Dienstag, 24. Oktober 2017


Saft aus rohen Kartoffeln ist als Heilmittel in Vergessenheit geraten. Doch mit Kartoffelsaft lassen sich einige Beschwerden auf natürliche Art lindern.

Kartoffeln gelten als der Sattmacher schlechthin. Die braune Erdknolle wird in Deutschland gerne und viel gegessen, doch europaweit sind wir mit einem jährlichen Verbrauch von etwa 57 Kilo pro Kopf ziemlich weit abgeschlagen. Denn in Griechenland, Polen oder Lettland isst jeder Bürger bis zu 100 Kilogramm Erdbirnen im Jahr. Kartoffeln stammen eigentlich aus Südamerika, wo zahllose Sorten angebaut werden. Inzwischen findet man jedoch auch in heimischen Supermarktregalen Sorten mit farbigem Fruchtfleisch in rot, lila, orange, gelb oder weiß. Als Salzkartoffel, Bratkartoffel, Pommes frites, Kartoffelpüree, Kroketten, Rösti oder Reibekuchen ist die auch Erdartischocke genannte Kartoffel in der heimischen Küche sehr beliebt. Doch als Heilmittel sind die Kartoffel und der aus rohen Kartoffeln gewonnene Saft in Vergessenheit geraten.
Kartoffelsaft: Viele antioxidative Substanzen
Kartoffelsaft trinken: Das klinkt sicher für den einen oder anderen seltsam. Und doch reicht das Interesse am Saft der Erdknolle bis ins 19. Jahrhundert zurück. Der Saft enthält eine Vielzahl gesunder Nährstoffe und kann durchaus zum Erhalt der Gesundheit beitragen. Wissenschaftliche Artikel berichten über einige bemerkenswerte Sachverhalte. Kartoffel sind bekannt für ihren hohen Vitamin-C-Gehalt und auch als gute Quelle für Vitamin B 6 und andere B-Vitamine sowie Kalium. Zudem enthalten Kartoffeln auch wichtige Mineralien wie Mangan, Kupfer und Magnesium. Der Eiweiß-Gehalt ist dagegen niedrig, hat aber eine besonders hohe biologische Wertigkeit. Das bedeutet, der Körper kann das Eiweiß aus Kartoffeln besonders gut verwerten und in körpereigene Eiweißstrukturen umwandeln. Bei einer hohen biologischen Wertigkeit reichen kleine Mengen des entsprechenden Nahrungsmittelproteins aus, um den Eiweißbedarf zu decken. Kartoffeln sind zudem fettarm, aber reich an antioxidativen Substanzen.
Kartoffelsaft bei funktioneller Dyspepsie
Viele Menschen leiden an funktioneller Dyspepsie: Probleme im oberen Verdauungstrakt, die sich unter anderem als Blähungen, Völlegefühl, Aufstoßen und Sodbrennen bemerkbar machen und für die sich kein medizinischer Grund feststellen lässt. Etwa 30 Prozent der Bevölkerung hat mit diesen Problemen zu kämpfen. In Europa ist die Kartoffel ein traditionelles Heilmittel bei Magenbeschwerden. In einer Studie tranken Patienten mit Dyspepsie eine Woche lang frischen Kartoffelsaft und bei den meisten Betroffenen verbesserten sich die Verdauungsbeschwerden deutlich. Dafür reichten schon 100 Milliliter Saft täglich oder bei anhaltenden Beschwerden 200 Milliliter. Auch als probiotischer Drink für Veganer oder Menschen, die keine Milchprodukte vertragen, eignet sich Kartoffelsaft. Laut einer Studie wird das Wachstum von Milchsäurebakterien im Darm gefördert und trägt zu einer guten Darmgesundheit und zur Stärkung des Immunsystems bei.
Kartoffelsaft bei neuropathischen Schmerzen
Kartoffelsaft als heilsames Mittel bei Magenbeschwerden ist noch relativ bekannt. Er lindert Sodbrennen, in dem er überschüssige Magensäure bindet. Das hat schon vor 100 Jahren der Arzt und Erfinder des Bircher Müslis Maximilian Bircher-Brenner empfohlen. Doch der Saft besitzt tatsächlich Eigenschaften, die bemerkenswerter und auch weniger bekannt sind. Kartoffelsaft kann nämlich als krampflösendes Mittel wirken, beugt epileptischen Anfällen vor, aber kann auch neuropathische Schmerzen bekämpfen. Solche Nervenschmerzen treten häufig im Verlauf von Diabetes-Erkrankungen auf. Eine Studie an Mäusen zeigte, dass die Wirkung zustande kommt, in dem der Saft sich an die GABA-Rezeptoren bindet. Diese Rezeptoren regulieren die Erregung und Dämpfung der entsprechenden Nervenzellen und somit auch das Empfinden von Unruhe und Schmerzen. In Kartoffeln findet man auch Benzodiazepine, die von Natur aus in Säugetieren gebildet werden. Benzodiazepine gehören zu den Schlaf- und Beruhigungsmitteln und binden sich ebenfalls an die GABA-Rezeptoren. Sowohl unverdünnter als auch verdünnter Kartoffelsaft zeigten bei den Mäusen einen deutlich krampfhemmenden Effekt. Die Studie deutet an, dass sowohl der Saft als auch die Kartoffel selbst die Aktivitäten der GABA-Rezeptoren beeinflussen.
Breitere Anwendung in der Volksmedizin
Die oben beschriebenen Wirkungsweisen von Kartoffelsaft sind bewiesen. In der Volksmedizin wird Kartoffelsaft auch bei Gelenkentzündungen, für ein gesundes Herz, gegen hohen Blutdruck, bei Akne, zur Gewichtsabnahme und bei hohem Cholesterinspiegel angewendet. Leider gibt es kaum wissenschaftliche Studien, die die Wirksamkeit auf diesen Gebieten belegen. Sollten Sie Kartoffelsaft probieren wollen, achten Sie auf biologische Qualität und entfernen Sie sorgfältig grüne Stellen. Das darin gebildete Solanin ist in großen Mengen giftig. Kartoffelsaft sollte unmittelbar nach der Herstellung getrunken werden, sonst oxidiert er, wird bitter und verliert teilweise die gesunden Inhaltsstoffe.

0 Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Gesundheit & Wissenschaft

Gesundheit & Wissenschaft
Bitte beachten Sie, dass Artikel auf dieser Seite generell fachlichen Rat - zum Beispiel durch einen Arzt - nicht ersetzen können.

Categories

Angelika Lensen. Powered by Blogger.

Autor(en)

Alle Beiträge auf Gesundheit & Wissenschaft wurden von Angelika Lensen erstellt.

About Me

Mein Foto
Ich schreibe als freie Journalistin für Online- und Printmedien
über Gesundheit, Medizin und Wissenschaft.


Werbepolitik

Diese Internetseite ist frei von Werbung und wird ausschließlich privat finanziert.

Letzte Aktualisierung

Beliebte Artikel

Folgen Sie dem Blog per E-Mail

Google+ Badge