Samstag, 27. Januar 2018


Feinstaub kann schon nach kurzer Zeit eine tödliche Wirkung entfalten, wie amerikanische Wissenschaftler entdeckten. Das gilt vor allem für Senioren.
Die Auswirkungen von Feinstaub werden inzwischen seit Jahren untersucht und vor den schädlichen Folgen auf die Gesundheit gewarnt. Amerikanische Wissenschaftler entdeckten nun, dass Feinstaub besonders für ältere Menschen ab 65 schnell gefährlich und sogar tödlich werden kann. Und es gibt keinen sicheren Spielraum.
Feinste Feinstaubpartikel erhöhen Mortalität
Je mehr feinste Feinstaubpartikel PM2,5 (mit einem kleineren Durchmesser als 2,5 Mikrometer) in der Luft sind, desto mehr Menschen ab 65 Jahren sterben einen Tag später. Und es scheinen keine sicheren PM2,5-Konzentrationen zu existieren, unterhalb derer es keine zusätzliche Sterblichkeit gibt. PM2,5-Feinstaub ist daher auch weit unter den derzeit zulässigen Werten ungesund. Das gilt ebenso für Ozon.
Dies belegt eine große amerikanische Studie über den Todeszeitpunkt von mehr als 22 Millionen älteren Amerikanern in den Jahren 2000 bis 2012. Die Forscher untersuchten PM2,5- und Ozonkonzentrationen am Tag ihres Todes und am Tag zuvor. Die Studie wurde im „Journal of the American Medical Association“ veröffentlicht.
Unmittelbare Belastung für Herz und Lunge
Feinstaub tötet also auch kurzfristig. Die durchgeführte Studie war eine große epidemiologische Studie. Epidemiologische Studien können keine Ursache-Wirkung-Beziehung feststellen. Aber es gibt genügend biochemische und physiologische Untersuchungen, so die Forscher, die zeigen, dass Herz und Lunge bei höheren PM2,5- und Ozonkonzentrationen stärker belastet sind.
Darauf weist auch ein unabhängiger Kommentator im Fachjournal „JAMA“ hin. Junfeng Zhang, als Spezialist für Luftverschmutzung verbunden mit Umweltinstituten der Universitäten in Durham (North Carolina) und Peking, schreibt in dem Kommentar, dass „mittlerweile allgemein anerkannt wird, dass eine kurzzeitige PM2,5-Exposition schlecht für Herz und Lunge ist, da Entzündungsprozesse in der Lunge zunehmen sowie oxidativer Stress, eine erhöhte Neigung zur Blutgerinnung und eine Beeinträchtigung des Nervensystems“. Erst im Mai 2017 entdeckten britische Forscher einen direkten Zusammenhang zwischen dem Einatmen von PM2,5-Feinstaub und Herzschäden. Andere Studien stellten eine Verbindung mit einem zu niedrigen Geburtsgewicht und Schlafstörungen fest.
Feinstaub aus Passivrauch
Aus Studien mit Passivrauchern weiß man, dass nach dem Meiden von Passivrauch die Zahl der Herzinfarkte sofort sank. Dies zeigt sich nach der Einführung von Rauchverboten in Kneipen und Gaststätten der EU-Länder. Neben einem kurzfristig höheren Sterberisiko war bereits bekannt, dass Feinstaub aufgrund der Zunahme chronischer Herz- und Lungenerkrankungen zu einer langfristigen Mortalität führt. Weltweit starben im Jahr 2007 3,45 Millionen Menschen vorzeitig an den feinsten Feinstaubpartikeln.
Überprüfung der Normwerte
Die amerikanische Studie wurde entwickelt, um die kurzfristigen Auswirkungen der Luftverschmutzung durch PM2,5 und Ozon bei Konzentrationen unterhalb der geltenden Normwerte zu ermitteln. In den USA müssen die Standards alle fünf Jahre überprüft werden, beginnend mit dem Jahr 2018. Als die PM2,5-Konzentration um 10 µg/m³ zunahm, stieg die Sterblichkeit um ein Prozent. Das ist ungefähr ein weiterer Toter aus etwa 130 Todesfällen pro Million Menschen täglich bei älteren Amerikanern. Es handelt sich um einen sehr bescheidenen Anstieg, aber genau messbar, weil die Sterberate von 22 Millionen Menschen untersucht wurde.
Europäische Normen
Die maximale Konzentration, der Amerikaner nun innerhalb von 24 Stunden ausgesetzt werden dürfen, lieg bei 35 Mikrogramm pro Kubikmeter (µg/m³). In der Europäischen Union liegt die 24-Stunden-Norm für PM2,5-Partikel bei 25 µg/m³, mit der Absicht den Wert bis 2020 auf 20 µg/m³ zu senken. Die Weltgesundheitsorganisation WHO ist da weitaus strenger: ein jährlicher Durchschnittswert von maximal zehn Mikrogramm pro Kubikmeter und nicht mehr als drei Tage im Jahr mit Spitzenwerten von mehr als 25 Mikrogramm pro Kubikmeter.
80 Prozent der Städter atmen zu viel Feinstaub ein
Amerikanische Forscher untersuchten vor allem den Einfluss von PM2,5-Konzentrationen unter 25 µg/m³. Das ist ideal für die Diskussion innerhalb der EU. Die Amerikaner finden ein Sterblichkeitsrisiko, das beinahe gradlinig ansteigt von 0 bis 20 µg/m³, um darüber einen konstanten Verlauf zu zeigen. Eine Regierung, die das kurzfristige Sterberisiko durch PM2,5-Feinstaub bei über 65-Jährigen senken will, muss die Norm deutlich unter 20 µg/m³ setzen.
2016 stellte die Weltgesundheitsorganisation WHO fest, dass mehr als 80 Prozent der Stadtbevölkerung weltweit zu viel Feinstaub einatmet. Eine der wichtigsten Ursachen für Feinstaub ist der Straßenverkehr.

0 Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Gesundheit & Wissenschaft

Gesundheit & Wissenschaft
Bitte beachten Sie, dass Artikel auf dieser Seite generell fachlichen Rat - zum Beispiel durch einen Arzt - nicht ersetzen können.

Categories

Angelika Lensen. Powered by Blogger.

Autor(en)

Alle Beiträge auf Gesundheit & Wissenschaft wurden von Angelika Lensen erstellt.

About Me

Mein Foto
Ich schreibe als freie Journalistin für Online- und Printmedien
über Gesundheit, Medizin und Wissenschaft.


Werbepolitik

Diese Internetseite ist frei von Werbung und wird ausschließlich privat finanziert.

Letzte Aktualisierung

Beliebte Artikel

Folgen Sie dem Blog per E-Mail

Google+ Badge