Sonntag, 26. Mai 2013


Adipokine fördern Arthrose
(Foto: Alila Medical Images - Fotolia.com)

Übergewicht fördert Arthrose in Knie und Hüfte. Doch Übergewichtige haben auch oft Arthrose in den Händen. Den Grund dafür fand man jetzt.


Menschen mit Übergewicht haben ein größeres Risiko für Arthrose, dem vorzeitigen Knorpelabbau in den Gelenken. Bislang wurde angenommen, dass die extra Kilos für mechanische Verletzungen am Gelenkknorpel sorgen. Doch Menschen mit Übergewicht haben nicht nur öfter Arthrose in den Knie- und Hüftgelenken, sondern auch in den Händen.
Arthrose oder Gelenkverschleiß wird nicht alleine durch Übergewicht verursacht, sondern auch durch spezielle Botenstoffe, sogenannte Adipokine, die vom Fettgewebe des Körpers produziert werden. Das ist das Ergebnis einer niederländischen Studie von Dr. Erlangga Yusuf am medizinischen Zentrum der Universität Leiden.

Adipokine - ungesunde Fettgewebshormone

Adipokine sind Fettgewebshormone. Dazu zählen vor allem Leptin, Adiponektin, Resistin, Visfatin und Hepicidin. Das Fettgewebe wird daher auch als endokrines - hormonbildendes - Organ eingestuft. Adipokine beeinflussen den Zucker- und Fettstoffwechsel und das Hungergefühl. Teilweise fördern sie Entzündungsprozesse, die Fibrosebildung in der Leber, Insulinresistenz und die Entwicklung von Arteriosklerose sowie die Ausschüttung krebsfördernder Substanzen. Einige der Adipokine wirken aber den negativen Auswirkungen entgegen. Bei Menschen mit starkem Übergewicht und Adipositas ist das Adipokin-Gleichgewicht gestört. Bei ihnen überwiegen die entzündungsfördernden Botenstoffe.

Dr. Yusuf untersuchte drei der ungefähr fünfzig Arten Adipokine bei Menschen mit Arthrose und entdeckte bei jedem Dritten Adiponektin. »Obwohl Adipokine vom Fettgewebe hergestellt werden, scheinen Patienten mit Übergewicht gerade weniger Adiponektin zu haben. Und je weniger Adiponektin im Körper des jeweiligen Patienten gefunden wurde, desto stärker war die Arthrose sechs Jahre nach der Messung. Das könnte erklären, warum Menschen mit Übergewicht häufiger unter Arthrose in den Händen leiden«, erklärt Yusuf.

Adipokine zukünftig beeinflussbar?

Adiponektin gelangt über den Blutkreislauf in die Gelenke. Es gab schon früher Hinweise, dass diese Substanz den Abbau von Knorpel hemmt und die Neubildung anregt, was überaus günstig zur Vermeidung von Arthrose ist. Yusuf zeigt nun, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen einer niedrigen Adiponektin-Konzentration im Körper und einem schnelleren Fortschreiten der Arthrose. »Unsere Studien stärken das neue Leitbild, dass Arthrose nicht einfach nur durch zunehmenden Gelenkverschleiß bei Übergewicht verursacht wird. Wir können Übergewicht auf Bevölkerungsebene nicht bekämpfen, aber möglicherweise können wir zukünftig Arthrose bei Übergewichtigen behandeln, in dem wir die Wirkung der Adipokine beeinflussen«, sagt Yusuf.

Adiponektin schützt nicht nur vor Arthrose

Das Fettgewebshormon Adiponektin schützt aber nicht nur gegen vorzeitigen Gelenkverschleiß. Das aus 226 Aminosäuren bestehende Polypeptid verstärkt die Wirkung des Blutzucker senkenden Insulins und schützt vor Gefäßschäden und damit vor Arterienverkalkung. Doch je höher das Körpergewicht und der Körperfettanteil, desto weniger wird vom schützenden Adiponektin produziert. Bei Menschen mit Übergewicht und Adipositas, die schon am metabolischen Syndrom litten, wurden extrem niedrige Adiponektin-Spiegel gemessen. In Forschungen zeigten bisher verschiedene Bluthochdruck-Medikamente sowie die Gruppe der Cholesterin senkenden Statine positive Wirkung auf das Adipokin-Gleichgewicht im Körper. Mediziner hoffen deshalb auf Basis dieser Erkenntnisse, in Zukunft den Adipokin-Spiegel bei Patienten mit Übergewicht und Folgeerkrankungen wie dem metabolischen Syndrom und Arthrose beeinflussen zu können.

Quelle: Leids Universitair Medisch Centrum (LUMC)

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