Sonntag, 1. Mai 2016


Vanillejoghurt macht glücklich
(Foto: kaboompics - pixabay.com)
Nahrungsmittel, die mal mehr, mal weniger köstlich sind als wir erwarten, können unsere Stimmung verändern.


Geschmack ist äußerst individuell. Was der eine liebt und täglich essen kann, löst bei dem anderen nur ein angeekeltes Naserümpfen aus. Und wir alle wissen, wie das ist, wenn man einen Bissen nimmt, einen bestimmten Geschmack erwartet und die Zunge dann etwas vollkommen anderes wahrnimmt. Das kann eine genussvolle oder ekelerregende Erfahrung sein. Neue Forschungen enthüllen nun, dass Vanille-Joghurt uns tatsächlich glücklich machen kann. Menschen empfinden nach dem Essen dieses Milchproduktes mehr positive Gefühle.

Gefühle werden projiziert
Welchen Einfluss hat das Essen von Joghurt auf unsere Gefühle? Diese Frage stand zentral für die Wissenschaftler der Universität Wageningen in den Niederlanden sowie Kollegen aus Österreich und Finnland. Für diese Frage untersuchten sie drei Gruppen mit jeweils 24 Menschen, die auf Fotos mit unterschiedlichen Gesichtsausdrücken reagieren sollten. Die Teilnehmer wurden gefragt, wie die abgebildeten Personen auf sie wirkten. Die Beurteilung erfolgte anhand von sechs positiven und sechs negativen Persönlichkeitsmerkmalen, beispielsweise nett, vertrauenswürdig oder angespannt. Die Idee hinter dieser Methode ist, dass Menschen ihre eigenen Gefühle auf andere projizieren, so dass ihre Beurteilung in Wahrheit auch ihren eigenen Gemütszustand widerspiegelt.

Vanille reduziert Agressionen
Der Test wurde jeweils nach dem Essen verschiedener Sorten Joghurt wiederholt. Nach dem Essen von Vanille-Joghurt gaben die Teilnehmer die positivsten Antworten und beurteilten die Wissenschaftler ihre Antworten auch am meisten positiv. Das bestätigt frühere Forschungsergebnisse, die feststellten, dass ein unaufdringlicher Vanilleduft an Orten wie Warteräumen in Kliniken Aggressionen reduziert und zwischenmenschliche Beziehungen fördert. Positiv wirkte sich ebenfalls das Essen von Joghurt mit einem geringeren Fettgehalt aus: Die Teilnehmer fühlten sich danach stärker und hatten positive Gefühle, aber die Wirkung war erheblich schwächer als beim Vanille-Joghurt. Verschiedene Fruchtjoghurts wie Erdbeere oder Ananas beeinflussten die emotionalen Reaktionen der Teilnehmer nicht.

Einsicht in die Kaufentscheidung
Durch die Anpassung der oben genannte Methode ist es möglich, um bestimmte Informationen vor der Markteinführung eines Produktes zu sammeln, die mit einem klassischen Geschmackstest nicht ans Licht kommen würden. Zusätzlich bringt es Einsicht darüber, wie Menschen unbewusst auf ein Produkt reagieren. Diese Art von Information kann für Hersteller sehr wertvoll sein, denn vieles was wir beim Einkaufen auswählen, geschieht unbewusst. Bisher wurden Produkte mit Hilfe von expliziten Methoden getestet: Man fragte die Teilnehmer direkt nach ihren Gefühlen. Im Gegensatz dazu ist die neue Methode indirekt und deshalb nicht durch bewusste Gedanken kontrollierbar.

Entschlüsselung komplexer Faktoren
»Wir suchten nach einer stichhaltigen, schnellen, nicht zu teuren und zeitaufwendigen Methode, um die durch Nahrung hervorgerufenen Gefühls- und Stimmungsänderungen zu messen«, sagt Studienleiterin Dr. Jozina Mojet von der Universität Wageningen. »Ich glaube sehr, dass Sinnes- und Verbraucherforschung in ökologisch adäquater Weise betrieben werden sollte. Diese Art von indirekter Methode kann die komplexen Interaktionen zwischen den unterschiedlichen Faktoren, bei denen individuelle Erinnerungen und Erwartungen eine Rolle spielen, entschlüsseln und die Meinung der Testperson wiedergeben.«

Quelle: Jozina Mojet, Klaus Dürrschmid, Lukas Danner, Max Jöchl, Raija-Liisa Heiniö, Nancy Holthuysen and Egon Köster. Are implicit emotion measurements evoked by food unrelated to liking?, doi: 10.1016/j.foodres.2015.06.031

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