Montag, 15. September 2014

Magensäureblocker begünstigen Magen-Darm-Infekte
(Foto: By Slick (Own work) [CC0], via Wikimedia Commons)
Patienten, die bestimmte Magensäureblocker verwenden, bekommen häufiger eine Lebensmittelinfektion und sollten deshalb auf einige Dinge achten.

Magensäurehemmer gehören zu den meist verordneten Medikamenten. Die sogenannten H2-Blocker reduzieren die Produktion von Magensäure um bis zu 50 Prozent, die sogenannten Protonenpumpenhemmer (z.B. Omeprazol, Pantoprazol, Lansoprazol, Rabeprazol, Nexium) blockieren weitgehend die Magensäureproduktion nach dem Essen. Beide Medikamentengruppen kommen bei Sodbrennen, bei der Refluxerkrankung und bei Entzündungen und Geschwüren des Magens und des Zwölffingerdarms zum Einsatz. Denn ein dauernder Rückfluss von Magensäure in die Speiseröhre kann das Gewebe so weit schädigen, dass es zur Krebsentstehung führt.

Mehr Magen-Darm-Infekte durch Campylobacter in Europa
In den Niederlanden und anderen europäischen Ländern wird seit einigen Jahren eine Zunahme der Magen-Darm-Infektionen beobachtet, die durch Campylobacter-Bakterien verursacht werden. Die Anwendung von Protonenpumpenhemmer scheint hierbei eine Rolle zu spielen. Vor allem bei älteren Menschen scheint ein Großteil der Campylobacter-Infektionen im Zusammenhang mit Protonenpumpenhemmern zu stehen. Das berichtet das niederländische Gesundheitsministerium im wissenschaftlichen Magazin »Eurosurveillance«.

Verbindung zwischen Magen-Darm-Infektionen und Magensäurehemmern
Im Jahr 2011 gab es nach Schätzungen 102.000 Campylobacter-Infektionen in den Niederlanden. Für 1.100 Patienten war die Infektion so stark, dass eine Krankenhaus-Aufnahme notwendig war. Wissenschaftler des niederländischen Gesundheitsministeriums untersuchten einen möglichen Zusammenhang mit Protonenpumpenhemmern, die in den vergangenen Jahren immer häufiger verordnet wurden. Tatsächlich schien es eine Verbindung zwischen der Einnahme von Protonenpumpenhemmern und der Anzahl der Infektionen zu geben. Die Wissenschaftler schätzen, dass 2011 40 Prozent der Infekte bei Senioren im Zusammenhang mit dem Magenmedikament standen.

Bei Jüngeren war das nur 12 Prozent. Hauptgrund dafür ist natürlich, dass mehr Ältere ab 50 Jahren solche Magensäurehemmer benutzen. Doch wird einmal mit der Einnahme von Protonenpumpenhemmern begonnen, scheint für Jüngere das Risiko für eine Campylobacter-Infektion größer zu sein als für Senioren. Das geringere Risiko für Senioren wird damit erklärt, dass die Magensäurefunktion wegen anderer Gesundheitsprobleme ohnehin bereits reduziert ist. Aufgrund dieser Untersuchungsergebnisse sollen bei 300 von 1.100 stationärer Krankenhausaufnahmen Protonenpumpenhemmer eine Rolle spielen.

Wie infiziert man sich?
Bakterien, die auf Nahrungsmitteln haften, werden normalerweise im Magen durch die Magensäure abgetötet. Durch die Einnahme von Protonenpumpenhemmer wird das saure Milieu im Magen reduziert. So haben Bakterien auf Lebensmitteln eine höhere Chance im Magen zu überleben und im Darm eine Infektion zu verursachen. Möglicherweise hat die Anwendung von Protonenpumpenhemmer auch einen Einfluss auf Magen-Darm-Infektionen, die durch andere Krankheitserreger wie Salmonellen oder E. coli hervorgerufen werden. Eine dänische Studie bestätigte im Dezember 2016, dass Magensäurehemmer das Risiko für eine Infektion mit Listerien deutlich erhöhen.

Gute Aufklärung wichtig
Campylobacter-Bakterien sind die wichtigsten Verursacher von Lebensmittelinfektionen. Hauptsymptom ist Durchfall, der einhergehen kann mit heftigen Bauchkrämpfen und Fieber. In Einzelfällen können ernste Komplikationen entstehen wie das Guillain-Barré-Syndrom, bei dem es zu Gefühlsstörungen und Lähmungen kommt, aber auch rheumatische Beschwerden sind beobachtet worden. Weil Protonenpumpenhemmer neben dem erhöhten Risiko für Magen-Darm-Infektionen auch positive Effekte auf die Gesundheit haben, empfiehlt das niederländische Gesundheitsministerium eine sorgfältige Abwägung bei der Anwendung von Protonenpumpenhemmern kombiniert mit einer guten Aufklärung für die Patienten.

Sollten Sie Protonenpumpenhemmer einnehmen, achten Sie auf besondere Hygiene beim Umgang mit Nahrungsmitteln und vermeiden Sie vorsorglich den Verzehr von rohem Fleisch oder Fisch und Rohmilchprodukten.

Quelle: Bouwknegt M, van Pelt W, Kubbinga ME, Weda M, Havelaar AH. Potential association between the recent increase in campylobacteriosis incidence in the Netherlands and proton-pump inhibitor use – an ecological study. EuroSurveill. 2014;19(32):pii=20873
 

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