Donnerstag, 16. Mai 2013


Cranberrys halten Bakterien in Schach
(Foto: PublicDomainPictures/pixabay.com)

Wenn der Harndrang unerträglich ist, wenn es brennt und schmerzt beim Wasserlassen und jeder Gang zur Toilette zur Qual wird, dann leiden Sie wahrscheinlich an einer Blasenentzündung (Zystitis). Doch es gibt Hilfe aus der Natur: Cranberrys.

In einer aktuellen Studie konnte nachgewiesen werden, dass sich durch die Einnahme von Cranberry-Extrakt die Besiedelung der Blasenschleimhaut mit Bakterien um 34 Prozent reduzieren lässt. Der Cranberry-Wirkstoff erschwert den Bakterien das Anheften an die Blasenschleimhaut. Während der wissenschaftlich kontrollierten Studie erhielten die Teilnehmer dreimal täglich einen Cranberry-Kürbis-Extrakt in Kapselform. Dies entspricht der Dosierungsempfehlung des Herstellers. Das Präparat wurde von allen Teilnehmern im Alter zwischen 21 und 52 Jahren gut vertragen. In Absprache mit dem Hausarzt kann durch eine rechtzeitige Einnahme von Cranberry-Extrakt oftmals auf eine Behandlung mit Antibiotika verzichtet werden. Noch gilt zwar eine niedrig dosierte Antibiotikabehandlung als Standardtherapie bei wiederkehrenden Blasenentzündungen, dies führt jedoch innerhalb kurzer Zeit zu erheblichen Antibiotikaresistenzen, wie das Deutsche Ärzteblatt berichtete.

Cranberrys können mehr

Die amerikanische Kranbeere (Vaccinium macrocarpon), die zur Gattung der Heidelbeeren gehört, enthält als wirksame Substanzen Proanthocyanidine (PAC). Sie machen es den Bakterien schwer, sich in der Blasenschleimhaut festzusetzen. So kann der überwiegende Teil der Bakterien mit dem Urin ausgeschwemmt werden und es kommt nicht zu einer Entzündungsreaktion. Obwohl nicht alle Studien zu positiven Ergebnissen kommen, konnte in zwei klinischen Studien eindeutig gezeigt, dass Cranberries bei Frauen mit wiederkehrenden Harnwegsinfekten eine vorbeugende Wirkung haben.

Schon die Indianer wussten um die gesundheitsfördernden Eigenschaften der Moosbeere und nutzten sie als Heilpflanze. Sie trockneten die Beeren, die reich an Vitaminen und Mineralstoffen sind, und konnten so in der kalten Jahreszeit auf ihre »Vitaminpillen« zurückgreifen, um sich vor Krankheiten zu schützen. Neben der bestätigten antibakteriellen Wirkung bei Harnwegsinfektionen gibt es Hinweise auf die Wirksamkeit gegen den Magenkeim Helicobacterpylori, der chronische Magenschleimhautentzündungen (Gastritis) verursacht und für die Entstehung von Magenkrebs verantwortlich gemacht wird. Hier sind noch weitergehende Studien erforderlich.

Blasenentzündung und Harnwegsinfekte - die Ursachen

In den meisten Fällen entsteht eine Infektion der Blase und der ableitenden Harnwege durch eine Besiedelung mit E.-coli-Bakterien (Escherichia coli). Die Bakterien stammen meist aus dem Genital- und Analbereich. Frauen sind von der Erkrankung weitaus häufiger betroffen als Männer, da ihre Harnröhre deutlich kürzer ist. Erreger können schneller von dort in die Harnblase aufsteigen. Wird die Infektion nicht rechtzeitig gestoppt, breiten sich die Bakterien bis hinauf zum Nierenbecken und zur Niere aus. Ärzte sprechen dann von einer Nierenbeckenentzündung, einer Pyelonephritis.

Zwischen 50 und 70 Prozent der Frauen erkranken mindestens einmal im Leben an einer Blasenentzündung. Bei 30 Prozent kehrt die Entzündung mehrmals im Jahr zurück. Die Häufigkeit der Harnwegsinfekte nimmt generell mit steigenden Alter zu. Dann erkranken auch mehr Männer an Harnwegsinfekten, oft verursacht durch Probleme mit der Vorsteherdrüse (Prostata). Mit zunehmendem Alter vergrößert sich die männliche Prostata und kann den Harnabfluss behindern und so Infektionen fördern.

Weitere bekannte Risikofaktoren für Harnwegsinfekte sind:

eine gestörte Vaginalflora
Östrogenmangel während und nach den Wechseljahren
Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus)
eine Antibiotikaeinnahme in den vorangegangenen Wochen
häufiger Geschlechtsverkehr
Mittel zur Empfängnisverhütung wie Diaphragmen oder Spermien abtötende Präparate
Störungen der Urinausscheidung
Anwendung eines Harnblasenkatheters
Stuhlinkontinenz

Die charakteristischen Symptome einer Blasenentzündung sind:

  • dauernder Harndrang
  • brennende und stechende Schmerzen beim Wasserlassen mit nur geringen Mengen Urin
  • weißliche Trübung des Urins
  • ziehende Schmerzen im Unterbauch
  • selten Rotfärbung durch Blutbeimischung

Kommen zu diesen Symptomen ein allgemeines Krankheitsgefühl, Fieber und Schmerzen im Rücken oder im Bereich der Nieren hinzu, ist die Infektion wahrscheinlich ins Nierenbecken aufgestiegen. Dann ist umgehend ärztliche Hilfe gefragt, damit die Nieren nicht dauerhaft geschädigt werden.

Blasenentzündung - wie Sie vorbeugen können

  • Trinken Sie mindestens zwei Liter Flüssigkeit über den Tag verteilt. Das unterstützt das Ausschwemmen unerwünschter Keime.
  • Sie sollten ihre Harnblase regelmäßig entleeren.
  • Reinigen sie die Genital- und Analregion immer von vorne nach hinten, um Schmierinfektionen zu vermeiden.
  • Übertriebene Hygiene im Genitalbereich, zum Beispiel mit Vaginalspülungen oder Intimsprays ist unnötig. Die normale und gesunde Bakterienflora wird sonst zerstört und Infektionen gefördert.
  • Nach dem Geschlechtsverkehr sollten Sie die Blase entleeren, das senkt das Risiko für eine bakterielle Infektion.
  • Vermeiden Sie Unterkühlung, beispielsweise durch nasse Badekleidung oder kalte Füße. Durch Unterkühlung verschlechtert sich die Durchblutung und die Immunabwehr wird beeinträchtigt. Keime können weniger gut abgewehrt werden.

Quellen: Hartwich, R. Wirkung einer Cranberry- und Kürbiskernextrakt-Kombination auf die Harnwege. E&M - Ernährung und Medizin 2012; 27: 24-28

Beerepoot MJ, ter Riet G, Nys S, et al. Cranberries vs Antibiotics to Prevent Urinary Tract Infections: A Randomized Double-blind Noninferiority Trial in Premenopausal Women. Arch Intern Med. 2011;171(14):1270-1278. doi:10.1001/archinternmed.2011.306

Cha-Nam Shin: The Effects of Cranberries on Preventing Urinary Tract Infections Clin Nurs Res 1054773813475448, first published on February 8, 2013 doi:10.1177/1054773813475448

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