Dienstag, 30. September 2014


Schlechter Schlaf lässt unser Gehirn schrumpfen
(Foto: Alexandr Mitiuc - fotolia.com)

Schlechter Schlaf lässt im Laufe der Zeit die Hirnsubstanz schrumpfen, sagen Forscher der Universitäten Oxford und Oslo.


Mit zunehmendem Lebensalter fallen einige Dinge, die früher selbstverständlich waren, immer schwerer: Bewegen, Sehen, Hören und auch das Schlafen. Einschlaf- und Durchschlafprobleme gehören bei vielen älteren Menschen zu den alltäglichen Problemen. Und das wirkt sich auch auf die geistige Leistungsfähigkeit aus, wie Wissenschaftler nun erneut herausfanden. Bei fast allen Senioren, die schlecht schliefen, stellten die Forscher einen beschleunigten Abbau in drei Gehirnregionen fest. Es ging hierbei um die Schlafqualität und weniger um Schlafmangel. Probleme beim Einschlafen, nächtliches Aufwachen oder zu frühes Aufwachen am Morgen werden einer schlechten Schlafqualität zugeordnet.

Schlechter Schlaf Ursache oder Folge?

Es ist unklar, ob die Schlafprobleme zu Veränderungen im Gehirn führen oder ob das Schrumpfen der Gehirnsubstanz den schlechten Schlaf verursacht. Es ist auch möglich, dass es eine Kombination aus beidem ist, meinen Forscher.
»Wir schlafen ungefähr ein Drittel unseres Lebens«, so Wissenschaftlerin Dr. Claire Sexton. »Schlaf wird auch als »Hausmeister« des Gehirns angesehen: Während des Schlafes regeneriert und repariert sich das Gehirn. Wird der Schlaf gestört, dann werden auch diese Reparaturmechanismen gestört und sind weniger effektiv. Dadurch kann die Hirnsubstanz abnehmen. Aber schlechter Schlaf durch eine veränderte Hirnmasse ist genauso vorstellbar. Es gibt heute wirksame Behandlungen für Schlafprobleme. Weitere Untersuchungen müssen ergeben, ob eine verbesserte Schlafqualität den Rückgang der Gehirnsubstanz hinauszögert. In diesem Fall könnte ein gesünderer Schlaf auch ein wichtiger Weg sein, die Gesundheit des Gehirns zu verbessern und zu erhalten.«

Unruhige Nächte lassen Gehirnmasse schrumpfen

Für die Studie untersuchte Sexton zusammen mit ihren Kollegen die Gehirne von 147 norwegischen Erwachsenen im Alter zwischen 20 und 84 Jahren. Die Gehirn-Scans erfolgten zum Start der Studie und wurden 3,5 Jahre nach Studienbeginn wiederholt. Gleichzeitig mit dem zweiten Scan beantworteten die Teilnehmer auch Fragen zur Qualität ihrer Nachtruhe.
Bei den Testpersonen, die schlecht schliefen, fanden die Forscher einen beschleunigten Rückgang des Gewebes in einem Teil des frontalen Kortex des Gehirns sowie eine Abnahme von Gewebe in drei Hirnregionen, die für Argumentation, Planung, Gedächtnis und Problemlösung zuständig sind. Die Ergebnisse traten verstärkt bei Personen über 60 Jahre auf. Das kognitive Gedächtnis der Teilnehmer wurde nicht getestet. Die Studie zeigt daher nicht, ob schlechter Schlaf tatsächlich Einfluss auf die Kognition - Wahrnehmen, Denken, Erinnern - hat. Frühere Studien zeigten allerdings eine Verbindung zwischen der Abnahme des Gehirnvolumens und einem schlechteren Gedächtnis. Die Ergebnisse wurden im Journal »Neurology« veröffentlicht.

Quelle: Sexton CE, Storsve AB, Walhovd KB, Johansen-Berg H, Fjell AM: Poor sleep quality is associated with increased cortical atrophy in community-dwelling adults. Neurology. 2014 Sep 9;83(11):967-73. doi: 10.1212/WNL.0000000000000774

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