Freitag, 17. Mai 2013


Blutspenden - gut für Spender und Empfänger
(Foto: sabinurce/pixabay.com)


Blut spenden senkt zu hohen Blutdruck? Eine aktuelle Studie an der Berliner Charité hat dies bestätigt. Obwohl die Therapie nicht wirklich neu ist. Der Aderlass ist schon aus der Hildegardmedizin bekannt und gehört zu den traditionellen Naturheilverfahren.

Eine Arbeitsgruppe an der Berliner Charité unter der Leitung von Professor Andreas Michalsen hat Patienten, die an Bluthochdruck, Übergewicht, Fettstoffwechselstörungen und Insulinresistenz leiden - also dem sogenannten metabolischen Syndrom - zweimal im Abstand von vier Wochen je 300 Milliliter Blut abgenommen. Sechs Wochen später wurden die Blutdruckwerte mit den Werten einer unbehandelten Patientengruppe verglichen. Die Werte bei den Blutspendern waren durchschnittlich um 16 mmHg systolisch abgesunken. In Studien mit ACE-Hemmern oder Betablockern fielen die Werte schlechter aus.

Blut spenden fördert die Gesundheit

Als positiver Nebeneffekt verbesserten sich auch die Blutfettwerte der Probanden. Unklar ist, warum der blutdrucksenkende Effekt länger anhält. Der Eisengehalt (Ferritinspiegel) im Blut könnte eine Rolle spielen. Er sinkt nach der Blutentnahme ab. Die Mediziner vermuten, dass ein hoher Eisengehalt negativ auf das Herz-Kreislauf-System und auch auf das Immunsystem wirkt. Eisen fördert zellschädigende Prozesse in den Blutgefäßen (Oxidation). Ein niedriger Eisengehalt könnte die Gefäße elastisch halten und für besseren Druckausgleich sorgen. Diese Theorien müssen sich in zusätzlichen Studien allerdings noch bestätigen. Darum wurde eine Folgestudie gestartet. Denn bisher fehlen Studienergebnisse zum Langzeiteffekt von Blutspenden auf den Blutdruck. Die Berliner Charité will das nun in Zusammenarbeit mit der Carstens-Stiftung nachholen.

Positive Erfahrungen von Blutspendern

Menschen, die regelmäßig Blut spenden, haben schon immer über positive Wirkungen auf ihre Gesundheit berichtet. Sie fühlen sich leistungsfähiger und vitaler. Zudem gab es in Studien Hinweise für ein geringeres Risiko auf Schlaganfall oder Herzinfarkt. Die Wirkung von Blutspenden auf Blutdruck und Blutwerte soll nun systematisch erforscht werden. Der Aderlass könnte also in Zukunft eine rein medikamentöse Therapie unterstützen.

Der Aderlass hat eine lange Tradition

Der Aderlass, eine ebenso kontrollierte Blutentnahme wie die Blutspende, ist ein altes naturheilkundliches Verfahren. Naturheilkundlichen Ärzten ist der Blutdruck senkende Effekt durchaus bekannt.
Man unterscheidet drei Varianten:

Blutspende: Entnahme von 500 ml Blut
Therapeutischer Aderlass: Entnahme von 500 - 1000 ml Blut, Anwendung in Notsituationen, wenn das Blut zu dickflüssig ist
Naturheilkundlicher Aderlass:
»kleiner« Aderlass: Entnahme von 150 ml Blut
»großer« Aderlass: Entnahme von 150 - 300 ml Blut, abhängig von der Konstitution des Patienten

Der Aderlass gehört zu den ausleitenden Verfahren in der Naturheilkunde. Stoffe, die im Übermaß vorhanden sind und den Organismus belasten, sollen nach außen geleitet werden. Vom Mittelalter bis ins zwanzigste Jahrhundert wurde der Aderlass als Allheilmittel gegen jedes Leiden eingesetzt. Heute wird er nur noch gelegentlich angewendet. Haupteinsatzgebiet sind Durchblutungsstörungen, beispielsweise Arteriosklerose. Durch den Aderlass wird das Blut dünnflüssiger und kann wieder leichter auch durch verengte Gefäße fließen. Der Blutdruck sinkt, kleinste Blutgefäße werden wieder vom Blutfluss erreicht, die Sauerstoffversorgung verbessert sich. Wiederholte Behandlungen sind möglich. Positiver Zusatzeffekt: Das Immunsystem wird gestärkt. Die blutbildenden Organe wie Rückenmark und Knochenmark von Rippen, Hüfte und Brustbein werden nach einem Aderlass stimuliert. Also keine Angst vorm Blut spenden: Sie helfen nicht nur Anderen, sondern auch sich selbst.
Ein Verzeichnis für naturheilkundliche Ärzte finden Sie auf der Internetseite MedKolleg.

Studie: Andreas Michalsen et al.: Effects of phlebotomy-induced reduction of body iron stores on metabolic syndrome: Results from a randomized clinical trial. BMC Medicine 2012, 10:54 doi:10.1186/1741-7015-10-54

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