Montag, 10. Juni 2013


Vitamin D-Mangel fördert Bluthochdruck
(Foto: Alexander Raths - Fotolia.com)

Vermutet wurde es schon länger, doch nun gibt es den wissenschaftlichen Beweis, dass Vitamin D-Mangel auch Bluthochdruck fördert.


Eine großangelegte genetische Studie mit mehr als 155.000 Teilnehmern ermöglichte Forschern, den Kausalzusammenhang zwischen Bluthochdruck und Vitamin D-Mangel aufzudecken. Die Ergebnisse liefern ein starkes Argument für die Anreicherung von Lebensmitteln mit Vitamin D, um verschiedene Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu verhindern, meinen die Forscher.

Vitamin D-Mangel kann Bluthochdruck auslösen

Niedrige Vitamin D-Spiegel können Bluthochdruck (Hypertonie) auslösen; so lautet das Ergebnis der weltgrößten Studie zur Überprüfung des kausalen Zusammenhangs zwischen beiden. Obwohl Beobachtungsstudien diese Verbindung schon gezeigt haben, war eine umfangreiche genetische Studie notwendig, bevor Ursache und Wirkung bewiesen werden konnten.

Dr. Vimal Karani S, vom »Institute of Child Health« am »University College« in London wird auf der jährlichen Konferenz der »European Society of Human Genetics« (ESHG) die Forschungsresultate präsentieren. Die Daten aus der Zusammenarbeit mit D-Cardia in 35 Studien und mit mehr als 155.000 Teilnehmern aus zahlreichen Studienzentren in Europa und Nord-Amerika zeigen, dass Personen mit höheren Konzentrationen an 25-Hydroxy-Vitamin D (Calcidiol) einen niedrigeren Blutdruck und damit ein geringeres Risiko für Bluthochdruck hatten.

Calcidiol ist eine Vorstufe des aktiven Vitamins D3. Mit der Nahrung werden die Grundstoffe aufgenommen, die in der Haut durch Sonneneinstrahlung die Vorstufe des Vitamins D3 herstellen und in der Leber in Calcidiol umwandeln. Sinkt der Kalziumspiegel im Körper ab, sorgt ein Hormon der Nebenschilddrüse dafür, dass Calcidiol in der Niere in das aktive Vitamin D3 (Calcitriol) umgebaut wird. Calcitriol setzt bei Bedarf Kalzium aus den Knochen frei und erhöht die Kalziumaufnahme im Darm.

Niedrige Calcidiol-Werte erhöhen den Blutdruck

»Wir wissen von früheren Beobachtungsstudien, dass niedrige Calcidiol-Werte wahrscheinlich mit einem Anstieg des Blutdrucks und Hypertonie in Verbindung stehen, aber Korrelation bedeutet nicht Kausalität«, sagt Dr. Karani S. »Darüber hinaus haben randomisierte kontrollierte Studien über Vitamin D-Supplementierung beim Menschen widersprüchliche Effekte bei kardiovaskulären Ereignissen gezeigt. Das ganze Bild war etwas verwirrt und wir beschlossen, die Zusammenhänge herauszufinden, um es ein für alle Mal zu klären.«

Anhand bestimmter genetischer Marker wurde der Vitamin D-Status der Teilnehmer festgestellt, um den kausalen Zusammenhang mit Blutdruck und Hypertonie zu prüfen. Bei der Analyse der Ergebnisse ließ sich eine deutliche Verbindung herstellen: Für jede Erhöhung des Calcidiol-Spiegels um 10 Prozent sank das Risiko für Hypertonie um 8,1 Prozent.

»Sogar unter der Berücksichtigung von wahrscheinlich vorhandenen unbemerkten Störfaktoren«, sagt Dr. Karani S, »erlaubt der Ansatz, den wir verfolgt haben - bekannt als Mendel'sche Randomisierung - Rückschlüsse über die Kausalität zu ziehen, weil der genetische Einfluss auf die Erkrankung nicht durch Störfaktoren beeinflusst wird. Einfacher ausgedrückt, mit Hilfe dieses Ansatzes können wir Ursache und Wirkung bestimmen und ziemlich sicher sein, dass wir zu den richtigen Schlussfolgerungen bei diesem Thema kommen.«

Vitamin D nicht nur wichtig für die Knochengesundheit

Ein niedriger Vitamin D-Spiegel ist weit verbreitet in der westlichen Welt, sagen die Forscher, und daher haben die Ergebnisse erhebliche Auswirkungen auf das öffentliche Gesundheitswesen. Das bekannteste Symptom eines Vitamin D-Mangels ist Rachitis, eine kindliche Knochenerkrankung, bei der die langen Röhrenknochen geschwächt sind und sich verkrümmen. Kürzlich jedoch schien Vitamin D auch bei anderen Erkrankungen eine Rolle zu spielen, aber Studien über eine Supplementierung gaben widersprüchliche Ergebnisse.

»Unsere Studie deutet stark daraufhin, dass einige Fälle von Herz-Kreislauf-Erkrankungen durch Vitamin D-Präparate oder Anreicherung von Lebensmitteln mit Vitamin D verhindert werden könnten«, sagt Dr. Karani S. »Unsere neuen Daten unterstützen die Meinung, dass Vitamin D nicht nur wichtig für die Knochengesundheit ist. Wir wollen nun diese Arbeit durch die Untersuchung des kausalen Zusammenhangs zwischen Vitamin D-Status und anderen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen zusammenhängenden Faktoren wie hohes Cholesterin, Entzündungsprozesse und Typ 2-Diabetes weiterführen. Wir glauben, dass wir immer noch eine Menge über den Effekt eines Vitamin D-Mangels auf die Gesundheit herausfinden müssen und wir haben nun auch die Mittel dazu.«

Quelle: Karani S. Vimaleswaran et al: A causal association between vitamin D status and blood pressure: a Mendelian Randomization study in up to 150,846 individuals, AbstractC 18.2, European Human Genetics Conference 2013.

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