Mittwoch, 23. Juli 2014


Molkeprotein vor dem Essen kann
kann den Blutzucker regulieren
(Foto: Kaz / pixabay.com)

Molkeprotein vor einer Mahlzeit eingenommen, kann Blutzuckerspitzen vermeiden und die Insulinwirkung verbessern.


Typischerweise nutzen Bodybuilder und Gewichtheber Molkeprotein, um den Aufbau von Muskelmasse zu fördern. Doch laut neuen Forschungen kann Molkeprotein auch für Diabetiker nützlich sein.
Eine neue Studie im Fachjournal »Diabetologia« deutet an, dass Molkeprotein (engl. whey protein) vor dem regulären Frühstück dabei helfen kann, Blutzuckerspitzen, die oft nach dem Essen auftreten, zu reduzieren und die Reaktion auf das Insulin zu verbessern. Deshalb könnte Molkeprotein ein zusätzliches Hilfsmittel sein zur Blutzuckerkontrolle bei Diabetikern. Bereits 2005 zeigte eine Studie im »American Journal of Clinical Nutrition«, dass die Insulinantwort sich erhöht, wenn Molkeprotein dem Frühstück und Mittagessen hinzugefügt wird.

Eiweiß stimuliert Darmhormon GLP-1

Eiweißkonsum ist bekannt dafür die Produktion des Darmhormons Glucagon-like Peptid-1 (GLP-1) anzuregen. GLP-1 stimuliert die Insulinproduktion und wird auch zur Behandlung von Typ 2-Diabetes eingesetzt. Daher gingen die Wissenschaftler davon aus, dass eine Stimulation der GLP-1-Produktion durch Molkeprotein vor einer Mahlzeit die Blutzuckerregulation nach dem Essen verbessern könnte.

Die Studie umfasste 15 Teilnehmer mit einem gut eingestellten Typ 2-Diabetes, die keine Medikamente einnahmen außer den oralen Antidiabetika Metformin oder Sulfonylharnstoffen (z.B. Glimepirid). Die Teilnehmer konsumierten an zwei unterschiedlichen Tagen eine halbe Stunde vor dem Frühstück 50 Gramm Molkeprotein in 250 ml Wasser oder nur 250 ml Wasser in der Placebo-Gruppe. Das Frühstück mit hohem glykämischen Index - was den Blutzucker in die Höhe treibt - bestand aus drei Scheiben Weißbrot und Marmelade mit hohem Zuckergehalt. Das Blut der Patienten wurde im Verlauf dreimal getestet: Bei der Einnahme des Molkeproteins, 15 Minuten und 30 Minuten nach der Mahlzeit und danach alle 30 Minuten.

Verbesserte Insulinwirkung

Weil die Teilnehmer alle das Molkeprotein entweder am ersten oder zweiten Tag einnahmen, konnten die Forscher genau sehen, wie Blutzucker- und Insulinspiegel durch die Molke beeinflusst wurden. Beim letzten Bluttest nach 3 Stunden war der Blutzuckerspiegel bei den Molkepatienten um 28 Prozent gesunken. Die Insulinantwort stieg dagegen um 105 Prozent und der C-Peptid-Spiegel, der andeutet, wie viel Insulin die Bauchspeicheldrüse noch produziert, stieg um 43 Prozent. Aber noch viel wichtiger war, dass die frühe Insulinantwort - etwa 30 Minuten nach einer Mahlzeit - nach dem Verzehr von Molkeprotein 96 Prozent höher ausfiel als in der Placebogruppe. Das war besonders wichtig, denn das Ausbleiben der frühen Insulinantwort nach dem Essen ist die größte Schwäche bei Diabetikern und der Hauptgrund für die Blutzuckerspitzen nach dem Essen.

Molkeprotein als neuer Behandlungsansatz

»Insgesamt verbessert der Konsum von Molkeprotein kurz vor einem kohlenhydratreichen Frühstück die frühe und spätere Insulinausschüttung, die Wirkung des Darmhormons GLP-1 und senkt den Blutzuckerspiegel nach dem Essen bei Typ 2-Diabetikern«, schreiben die Studienautoren. »Molkeprotein könnte deshalb ein neuartiger Ansatz sein, um die Strategien zur Blutzuckersenkung bei Typ 2-Diabetes zu verbessern.« Die Autoren fügen hinzu, dass eine solche Behandlung kostengünstig wäre und einfach anzuwenden für die Patienten, solange das Molkeproteinkonzentrat keinen zusätzlichen Zucker oder andere Nährstoffe enthält. Die Wissenschaftler erwägen auf der Basis der aktuellen Ergebnisse eine klinische Langzeitstudie, um herauszufinden, ob die positiven Effekte des Molkeproteins auch dauerhaft sind.

Quellen: Wainstein J, Barnea M, ganz T, et al.: Incretin, insulinotropic and glucose-lowering effects of whey protein pre-load in type 2 diabetes: a randomised clinical trial. Diabetologia.2014.


Frid AH, Nilsson M, Holst JJ, Björck IM: Effect of whey on blood glucose and insulin responses to composite breakfast and lunch meals in type 2 diabetic subjects. Am J Clin Nutr. 2005 Jul;82(1):69-75

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