Donnerstag, 26. November 2015


Die Kombination unterschiedlicher Geschmacksstoffe
können das Hungergefühl bremsen
(Foto: Taken - pixabay.com)
Bestimmte Kombinationen von Geschmacksrichtungen lassen uns weniger essen. Geschmacksrezeptoren im Dünndarm können das Hungergefühl bremsen.


Eine Kombination der Geschmacksrichtungen süß, bitter und umami sorgt dafür, dass Menschen weniger essen. Das fanden Wissenschaftler der Universität Maastricht bei gesunden Freiwilligen heraus. Die Geschmacksstoffe wurden über eine Sonde direkt in den Dünndarm gebracht, wo sich - wie auf der Zunge - Rezeptoren befinden, die diese Stoffe wahrnehmen können.

Fünf grundsätzliche Geschmacksrichtungen
Jeder Mensch ist in der Lage fünf verschiedene Geschmacksrichtungen zu unterscheiden: süß, sauer, salzig, bitter und den etwas weniger bekannten Geschmack umami. Umami lässt sich noch am besten umschreiben mit dem Ausdruck »herzhaft« und kommt von Natur aus vor in beispielsweise Tomaten, Algen und Champignons. Auch in Produkten wie Chips, Käse und Brühwürfeln ist diese Geschmacksrichtung wahrnehmbar. Auf der Zunge befinden sich die Rezeptoren, die die unterschiedlichen Geschmäcker erkennen. Bemerkenswert ist, dass solche Geschmacksrezeptoren sich auch im Dünndarm befinden. Dort erzeugen sie allerdings kein Geschmackserlebnis, sondern haben eine komplett andere Funktion.

Drei Geschmäcker fördern Sättigungshormon
Aus früheren Studien ergab sich nämlich, dass drei Aromen in der Lage sind, die Produktion eines Sättigungshormons anzuregen. Die Forschungen an menschlichen Zellen zeigten, dass die Geschmäcker süß, bitter und umami Einfluss auf das Hormon haben, das das Hungergefühl unterdrückt. Bei gesunden Testpersonen konnte nun zum ersten Mal bewiesen werden, dass eine Kombination der drei Aromen tatsächlich dazu führt, dass wir weniger essen.

Geringere Kalorienaufnahme
Über eine Sonde im Dünndarm erhielten die Testpersonen die Aromen verabreicht, die normalerweise auf der Zunge als süß, bitter und umami wahrgenommen werden. Anschließend erhielten die Probanden eine warme Mahlzeit und die Forscher verglichen in verschiedenen Situationen die aufgenommene Essensmenge. Eine Kombination der drei Geschmäcker sorgte schließlich dafür, dass die Testpersonen 64 Kalorien weniger konsumierten im Vergleich zu einer Kontrollgruppe. Die Aromen selbst enthalten übrigens kaum Kalorien.

Aromakapseln als Diätbremse
»Essen ist ein komplexer Prozess«, sagt Studienleiter Mark van Avesaat von der Universität Maastricht. »Nahrungsmittel bestehen nämlich aus viel mehr als nur Aromen. Dass die Geschmacksrichtungen bitter, süß und umami einen Einfluss auf das Hungergefühl ausüben können, steht nun tatsächlich fest. Zukünftig können vielleicht Kapseln entwickelt werden auf der Basis dieser drei Aromen. Auf diese Weise könnte die Nahrungsaufnahme beeinflusst werden, um das Abnehmen zu unterstützen. Bis wir das in die Tat umsetzen können, ist allerdings noch einiges an Forschung notwendig.«

Wozu wir Geschmackssinneszellen im Körper brauchen
Sinneszellen, um unterschiedliche Geschmacksrichtungen wahrzunehmen, befinden sich nicht nur im Mund, wie man seit einigen Jahren weiß. Überall im Körper verteilt, vom Gehirn über die oberen Atemwege bis hin zum Verdauungstrakt, sind solche Geschmacksrezeptoren verteilt. Sie scheinen das Immunsystem und den Stoffwechsel zu beeinflussen. Am meisten weiß man momentan über die Geschmacksrezeptoren im Verdauungstrakt. Sie erkennen beispielsweise zuckerhaltige Kohlenhydrate und sorgen dann für die Ausschüttung der notwendigen Hormone, die das Hungergefühl anregen oder unterdrücken oder den Blutzucker regeln. Als man die Süßrezeptoren im Darm entdeckte, hoffte man darauf, durch kalorienfreie Süßungsmittel das Hungergefühl beeinflussen zu können und so Übergewicht und Diabetes vorzubeugen. Doch die Sinneszellen lassen sich nicht so leicht überlisten und reagieren kaum auf diese künstlichen Süßungsmittel.

Der Darm erkennt auch Bitterstoffe
Inzwischen wurden im Darm auch Sensoren für Bitterstoffe gefunden und Wissenschaftler hoffen nun auf diesem Weg, Sättigungssignale anzuregen oder den Blutzucker zu normalisieren. Doch die Bitterrezeptoren haben wahrscheinlich noch eine andere Funktion. Bei Mäusen sorgen sie zum Beispiel dafür, dass die schleimbildenden Zellen im Darm mehr Sekret bilden. Das sorgt für eine verstärkte Barriere gegen Schadstoffe und krankmachende Substanzen. Bitterstoffe könnten auch für Asthmatiker zukünftig eine Rolle spielen. In der Lunge befinden sich ebenfalls Rezeptoren für Bitterstoffe. Sie wirken muskelentspannend und entzündungshemmend und Forscher hoffen, diese Erkenntnisse für neue Asthma-Medikamente nutzen zu können. Denn bis heute ist nur bei der Hälfte der Asthmatiker die Krankheit mit den vorhandenen Therapien gut unter Kontrolle zu bringen. Aromastoffe könnten also auch hier die Behandlung unterstützen.

Bitterstoffe: Bekannte Schlankmacher
In der Naturheilkunde sind Bitterstoffe unter anderem bekannt als Heilmittel bei Verdauungsstörungen, zur Senkung des Cholesterins und zur Stärkung des Immunsystems. Doch sie lassen auch die Pfunde purzeln und können Übergewicht vorbeugen. Bitterstoffe machen uns schneller satt und sorgen dafür, dass Fett verbrannt wird und nicht gespeichert. Bitterstoffe regen die Bewegungen im Verdauungstrakt an, beschleunigen die Magenentleerung und wirken leicht abführend. Gleichzeitig werden unangenehme Blähungen verhindert. Heilpflanzen mit wertvollen Bitterstoffen sind beispielsweise Salbei, Wermut und Ingwer, aber auch Artischocken, Chicorée und Rucola. Und mit Kräutern wie Rosmarin, Thymian, Lorbeer, Estragon, Liebstöckel, Kerbel oder Beifuß können Sie nicht nur aromatisch würzen, sondern auch Verdauung und Figur etwas Gutes tun.

Quelle: van Avesaat M, Troost F J, Ripken D, Peters J, Hendriks H F, Masclee A A: Intraduodenal infusion of a combination of tastants decreases food intake in humans. Am J Clin Nutr. 2015 Oct; 102(4): 729-35. DOI: 10.3945/ajcn.115.113266.

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