Montag, 9. Mai 2016

Tagesmüdigkeit und Tagschlaf stören den Stoffwechsel


Wer am Tag zu viel schläft, kann Stoffwechsel-
störungen bekommen
(Foto: tatlin - pixabay.com)
Wer am Tag übermäßig müde ist und ausgedehnte Nickerchen macht, hat ein höheres Risiko ein metabolisches Syndrom zu entwickeln.

Tagsüber unter Müdigkeit zu leiden, kennt jeder von uns. Nach einer durchgefeierten Nacht ist das auch zu erwarten und völlig normal. Doch wer tagsüber ständig unter extremer Müdigkeit leidet und das durch ausgedehnte Nickerchen kompensieren möchte, riskiert, an einem metabolischen Syndrom zu erkranken.

Ein Nickerchen von mehr als 40 Minuten ist gefährlich
Besonders wer tagsüber länger als 40 Minuten schläft, erhöht deutlich das Risiko ein metabolisches Syndrom zu entwickeln. Zum metabolischen Syndrom gehört eine Gruppe von Stoffwechselstörungen wie Bluthochdruck, zu hohes Cholesterin, übermäßiges Bauchfett und hohe Blutzuckerwerte, die allesamt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen ansteigen lassen. Und wer ständig am Tage übermüdet ist, fördert solche Stoffwechselstörungen, sagen neue Studien.

Tagschlaf und Tagesmüdigkeit fördern Herzkrankheiten und Diabetes
»Ein Nickerchen zu machen, ist auf der ganzen Welt weit verbreitet«, sagt Dr. Tomohide Yamada, Diabetologe an der Universität von Tokyo und Hauptautor der Studie. »Die Klärung des Zusammenhangs zwischen Tagschlaf und metabolischem Syndrom könnte neue Behandlungsstrategien bieten, besonders weil Stoffwechselkrankheiten weltweit stetig zunehmen.« Yamada und seine Kollegen stellten schon in früheren Studien fest, dass ausgedehnter Tagschlaf und Tagesschläfrigkeit die Häufigkeit für Herzkrankheiten und Typ 2-Diabetes ansteigen lassen. Die aktuelle Studie ist die größte ihrer Art mit Daten aus unterschiedlichen Ländern.

90 Minuten Tagschlaf verdoppeln das Risiko für Stoffwechselprobleme
Die Studienteilnehmer berichteten über ihre Tagesmüdigkeit anhand von Fragen wie »Haben Sie ein Problem mit Schläfrigkeit am Tag«, und über ihre Tagschlaf-Gewohnheiten mit Fragen wie »Machen Sie tagsüber ein Nickerchen« oder »Schlafen Sie während des Tages«. Die Wissenschaftler verglichen die Antworten mit der Krankheitsgeschichte bezüglich metabolischem Syndrom, Typ 2-Diabetes und Übergewicht.
Die Ergebnisse zeigten eine J-förmige Beziehung zwischen Tagschlaf-Dauer und metabolischem Syndrom. Menschen, die weniger als 40 Minuten am Tag schliefen, zeigten kein erhöhtes Risiko für Stoffwechselprobleme, aber bei mehr als 40 Minuten stieg das Risiko stark an. Ein Nickerchen von 90 Minuten erhöhte das Risiko für ein metabolisches Syndrom genauso stark wie übermäßige Tagesmüdigkeit, nämlich 50 Prozent. Interessanterweise sank das Risiko für ein metabolisches Syndrom leicht bei denen, die weniger als 30 Minuten am Tag schliefen.

Mehr als eine Stunde Schlaf am Tag schadet der Gesundheit
Wie schon in früheren Untersuchungen berichtet, führt mehr als eine Stunde Tagschlaf oder starke Tagesmüdigkeit zu einer 50-prozentigen Zunahme von Typ 2-Diabetes. Die Studie zeigte keinen Zusammenhang zwischen Tagschlafdauer und Übergewicht, trotz der engen Verbindungen zwischen Übergewicht, Diabetes und metabolischem Syndrom. Eine frühere Studie aus dem Jahr 2015 von Yamada und seinen Kollegen, sah einen Zusammenhang zwischen mehr als 60 Minuten Tagschlaf und einem 82 Prozent erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten sowie einem 27 Prozent erhöhten allgemeinen Sterberisiko. Das Team präsentierte außerdem auf einem Diabetes-Kongress im September 2015 Daten, die ein um 56 Prozent erhöhtes Diabetesrisiko zeigen, wenn Menschen unter starker Tagesmüdigkeit leiden und ein um 46 Prozent erhöhtes Risiko, wenn sie tagsüber mehr als eine Stunde schlafen.

Kleine Schlafpausen von 20 bis 30 Minuten empfehlenswert
Interessanterweise zeigen alle drei Studien einen leichten Rückgang des Risikos, wenn Menschen weniger als eine halbe Stunde am Tag schlafen, doch Yamada benötigt mehr Studien, um dieses Ergebnis zu bestätigen. Die »National Sleep Foundation« befürwortet kleine Schlafpausen von 20 bis 30 Minuten, um die Aufmerksamkeit zu verbessern, ohne dass der Schläfer sich nachher benommen fühlt.
»Schlaf ist eine wichtige Komponente eines gesunden Lebensstils, genauso wie Bewegung und Ernährung«, sagt Yamada. »Kurze Nickerchen können gesundheitsfördernd sein, obwohl wir bis jetzt noch nicht wissen, wie stark der Effekt ist und welcher Mechanismus dahinter steckt.«

Weitere Untersuchungen von Tagschlaf und Tagesmüdigkeit nötig
Dennoch zeigen die Ergebnisse die Notwendigkeit für mehr Forschung, wie Schlafgewohnheiten das metabolische Syndrom und Herz-Kreislauf-Erkrankungen beeinflussen. Insgesamt sagen Experten, dass jeder dritte Amerikaner nicht genügend Schlaf bekommt. Zukünftige Forschungen sollen darauf abzielen, die möglichen Gesundheitsvorteile von kurzen Nickerchen für das Herz zu identifizieren. Genauso muss untersucht werden, wie lange Nickerchen, Tagesmüdigkeit und metabolisches Syndrom sich gegenseitig beeinflussen und ob Mediziner die Tagschlaf-Gewohnheiten eines Patienten als Vorhersage für andere Gesundheitsprobleme nutzen können. Obwohl die Studie Daten von mehr als 300.000 Teilnehmern erfasste, könnte sie für die Weltbevölkerung nicht repräsentativ sein, denn die Daten basierten auf selbst mitgeteilten Schlafzeiten und nicht auf objektiven Messungen eines Schlaflabors.

Quelle: Daytime Napping, Daytime Sleepiness and the Risk of Metabolic Diseases: Dose-Response Meta-Analysis Using Restricted Cubic Spline Model. Tomohide Yamada, Shojima Nobuhiro, Kadowaki Takashi, Journal of the American College of Cardiology, Volume 67, Issue 13, Page 1951, doi: 10.1016/S0735-1097(16)31952-0

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