Donnerstag, 29. September 2016


Verschiedene Sirupsorten werden als gesunde Alternative zu Zucker angepriesen. Doch ist Sirup von Ahorn, Agave und Co. wirklich das bessere Süßungsmittel?




Agave-, Ahorn-, Getreide- oder Obstsirup: Sirup ist hip und wird als natürliche Alternative beworben für alle, die ihren Zuckerverbrauch einschränken wollen. Diätassistentin Tanja Callewaert erklärt, was Sie von den Zuckeralternativen erwarten können und was nicht.



Gesünder?

Nein. Sirupe sind keine gesunde Alternative zu Zucker. Sie enthalten keine Saccharose wie in Haushaltszucker, aber - mit Ausnahme von Getreidesirup - sehr viel Fruktose. Fruktose hielt man früher für eine gesunde Zuckervariante, aber diese Vorstellung wuder durch die Wissenschaft korrigiert. Ein hoher Konsum dieses Fruchtzuckers steht heute in Verbindung mit Krankheiten wie Fettleibigkeit, zu hohem Cholesterin und Bauchspeicheldrüsenkrebs. Verwenden Sie Sirup deshalb, genau wie Zucker, in Maßen.



Natürlicher?

Nein. In den Medien wird schon mal der Ausdruck natürlicher oder unraffinierter Sirup benutzt. Das bedeutet tatsächlich nicht, dass es um ein natürliches Produkt geht, das als Fertigprodukt geerntet wird. Vorab durchläuft das Produkt einen umfangreichen Produktionsprozess. Bei Ahornsirup beispielweise wird der süße Ahornsaft erst erhitzt, so dass er nach einiger Zeit eine konzentrierte Form annimmt. Bei Agavensirup wird der Stamm dieser tropischen Fettpflanze ausgepresst. Dieser Saft wird aufgefangen, gefiltert und erwärmt, um den Agavensirup zu erhalten. Durch die Filterung werden allerdings eine ganze Menge wertvoller Nährstoffe wie Antioxidantien, Mineralstoffe und Vitamine aus dem Sirup entfernt. Darum entscheiden Sie sich am besten für Sirup mit einem Grad-C-Qualitätslabel. Diese Sorten sind weniger gefiltert und reicher an Mineralien, allerdings auch teurer als Grad-A-Sirup. Dafür ist der Geschmack bei Grad-A-Sirupsorten feiner, milder und weniger intensiv. Das Erhitzen oder Kochen von Sirup verändert den Nährwert jedoch nicht.



Weniger Kalorien?

Ja. Die meisten Sirupe enthalten etwas weniger Kalorien als Kristallzucker. Der Gewinn beträgt ungefähr 75 Kalorien pro 100 Gramm je nach Sirupart und ist daher begrenzt. Darüber hinaus sind es vor allem leere Kalorien, die dem Körper kaum nützliche Stoffe wie Vitamine liefern. Aber man braucht davon weniger, um denselben Süßeffekt zu bekommen. Sirup hat doch eine stärkere Süßkraft als Haushaltszucker. Eine dreiviertel Tasse Agaven- oder Ahornsirup entspricht einer Tasse Zucker. Bei Getreidesirup wie Reissirup ist die Süßkraft etwas geringer.



Geht langsamer ins Blut?

Ja. Eine der positiven Eigenschaften von Fruktose ist, dass dieser Zucker sehr langsam im Blut aufgenommen wird (niedriger glykämischer Index). Man erhält also keinen schnellen kurzzeitigen Energiekick wie bei weißem Zucker, aber das Endergebnis ist dennoch gleich: Der Körper nimmt genauso viel Zucker - in diesem Fall Fruktose - auf. Die langsame Aufnahme macht Sirup aber interessant für Menschen, die nicht an Diabetes leiden, aber trotzdem sehr empfindlich für die Wirkung von Zucker sind (Hyperglykämie).



Ahornsirup verstärkt Antibiotikawirkung

In einer Studie aus dem Jahr 2015 stellten Wissenschaftler fest, dass konzentrierter Ahornsirup in Kombination mit synthetischen Antibiotika effektiv Bakterienstämme bekämpft, die häufig Harnwegsinfektionen verursachen. Sechs Polyphenole verstärken die Wirkung der Antibiotika derart, dass sie auch der Bildung eines Biofilms entgegenwirken. Biofilme sind Gruppen von Bazillen, die sich auf der Bakterienoberfläche formen und eine Barriere bilden, so dass höhere Dosierungen von Antibiotika nötig sind, um eine Wirkung zu erzielen. Die Wissenschaftler hoffen, dass in Zukunft der Wirkstoff aus dem Ahornsirup direkt in die Antibiotikakapseln integriert werden kann und so ein fertiges Kombinationspräparat entsteht, das leicht einzunehmen ist. Das kann der Bildung von Resistenzen vorbeugen, weil die Dosierung des Antibiotikums gesenkt werden kann.



Zahnfreundlich?

Nein. Sirupe sind eher noch schlechter für die Zähne, weil sie durch ihre zähflüssige Konsistenz länger an den Zähnen haften bleiben. Zahnfreundlich sind nur Zuckeraustausch- und Zuckerersatzstoffe wie Sorbit, Xylit, Mannit, Maltit und Lycasin oder Süßstoffe wie Aspartam, Saccharin und Cyclamat.

0 Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Gesundheit & Wissenschaft

Gesundheit & Wissenschaft
Bitte beachten Sie, dass Artikel auf dieser Seite generell fachlichen Rat - zum Beispiel durch einen Arzt - nicht ersetzen können.

Categories

Angelika Lensen. Powered by Blogger.

Autor(en)

Alle Beiträge auf Gesundheit & Wissenschaft wurden von Angelika Lensen erstellt.

About Me

Mein Foto
Ich schreibe als freie Journalistin für Online- und Printmedien
über Gesundheit, Medizin und Wissenschaft.


Werbepolitik

Diese Internetseite ist frei von Werbung und wird ausschließlich privat finanziert.

Letzte Aktualisierung

Beliebte Artikel

Folgen Sie dem Blog per E-Mail

Google+ Badge