Montag, 6. April 2015


Bei Rücken- oder Arthroseschmerzen wirkt
Paracetamol nicht ausreichend
(Foto: stevepb - pixabay.com)
Paracetamol ist eines der meist verwendeten Schmerzmittel. Doch bei Schmerzen im unteren Rücken und bei Arthroseschmerzen in Hüfte oder Knie wirkt Paracetamol nur ungenügend.


Paracetamol hilft nur ungenügend bei Schmerzen in der Lendenwirbelsäule und bei Schmerzen, die durch Arthrose in Hüfte oder Knie verursacht werden, warnen nun australische Wissenschaftler. Bis jetzt ist Paracetamol bei diesen beiden Erkrankungen aber weltweit noch das erste Mittel der Wahl.
Forscher der Universität von Sidney analysierten 13 frühere klinische Studien, bei denen mehr als 5.000 Patienten einbezogen waren. Es wurde insbesondere Schmerzlinderung, Verbesserung der Beweglichkeit, Lebensqualität, Sicherheit des Medikaments und Therapietreue der Patienten bewertet. Paracetamol wurde dabei verglichen mit der Anwendung eines Placebos.

Schmerzen in der Lendenwirbelsäule
Bei Schmerzen im Bereich der Lendenwirbel zeigte sich Paracetamol als nicht effektiv. Das Medikament sorgte weder für eine Linderung der Symptome, noch für eine schnellere Genesung verglichen mit dem Scheinmedikament. Diese Schlussfolgerung schließt an die Ergebnisse aus früheren Studien an.

Schmerzen bei Arthrose
Aus der Analyse ging hervor, dass bei Arthrose des Hüft- oder Kniegelenks doch kleine Vorteile sichtbar waren im Vergleich mit dem Placebo: Es gab ein wenig Schmerzlinderung und etwas mehr Beweglichkeit. Allerdings stellte sich heraus, dass die Anwendung von Paracetamol bei Arthrose das Risiko für Leberprobleme erhöht.
Die Wissenschaftler konnten weiter keine großen Unterschiede feststellen hinsichtlich Nebenwirkungen oder Therapietreue zwischen der Placebo-Gruppe und Paracetamol-Gruppe.

Paracetamol: Leberprobleme bei Arthrose
Sowohl die Effekte von Paracetamol auf die Leberfunktion von Arthrose-Patienten als auch die Folgen des Schmerzmittels bei einer Langzeitanwendung müssen laut den Wissenschaftlern weiter erforscht werden. Wissenschaftler Gustavo Machado: »Paracetamol wird weltweit am meisten verschrieben bei Beschwerden des Bewegungsapparates. Die Ergebnisse dieser Forschung sind allerdings Grund genug, um dieses Arzneimittel als Mittel der ersten Wahl kritisch zu bewerten. Dabei muss man allerdings im Hinterkopf behalten, dass die Verordnung anderer Schmerzmittel oder Opiate wieder andere Gesundheitsrisiken mit sich bringt.«

Bewegung als alternative Therapie
Andere Ärzte, wie Christian Mallen von der Keele-Universität plädieren darum für alternative Behandlungsprogramme, bei denen Sport und Bewegung eine wichtige Rolle spielt. »Bewegung hat eindeutig positive Effekte auf sowohl Arthrose als auch Schmerzen im unteren Rücken. Leider stehen nur wenige Patienten dem positiv gegenüber und nur wenige Menschen halten eine solche Therapie durch.«

Paracetamol wirksam bei vielen anderen Schmerzen
Auch wenn nun Zweifel am Nutzen von Paracetamol bei diesen speziellen Schmerzzuständen aufkommen, bleibt der Wirkstoff einer der effektivsten und sichersten bei einer Vielzahl verschiedener Schmerzen. Bei leichten bis mäßigen Kopf-, Zahn-, Muskel- oder Menstruationsschmerzen bringt das Arzneimittel schnelle und deutliche Linderung. Paracetamol senkt das Fieber und bringt bei Erkältungskrankheiten schnell Erleichterung der typischen Beschwerden.

Quelle: Machado Gustavo C, Maher Chris G, Ferreira Paulo H, Pinheiro Marina B, Lin Chung-Wei Christine, Day Richard O et al. Efficacy and safety of paracetamol for spinal pain and osteoarthritis: systematic review and meta-analysis of randomised placebo controlled trials BMJ 2015; 350 :h1225, DOI: 10.1136/bmj.h1225

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