Freitag, 3. Oktober 2014


Essen kann zur Sucht werden - Nahrungsmittel nicht
(Foto: nahandro / pixabay.com)

Man kann zwar eine Sucht fürs Essen entwickeln, aber nicht für bestimmte Nahrungsmittel wie Süßes oder Fettiges und Essen macht nicht körperlich abhängig.


Menschen können zwar süchtig werden nach Essen an sich, aber die Sucht richtet sich nicht auf bestimmte Nahrungsmittel, meinen Forscher. Ein internationales Forschungsteam hat keine starken Beweise gefunden, dass Menschen von chemischen Substanzen in bestimmten Lebensmitteln abhängig werden. Das Gehirn reagiert auf Nährstoffe nicht in der gleichen Weise wie auf abhängig machende Drogen wie Heroin oder Kokain. Dafür können Menschen einen psychologischen Zwang zu essen entwickeln, angetrieben durch die positiven Gefühle, die das Gehirn mit Essen verbindet. Das ist eine Verhaltensstörung und könnte in die gleichen Kategorien fallen wie Spielsucht oder Kaufsucht, sagen Wissenschaftler der Universität Edinburgh.

Welche Beziehung hat ein Mensch zum Essen?

Laut den Wissenschaftlern ist es wichtig bei der Bekämpfung der weltweit zunehmenden Adipositas, den Fokus nicht länger nur auf die Nahrungsmittel alleine zu richten, sondern um vor allem zu untersuchen, welche Beziehung Menschen zum Essen haben. Innerhalb der heutigen Klassifizierungen psychischer Störungen gibt es keine formale Diagnose für eine Esssucht. Mehr Forschungen sind notwendig, um eine Diagnose dahingehend zu definieren.

Psychische und nicht physische Abhängigkeit

»Menschen suchen rationale Erklärungen für ihr Übergewicht und es ist leicht, dem Essen die Schuld zu geben«, erklärt John Menzies von der Universität Edinburgh. »Manche Menschen haben eine Beziehung zu bestimmten Nahrungsmitteln, die stark einer Sucht ähnelt und sie essen zu viel trotz der Risiken für ihre Gesundheit. Wenn wir dieses Problem als eine psychologische Sucht anstatt einer körperlichen Sucht ansehen, tun sich vielleicht neue Behandlungsmöglichkeiten auf.«

Keine Beweise für süchtig machende Nahrungsstoffe

Suzanne Dickson von der Universität Göteborg fügt hinzu: »Es läuft gerade eine große Debatte darüber, ob Zucker süchtig macht oder nicht. Im Moment gibt es wenig wissenschaftliche Beweise für die Idee, dass ein Inhaltsstoff, Nahrungsmittel oder Zusatzstoff süchtig machende Eigenschaften hat.«
An den Forschungen waren Wissenschaftler der Universitäten Edinburgh, Aberdeen, Göteborg, Essen, Utrecht und Santiago de Compostella beteiligt und die Ergebnisse wurden im Journal »Neuroscience & Biobehavioral Reviews« veröffentlicht.

Quelle: Johannes Hebebrand, Özgür Albayrak, Roger Adan, Jochen Antel, Carlos Dieguez, Johannes de Jong, Gareth Leng, John Menzies, Julian G. Mercer, Michelle Murphy, Geoffrey van der Plasse, Suzanne L. Dickson. “Eating addiction”, rather than “food addiction”, better captures addictive-like eating behavior. Neuroscience & Biobehavioral Reviews, 2014; DOI: 10.1016/j.neubiorev.2014.08.016

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