Mittwoch, 22. Juli 2015


Chronische Darmentzündungen betreffen mehr Menschen
als bisher angenommen wurde
(OpenClips - pixabay.com)

Chronisch entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn kommen häufiger vor als bisher angenommen wurde.


Untersuchungen zeigen, dass beinahe neun von tausend Menschen an einer chronischen Darmentzündung leiden. Das übertrifft die aktuellen Schätzungen bei weitem, wie umfangreiche Untersuchungen der Universität Maastricht ergaben.
Die Universitätsklinik Maastricht analysierte zusammen mit zwei weiteren medizinischen Zentren die jahrelang gesammelten Daten tausender Patienten mit Morbus Crohn und Colitis ulcerosa. Die Langzeitstudie gibt zum ersten Mal ein verlässliches Bild beider Erkrankungen und wurde kürzlich im Fachjournal »International Journal of Epidemiology« veröffentlicht.

Morbus Crohn und Colitis ulcerosa sind die häufigsten Darmentzündungen
Die Darmentzündungen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa sind die beiden meist vorkommenden Formen von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen und werden meistens abgekürzt als CED bezeichnet. Die Erkrankungen treten oft bereits in jungem Alter zwischen 15 und 30 Jahren auf und haben in vielen Fällen großen Einfluss auf die Lebensqualität der Betroffenen. Die Patienten sind erschöpft, müde und haben oft Bauchschmerzen, Gewichtsverlust und chronischen Durchfall. Die dauerhaften Beschwerden können das alltägliche Leben enorm beeinträchtigen und es ist nicht ungewöhnlich, dass Patienten beispielsweise frühzeitig erwerbsunfähig werden. Der Krankheitsverlauf bei chronischen Darmentzündungen ist schwierig vorherzusagen und die möglichen Behandlungen sind lange nicht bei jedem Patienten gleich wirksam.

Darmentzündungen viel häufiger als angenommen
Um bessere Einsicht in den Verlauf dieser Krankheiten zu bekommen, hat die Universität Maastricht zusammen mit zwei anderen Kliniken eine Kohortenstudie angeregt. Daran nehmen inzwischen 1.675 Patienten mit Colitis ulcerosa und 1.162 Patienten mit Morbus Crohn teil, beinahe alle CED-Patienten in der Region Süd-Limburg seit 1991. Aus dieser großen Datenmenge geht unter anderem hervor, dass chronische Darmentzündungen viel häufiger vorkommen als zunächst immer angenommen wurde. Aktuelle Schätzungen gehen von ungefähr zwei Patienten pro tausend Menschen aus, aber diese Anzahl scheint laut den neuen Forschungen mehr als viermal so hoch zu sein. Pro Jahr kommen ungefähr 70 neue Erkrankte pro 100.000 Einwohner dazu, auch diese Zahl ist wesentlich höher als immer vermutet wurde.

Zukünftig individuellere Therapien
Letztendlich wollen die Forscher auf eine verlässlichere Diagnose und bessere Therapien hinarbeiten. »Jeder Patient braucht nämlich eine andere medizinische Versorgung«, sagt Projektleiterin und Gastroenterologin Marieke Pierik. »Eine definitive Diagnose zu stellen, benötigt viel Zeit und es kann oft Monate dauern, bevor klar ist, ob ein Medikament oder eine Operation überhaupt wirkt. Wir werden nun unter anderem untersuchen, ob wir unterschiedliche Patientengruppen definieren können. So können wir wesentlich besser einschätzen, ob ein Patient auf eine bestimmte Therapie reagiert oder nicht.« Auf diese Weise arbeiten die Wissenschaftler an einem individualisierten Ansatz für jeden Patienten, was auf lange Sicht eine bessere Gesundheit für den einzelnen Patienten bringt und gleichzeitig Kosten einspart.

Quelle: Tim RA van den Heuvel, Daisy M Jonkers, Steven FG Jeuring, Marielle JL Romberg-Camps, Liekele E Oostenbrug, Maurice P Zeegers, Ad A Masclee, and Marie J Pierik: Cohort Profile: The Inflammatory Bowel Disease South Limburg Cohort (IBDSL). Int. J. Epidemiol. first published online June 4, 2015 doi: 10.1093/ije/dyv088

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