Samstag, 1. November 2014


Nitratreiche Lebensmittel wie Rote Bete unterstützen
eine natürliche Blutdrucksenkung
(Foto: By Garitzko (Own work) [Public domain], via Wikimedia Commons)

Ein Glas Rote-Bete-Saft kann auf natürliche Weise den Blutdruck senken. Der hohe Gehalt an Nitrat macht das möglich.


Wer seinen erhöhten Blutdruck auf natürliche Weise senken will oder die medikamentöse Behandlung eines Bluthochdrucks unterstützen möchte, sollte täglich ein Glas Rote-Bete-Saft trinken oder andere nitratreiche Gemüsesorten in den Speiseplan einbauen.

Was ist Nitrat und wie kommt es ins Gemüse?
Nitrat ist eine chemische Verbindung von Stickstoff und Sauerstoff und findet sich als natürlicher Bestandteil im Boden. Pflanzen brauchen Nitrat als Nahrung, um daraus Eiweiß herzustellen. Nitrat wird als Dünger benutzt und lässt Pflanzen schneller wachsen. Nitrat selbst ist für den Menschen nicht schädlich. Der Nitratgehalt in Gemüse und Salat hängt von verschiedenen Faktoren ab: Nitratgehalt im Boden, im Dünger, von der Gemüsesorte und Jahreszeit. Manche Wurzelgemüse wie Fenchel, Rote Bete oder Radieschen und Salate wie Kopfsalat, Rucola und Feldsalat reichern mehr Nitrat an als zum Beispiel Paprika, Erbsen und Bohnen.

Nitrat wird zu Nitrit und senkt den Blutdruck
Die mit der Nahrung aufgenommenen Nitrate werden durch den Speichel in Nitrit umgewandelt. Aus Nitriten wird mit Hilfe von Enzymen Stickstoffmonoxid gebildet, das die Blutgefäße erweitert und den Blutdruck sinken lässt. Nitrite können für Babys und Kleinkinder gefährlich werden, weil dadurch die Sauerstoffaufnahme im Blut gehemmt wird. Bei Erwachsenen können sich aus Nitriten Nitrosamine bilden, die in Tierversuchen krebserzeugend wirkten. Ein direkter Zusammenhang zwischen Nitraten aus Nahrungsmitteln und einer erhöhten Krebsgefahr für den Menschen konnte bislang nicht nachgewiesen werden. Hinzu kommt, dass Vitamin C und Polyphenole im Gemüse die Bildung von krebsauslösenden Nitrosaminen blockieren.

Erhöhter Blutdruck wird normalisiert
Für die experimentelle Studie wurden acht Frauen und sieben Männer mit einem systolischen (oberen) Blutdruckwert zwischen 140 und 159 mmHg, die noch keine Medikamente erhielten, untersucht. Sie tranken 250 Milliliter Rote-Bete-Saft oder Wasser. Diese Menge Rote-Bete-Saft ließ den Nitritgehalt im Blut um etwa 50 Prozent ansteigen, was in früheren Studien bei Personen mit normalem Blutdruck keinerlei Einfluss hatte. Bei den Studienteilnehmern mit erhöhten Blutdruckwerten sank der systolische Blutdruck jedoch deutlich um etwa 12 mmHg. Die Wirkung war drei bis sechs Stunden nach der Aufnahme des Rote-Bete-Saftes am stärksten und blieb für 24 Stunden erhalten. Auch der diastolische (untere) Blutdruckwert sank deutlich, wie Studienleiterin und Pharmakologin Amrita Ahluwalia von der Queen Mary Universität in London berichtete. Dadurch erreichten einige Studienteilnehmer wieder normale Blutdruckwerte. Im Tierversuch stellte sich allerdings heraus, dass das Medikament Allopurinol, das zur Senkung der Harnsäure bei Gicht verordnet wird, die Aufnahme von Nitriten blockiert. Bei Gichtpatienten wird daher der Rote-Bete-Saft den Blutdruck kaum beeinflussen.

Geringe Mengen Nitrat notwendig
Die Menge an Rote-Bete-Saft enthielt letztlich nur 0,2 Gramm Nitrat, was etwa zwei Roten Beten entspricht. »Es erstaunte uns, dass eine so geringe Menge Nitrat ausreicht, um eine solche Wirkung zu erreichen. Wir hoffen, dass eine Ernährung mit mehr nitrathaltigem Gemüse die kardiovaskuläre Gesundheit verbessert«, sagte Amrita Ahluwalia. Die Ergebnisse seien vielversprechend und können mit der von Bluthochdruckmedikamenten verglichen werden, meinen Forscher. Da es sich aber um eine Studie mit geringer Teilnehmerzahl handelt, raten Experten derzeit von einer Rote-Bete-Therapie ab. Dazu müssen die Ergebnisse in längeren klinischen Studien weiter erforscht werden. Allerdings sei gegen eine gesunde Ernährung mit nitrathaltigen Gemüsesorten nichts einzuwenden.

Vorsicht bei Nierensteinen
Rote Bete enthalten genau wie Mangold, Rhabarber, Spinat, Bambussprossen und Kakao viel Oxalsäure. Das regt den Körper dazu an, vermehrt Oxalsäure über den Harn auszuscheiden. Im Urin finden sich dann mehr Kalziumoxalatkristalle. Daraus können sich Kalziumoxalatsteine in den Nieren bilden. Wer also eine Neigung zu Nierensteinen hat, sollte Rote Bete nur in Maßen zu sich nehmen.

Quelle: Suborno M. Ghosh, Vikas Kapil, Isabel Fuentes-Calvo, Kristen J. Bubb, Vanessa Pearl, Alexandra B. Milsom, Rayomand Khambata, Sheiva Maleki-Toyserkani, Mubeen Yousuf, Nigel Benjamin, Andrew J. Webb, Mark J. Caulfield, Adrian J. Hobbs and Amrita Ahluwalia: Enhanced Vasodilator Activity of Nitrite in Hypertension: Critical Role for Erythrocytic Xanthine Oxidoreductase and Translational Potential. Hypertension 2013 May 15;61(5):1091-102. Epub 2013 Apr 15, doi: 10.1161/HYPERTENSIONAHA.111.00933

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