Montag, 4. März 2024

Joggen und Spazierengehen genauso wirksam gegen Depressionen wie Medikamente

Bewegung wirkt ähnlich gut gegen Depressionen wie Medikamente (Foto: pixabay.com)


Joggen, Spazierengehen oder Walken sind bei Depressionen mindestens so wirksam wie eine Psychotherapie oder Medikamente. Erstaunlich, wenn man bedenkt, dass unglaublich viele Menschen Antidepressiva einnehmen. Vielleicht sollten sie besser Sport treiben.

 

Jährlich erkranken fünf Millionen Bundesbürger an einer Depression. 2021 verschrieben Ärzte fast 1,8 Milliarden Tagesdosen Antidepressiva und damit siebenmal mehr als vor 30 Jahren, denn neben der Psychotherapie gelten Medikamente als wichtiger Behandlungsbaustein bei mittelschweren bis schweren Depressionen. Allerdings können Antidepressiva unangenehme Nebenwirkungen wie Übelkeit, Mundtrockenheit, Müdigkeit oder Verdauungsprobleme hervorrufen. Es ist zudem schwierig, die Medikamente wieder abzusetzen. Seit einiger Zeit gibt es Vermutungen, dass Bewegung auch gegen depressive Beschwerden wirkt. Nun bestätigt eine große Studie das tatsächlich und empfiehlt sogar, Bewegung als gleichberechtigte Behandlungsmethode neben Psychotherapie oder Medikamenten einzusetzen.

Spazierengehen oder Walken auch hilfreich

Ruhige Bewegungen wie Spaziergehen oder Yoga sind ebenfalls von Vorteil, aber je intensiver das Training, desto größer die Vorteile, so die Wissenschaftler. Obwohl auch frühere Studien den Einsatz von Bewegung bei der Behandlung von Depressionen empfohlen haben, sind die Ärzte in diesem Bereich noch zurückhaltend. Um dies zu ändern, wurden alle Studien aufgelistet, in denen die Wirkung von Bewegung bei Depressionen mit der Wirkung von Antidepressiva und Psychotherapie verglichen wurde.

Tanzen gegen Depressionen

Die Wissenschaftler fanden 218 relevante Studien mit insgesamt mehr als 14.000 Teilnehmern mit Depressionen. Der Vergleich erbrachte einige interessante Erkenntnisse. Vor allem Tanzen reduzierte depressive Gefühle deutlich, aber auch Spazierengehen oder Walken, Joggen, Yoga, Krafttraining und Thai Chi erwiesen sich als wirksam. Ein bescheidener Nutzen zeigte sich auch noch, wenn Bewegung mit Psychotherapie oder Medikamenten kombiniert wurde. Es könnte daher auch zusammen angewendet werden.

Außerdem ist nicht jede Form von Bewegung für jeden gleich effektiv. Walken und Joggen scheinen sowohl für Männer als auch für Frauen nützlich zu sein, aber Krafttraining eignet sich besser für Frauen, während Yoga sinnvoller für Männer ist. Yoga ist auch besser für ältere Menschen geeignet, während Krafttraining eher für Jüngere von Vorteil ist. Und obwohl leichte körperliche Bewegung, wie Spaziergehen und Yoga sicher Vorteile hat, sind diese größer bei intensiver Bewegung wie Joggen oder Intervalltraining. Dabei spielt es keine Rolle, ob Betroffene andere Erkrankungen haben, wie stark die Depression ist oder ob es sich um Einzel- oder Gruppensport handelt.

Achtsamkeit in der Natur

Die Wissenschaftler betonen zwar, dass die Qualität der Ergebnisse zu wünschen übrig lässt, da es nur sehr wenige Studien gibt, in denen die Teilnehmer ein Jahr oder länger beobachtet wurden. Dennoch glauben sie, dass Bewegung bei Depressionen von großem Nutzen sein kann. Die Erklärung für die positiven Auswirkungen liegt ihrer Meinung nach in einer Kombination aus sozialen Kontakten, Achtsamkeit und Aufenthalt in der Natur.

„Unsere Ergebnisse untermauern die bereits vorhandenen Belege dafür, dass Bewegung Teil der Leitlinien für die Behandlung von Depressionen werden sollte, insbesondere intensive Bewegung“, so die Wissenschaftler. „Psychologen sollten diese Behandlung als Alternative oder Ergänzung zu den bekannten Behandlungsmethoden anbieten, um so gleichzeitig die mit Depressionen verbundenen körperlichen Gesundheitsrisiken zu verringern.“

Keine Lust auf Bewegung

Psychologen können also Bewegung, Psychotherapie oder Antidepressiva als eigenständige Behandlungsmethoden für Menschen mit Depressionen empfehlen. Man sollte meinen, dass eine umfassende sportliche Betätigung den Vorzug hat. Schließlich ist dies nicht nur gut für die psychische Gesundheit, sondern auch für den Körper. Außerdem haben vermeidet man so unangenehme Nebenwirkungen von Medikamenten.

Doch das ist alles leichter gesagt als getan. Für depressive Menschen kann es eine große Herausforderung sein, regelmäßig Sport zu treiben. In manchen Fällen ist es sogar unmöglich, sie zum Sport zu bewegen. Dann ist es wichtig, dass sie eine Alternative haben. Aber es ist in jedem Fall empfehlenswert, bei depressiven Gefühlen zu versuchen, sich zu bewegen, und sei es nur eine halbe Stunde Spaziergehen am Tag. Wenn man dabei seine Lieblingsmusik hört, fühlt man sich vielleicht schon ein wenig besser.

Ernährung lindert Depressionen

Neben den genannten Therapien ist auch eine passende Ernährung in der Lage, depressive Beschwerden zu lindern. Dazu gehören Probiotika, Safran sowie Obst und Gemüse. Zucker ist dagegen schlecht für die Psyche, wie frühere Studien zeigten.

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