Montag, 22. August 2016


Wenn Sie Medikamente nehmen, bleiben Sie
besser im Schatten
(Foto: paulbr75 - pixabay.com)
Für die meisten Medikamente stellt Wärme oder eine sommerliche Hitzewelle kein Problem dar. Doch bei einer Reihe von Medikamenten ist Vorsicht geboten.


Sommer, Sonne und hohe Temperaturen lassen sich gut aushalten, wenn man ausreichend trinkt, für genügend Abkühlung sorgt und rechtzeitig ein schattiges Plätzchen aufsucht. Das gilt auch für Menschen, die bestimmte Medikamente einnehmen. Doch bei manchen Arzneimitteln sollte man gewisse Vorsichtsmaßnahmen ergreifen, was den Aufenthalt in der Sonne betrifft.

1. Insulin
Bei warmer Witterung können Menschen mit Diabetes stärker auf das Insulin reagieren, was den Blutzuckerspiegel sinken lässt. Andererseits lassen hohe Temperaturen den Blutzuckerspiegel im Blut ansteigen. Diese Schwankungen und eine eventuelle Anpassung der Insulindosis sollten mit dem behandelnden Arzt besprochen werden.
Insulin muss immer Kühlschrank aufbewahrt werden. Vergessen Sie nicht bei Flugreisen ins Ausland den Arzt, um ein Attest zu bitten. Nehmen Sie das Insulin am besten im Handgepäck mit, denn die Temperatur im Laderaum des Flugzeugs schwankt zu sehr und Gepäckstücke - mitsamt den darin enthaltenen Medikamenten - können verloren gehen. Außerdem sind Sie auf diese Weise sicher, dass Ihre Medikamente gleich am Reiseziel für Sie verfügbar sind.

2. Diuretika (harntreibende Medikamente)
Entwässernde Arzneimittel wie Spironolacton erhöhen die Wasserausscheidung des Körpers und werden unter anderem bei Bluthochdruck und Herzproblemen verordnet. Meist wird ein Diuretikum morgens eingenommen, weil es den Harndrang verstärkt. Bei hohen Temperaturen und vermehrtem Schwitzen kann es zu einem Flüssigkeitsmangel kommen. Das erhöht das Risiko für eine Dehydrierung des Körpers, besonders bei einer längeren Hitzeperiode. Achten Sie deshalb immer darauf, genug zu trinken. In bestimmten Fällen, wenn der Blutdruck zu stark sinkt, kann nach Rücksprache mit dem Arzt eine Anpassung der Dosierung nötig sein.
Diuretika sollten Sie trocken, bei Temperaturen unter 25 Grad Celsius aufbewahren. Medikamente nicht im Badezimmer oder in der Küche lagern. Hier kann die Luftfeuchtigkeit zu hoch werden. Geeigneter sind kühlere Räume wie Garage oder Diele.

3. Antibiotika
Wer Antibiotika schluckt, muss mit Sonnenlicht vorsichtig sein. Das gilt für die meisten Antibiotikaklassen der Tetrazykline und Chinolone. Während einer Antibiotikakur sollten Sie sich lieber überwiegend drinnen aufhalten. Denn auch im Schatten muss man sich vor widerspiegelnden Sonnenstrahlen schützen. Antibiotika machen die Haut bedeutend empfindlicher und es kommt schneller zum Sonnenbrand. Müssen Sie doch nach draußen, setzen Sie einen Hut auf und tragen Sie großzügig Sonnenschutzmittel mit Faktor 50 auf die Haut auf. Antibiotika werden am besten an einem trockenen Ort aufbewahrt, wenn nichts anderes angegeben ist.

4. Entzündungshemmendes Gel
Gel mit dem Inhaltsstoff Ketoprofen, bekannt unter dem Handelsnamen Fastum®, ist ein entzündungshemmendes und schmerzlinderndes Gel, das fototoxische und sogar schwere fotoallergische Reaktionen auslösen kann, wenn die behandelten Hautstellen mit Sonnenlicht in Kontakt kommen. Die europäische Arzneimittelbehörde EMA warnt vor diesen Nebenwirkungen und deshalb ist das Gel nur auf Rezept erhältlich. Bei fotoallergischen Reaktionen reagiert der Körper derart stark, dass Hautausschlag auch an unbehandelten Hautstellen auftritt. Zusätzlich kann die Reaktion monatelang Beschwerden verursachen. Jeder minimale Kontakt mit Sonne kann die Hautreaktion wieder auslösen. Allerdings erhöhen auch andere entzündungshemmende Gele und Arzneimittel die Sensibilität gegenüber UV-Strahlung.

5. Medikamente gegen Herzrhythmusstörungen
Das Antiarrhythmikum Amiodaron zur Behandlung von Herzrhythmusstörungen kann bei Sonneneinstrahlung Hautreaktionen und Pigmentstörungen verursachen.

6. Johanniskraut
Pflanzliche Arzneimittel auf der Basis von Johanniskraut sind frei verkäuflich und werden häufig bei depressiven Verstimmungen eingesetzt. Die Haut kann während der Einnahme von Johanniskraut-Präparaten empfindlicher auf Sonnenlicht reagieren. Deshalb sollten Sie sich möglichst im Schatten aufhalten und regelmäßig mit Sonnenschutzmitteln eincremen.

7. Aspirin und entzündungshemmende Medikamente
Aspirin und Medikamente, die Entzündungen bekämpfen, können bei hohen Temperaturen risikoreich für die Nieren sein. Sie erhöhen die Gefahr der Austrocknung, besonders wenn nicht genügend Flüssigkeit getrunken wird.

8. Epilepsie-Medikamente
Das Epilepsie-Medikament Carbamazepin erhöht das Risiko für eine Fotodermatose oder Lichtdermatose: eine abnormale Reaktion der Haut bei normalem Aufenthalt in der Sonne. Wer solche Antiepileptika einnimmt, sollte deshalb die Sonne meiden.

9. Zytostatische Creme (Chemotherapie in Salbenform)
Cremes mit dem Wirkstoff 5-Fluoruracil werden zur Behandlung von aktinischen Keratosen eingesetzt. Diese Frühform des Hautkrebses macht sich durch kleine hautfarbene bis hellbraune raue Hautstellen bemerkbar, die ab einem Alter von 40 häufig im Gesicht und auf dem Handrücken auftreten. Diese Hautpartien sind besonders gefährdet, da sie im Verlauf des Lebens am häufigsten in Kontakt mit UV-Strahlen kommen. Wer mit einer entsprechenden Creme gegen Hautkrebs behandelt wird, sollte sich nicht in der Sonne aufhalten, denn die Creme erhöht das Risiko für Hautreaktionen.

10. Fibrate und Hormone
Fibrate, eine Gruppe von cholesterinsenkenden Medikamenten, können bei Sonneneinstrahlung auch Hautirritationen hervorrufen. Und hormonhaltige Arzneimittel verursachen eventuell eine vermehrte Pigmentbildung der Haut.

Generell ist es empfehlenswert bei der Anwendung von Medikamenten den Aufenthalt in der Sonne zu beschränken. Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker, ob bei Ihren Medikamenten unerwünschte Hautreaktionen durch UV-Strahlung bekannt sind und schützen Sie freiliegende Hautpartien durch Sonnenschutzmittel mit hohem Lichtschutzfaktor.

Quelle: Deutsches UAW-Spontanerfassungssystem. Gemeinsame Datenbank von BfArM und AkdÄ

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