alarmglocke im Gehirn, besonders aktiv und sorgt dafür, dass allerlei Substanzen freigesetzt werden, die den Körper in höchste Bereitschaft versetzen. Cortisol ist eine dieser Substanzen, die während dieser Reaktion zunimmt, und wird deshalb als Stressindikator verwendet. Dabei sorgt das Cortisol dafür, dass mehr Glukose ins Gehirn gelangt, damit der Körper besser mit der Stresssituation umgehen kann. Die Ausschüttung von Cortisol wird durch Rezeptoren aktiviert, die sich im Bauchfett befinden. Das könnte die Gewichtsveränderungen erklären, die Cortisol verursachen kann.

Mehr Forschungen nötig


Weitere und umfassendere Forschungen müssen die Verbindung zwischen Cortisol und Übergewicht feststellen. Die Ursache-Wirkungs-Beziehung kann nämlich auch umgekehrt gelten: Personen mit Übergewicht könnten mehr Stress empfinden wegen beispielsweise gesundheitlicher Folgen, die sie aufgrund ihres Übergewichtes befürchten müssen. Die Wissenschaftler werden darum die Studie fortsetzen und das Gewicht und den Cortisolspiegel der Teilnehmer alle vier Jahre bestimmen.

Das ist nicht die erste Studie, aus der hervorgeht, dass Cortisol und Übergewicht zusammenhängen. Aus Forschungen des Erasmus-Medizinzentrums ging im Oktober 2016 hervor, dass Kinder mit hohem Cortisolspiegel fast zehnmal so häufig übergewichtig sind als Kinder mit wenig Cortisol im Blut.

Wozu brauchen wir Cortisol?


Ein Zuviel an Cortisol macht uns krank, doch gänzlich ohne dieses Hormon würden wir nur wenige Tage überleben. Cortisol hat zahlreiche Funktionen und ist an vielen Vorgängen beteiligt: Regulierung des Wachstums, Fett- und Eiweißstoffwechsel und Kohlenhydrathaushalt. Cortisol sorgt dafür, dass dem Körper mehr Energie zur Verfügung steht. Cortisol lässt die Körpertemperatur und den Blutdruck steigen, aktiviert den Energiestoffwechsel, hemmt Schmerzen und Entzündungen und bremst das Immunsystem. Cortisol wird hauptsächlich in der zweiten Nachthälfte in den Nebennieren produziert und erreicht morgens nach dem Aufstehen - zwischen 5 und 8 Uhr - sein höchstes Level. Im Verlauf des Tages sinkt der Cortisol-Spiegel bis auf ein Minimum zwischen Mitternacht und 4 Uhr morgens ab.

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