Freitag, 28. April 2017


Wissenschaftler haben festgestellt, dass zuviel Zucker im Blut ein Eiweiß hemmt, das normalerweise den Beginn der Alzheimer-Krankheit bekämpft.



Weltweit leiden etwa 50 Millionen Menschen an Alzheimer und die Zahl soll bis zum Jahr 2050 auf mehr als 125 Millionen ansteigen. Bei dieser neurodegenerativen Erkrankung formen Eiweißablagerungen im Gehirn sogenannte Plaques, die die Nervenzellen schädigen und die Hirnfunktionen fortschreitend beeinträchtigen. Mediziner wissen, dass Diabetes-Patienten ein höheres Risiko haben, an Alzheimer zu erkranken. Doch die aktuellen Forschungen beweisen erstmals, dass Zucker mit der Gehirnerkrankung in Verbindung steht. In einer beispiellosen Studie fanden Wissenschaftler einen Wendepunkt, an dem der Glukosespiegel im Blut anfängt, ein Eiweiß zu hemmen, dass normalerweise die frühen Stadien von Alzheimer bekämpft. Eine Ernährung mit viel Zucker könnte also zu Alzheimer führen, warnen die Experten der britischen Universität Bath und des King’s Colleges London.

Ein wichtiges Protein wird außer Kraft gesetzt

Wenn der Glukosespiegel einmal die Schwelle überschritten hat, beeinträchtigt das die Leistung eines lebenswichtigen Proteins, das normalerweise Entzündungsprozesse im Gehirn bekämpft, die mit Demenz in Verbindung gebracht werden. Die Studie baut auf frühere Forschungen auf, die zeigten, dass Diabetes das Risiko für die Entwicklung von Alzheimer und vaskulärer Demenz erhöht. Eine vaskuläre Demenz wird von Durchblutungsstörungen im Gehirn verursacht und ist nach Alzheimer die häufigste Form von Demenz. Doch die aktuelle Studie ist der erste wissenschaftliche Beweis, der erklärt, warum überhöhte Blutzuckerspiegel oder Hyperglykämien Einfluss auf die Gehirnleistung haben.

Ein weiterer Grund, den Zuckerkonsum einzuschränken

»Ein Übermaß an Zucker ist bekannterweise schlecht für uns, wenn es um Diabetes und Übergewicht geht, aber dieser potenzielle Link mit der Alzheimer-Erkrankung ist ein weiterer Grund, den Zuckerkonsum in unserer Ernährung zu kontrollieren«, sagt Dr. Omar Kassaar von der Universität Bath.

Bei Alzheimer formen abnormale Eiweißansammlungen Plaques und Knäuel im Gehirn, was das Gehirn fortschreitend schädigt und so zu einem schweren Rückgang der Hirnleistung führt. Frühere Studien kamen bereits zu der gesicherten Erkenntnis, dass Glukose und seine Abbauprodukte Proteine in den Zellen schädigen, nämlich über eine als Verzuckerung oder Glykation bezeichnete Reaktion. Aber die spezifische molekulare Verbindung zwischen Glukose und Alzheimer war unklar.

Jetzt haben Wissenschaftler diese Verbindung aufgeklärt, in dem sie 30 Hirngewebeproben von Patienten mit und ohne Alzheimer auf diese Eiweiß-Verzuckerung untersuchten, eine Veränderung, die durch hohe Blutzuckerspiegel verursacht wird.

Geschädigtes Enzym lasst die Krankheit forschreiten

Die Wissenschaftler entdeckten, dass in den Anfangsstadien von Alzheimer die Glykation ein Enzym namens MIF (macrophage migration inhibitory factor) schädigt, das eine Rolle bei der Immunreaktion und der Insulinregulierung spielt. MIF ist beteiligt an der Reaktion der Gliazellen im Hirn auf die Ansammlungen unnormaler Proteine während einer Alzheimer-Erkrankung. Man glaubt, dass die Hemmung und Reduzierung der MIF-Aktivität durch die Verzuckerung den Wendepunkt beim Fortschreiten der Krankheit darstellt. Es zeigt sich, dass bei einer voranschreitenden Alzheimer-Erkrankung, die Verzuckerung dieses Enzyms zunimmt.

Wissenschaftler suchen nach ähnlichen Veränderungen im Blut

Professor Jean van den Elsen von der Abteilung Biologie und Biochemie der Universität Bath, sagt: »Wir haben gezeigt, dass dieses Enzym im Gehirn von Alzheimer-Patienten schon im Anfangsstadium durch die Glukose verändert ist. Wir untersuchen nun, ob wir ähnliche Veränderungen im Blut finden können. Normalerweise wäre MIF Teil der Immunantwort auf die abnormalen Protein-Ansammlungen im Gehirn. Weil die Zuckerschäden einige MIF-Funktionen reduzieren und manche sogar ganz blockieren, könnte dass der Umkehrpunkt sein, der es ermöglicht, dass die Alzheimer-Krankheit sich entwickelt.« Dr. Rob Williams, ebenfalls von der Abteilung Biologie und Biochemie, fügt hinzu: »Wir wissen, dass dies sehr wichtig ist, um eine Chronologie zu entwickeln, wie Alzheimer fortschreitet. Gleichzeitig hoffen wir, dass es uns hilft, diejenigen zu identifizieren, die ein Risiko für Alzheimer haben und dass wir neue Behandlungen finden oder Wege, der Krankheit vorzubeugen.«

Doppelt so hohes Demenz-Risiko bei Diabetes

Dr. Clare Walton, Forschungsleiterin bei der Alzheimer-Gesellschaft, sagt: »Wir wissen, dass Diabetes, das Risiko eine Demenz zu entwickeln, verdoppeln kann. Aber wir verstehen immer noch nicht richtig, wie die beiden Erkrankungen zusammenhängen; diese Studie liefert uns einen wesentlichen Anhaltspunkt. Die Wissenschaftler haben einen spezifischen Effekt von hohem Blutzucker auf ein Enzym im Gehirn von Alzheimer-Patienten festgestellt, der einen plausiblen biologischen Mechanismus für die Verbindung der beiden Krankheiten zeigt. Weil Diabetes weltweit immer noch zunimmt, kann ein besseres Verständnis dafür, wie das die Gehirnzellen beeinflusst, nützlich sein, um Diabetikern zu helfen, mit ihrem Demenz-Risiko umzugehen. Die Alzheimer-Gesellschaft finanziert momentan eine klinische Studie, um zu sehen, ob ein Diabetesmedikament auch zur Behandlung von Demenz verwendet werden kann.«

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