Donnerstag, 23. April 2015

Gelenkschmerzen bei Senioren verdienen mehr Aufmerksamkeit


Gelenkschmerzen bei Senioren brauchen mehr
Aufmerksamkeit
(Foto: AWFG_Berlin - pixabay.com)
Gelenkschmerzen bei älteren Menschen werden als selbstverständlich und zum Alter gehörend angesehen. Dabei bleibt die rechtzeitige Behandlung auf der Strecke.


Gelenkschmerzen bei Senioren werden sowohl vom Hausarzt als auch vom Patienten selbst oft unterschätzt. Ältere Menschen neigen zu der Annahme, dass Gelenkschmerzen nun einmal zum Älterwerden dazugehören. Wenn Patienten dann doch den Arzt konsultieren, werden Schmerzsymptome und funktionelle Einschränkungen nicht immer ausreichend erkannt und behandelt, besonders wenn auch noch weitere chronische Erkrankungen vorliegen. Es ist anzunehmen, dass diese Kombination von Beschwerden, den Alltag stark beeinflussen kann. Darum untersuchte Lotte Hermsen vom medizinischen Zentrum der Freien Universität Amsterdam im Rahmen ihrer Doktorarbeit das körperliche und soziale Funktionieren von Senioren mit Gelenkschmerzen und anderen chronischen Erkrankungen.

Die Hälfte aller Senioren über 65 hat Gelenkschmerzen
Ungefähr die Hälfte aller Senioren über 65 leidet täglich unter Gelenkschmerzen. Oft in Kombination mit anderen chronischen Erkrankungen wie Diabetes oder Herzrhythmusstörungen. Die Behandlung dieser chronischen Krankheiten hat häufig Priorität, wodurch die Gelenkschmerzen erst an die zweite Stelle rücken. Und dass, obwohl die Schmerzen großen Einfluss auf die Mobilität, Selbstständigkeit und das soziale Leben von Senioren haben.

Senioren fühlen sich hilflos und wenig unterstützt
18 Monate lang wurde das körperliche und soziale Funktionieren dieser Gruppe von Senioren untersucht. Mehr als 400 Patienten in 22 Hausarzt-Praxen wurden befragt und körperlich untersucht. Daraus wurde deutlich, dass die Teilnehmer sich sowohl auf körperlicher wie auch sozialer Ebene sehr eingeschränkt fühlten. Dennoch blieb das körperliche Funktionieren bei 70 Prozent der Teilnehmer stabil während dieser Zeit. Hermsen stellte fest, dass vor allem Senioren mit depressiven Beschwerden und weniger Selbstkontrolle der Schmerzen schneller abbauen oder chronisch schlecht funktionieren. Sie haben das Gefühl, dass sie ihre Schmerzen nicht gut beeinflussen können und weniger soziale Unterstützung aus ihrem Umfeld bekommen.

Nicht mit den Schmerzen abfinden
»Mit diesem neuen Wissen wollen wir Ärzten und Pflegekräften mehr Einsicht bieten in die Auswirkungen und die Bedeutung von Gelenkschmerzen. Wir haben nun ein besseres Bild vom körperlichen und sozialen Funktionieren dieser Senioren auf lange Sicht.« Hermsen entdeckte eine Anzahl von Faktoren, die eine schnelle Verschlechterung beim Funktionieren von Senioren vorhersagen können. Die Pflege kann dann darauf rechtzeitig angepasst werden. Doch auch die Senioren selbst müssen besser informiert werden. »Sie müssen lernen, dass man sich nicht mit Gelenkschmerzen abfinden muss.« Wenn Sie über längere Zeit unter Gelenkschmerzen leiden, sollten Sie deshalb unbedingt mit Ihrem Hausarzt sprechen. Denn Schmerzen sind auch immer Warnzeichen. Ignoriert man diese Warnzeichen, kann es zu Gelenkschäden kommen. Eine rechtzeitige Behandlung kann einer dauerhaften Schädigung der Gelenke vorbeugen.
Quelle: Hermsen, L. A. H.: Older adults with joint pain and comorbidity: Frequency, prognosis and determinants of physical and social dysfunctioning. VUmc Amsterdam 2015, http://hdl.handle.net/1871/52398

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