Mittwoch, 18. September 2013


Rinderbandwurm
(Foto: By n.a..Chb at de.wikipedia [Public domain], from Wikimedia Commons)

Vielleicht können Würmer in Zukunft Autoimmunerkrankungen wirksam bekämpfen. Die Immunreaktion auf die Eindringlinge bremst Entzündungsprozesse aus.


Es gibt eine neue Waffe im Kampf gegen Autoimmunerkrankungen wie Typ 1-Diabetes, rheumatoider Arthritis, Morbus Crohn und Lupus Erythematodes, deren gemeinsames Merkmal ein Immunsystem ist, das die eigenen Organe und Gewebe angreift.
William Gause, ein Immunologe an der »Rutgers New Jersey Medical School«, hofft im Kampf gegen diese Erkrankungen Hilfe von Parasiten zu bekommen und untersucht daher, wie der menschliche Körper auf Würmer reagiert. Die Würmer - oder Helminthen wie die Biologen sagen - die Gause untersucht, sind kleine Parasiten, die im menschlichen Darm leben, vor allem in den Entwicklungsländern.

Würmer rufen Immunantwort Typ 2 hervor

Laut einem Artikel von Gause im Fachmagazin »Nature Reviews Immunology« hat die Anwesenheit des Wurms durch die Jahrtausende der Evolution zu einer Immunreaktion namens Immunantwort Typ 2 geführt. Das beinhaltet immunregulatorische Wege, die helfen, Entzündungen zu kontrollieren, die zu Autoimmunerkrankungen beitragen.

Die Immunreaktion scheint sich entwickelt zu haben, um schnell Wunden zu reparieren, die durch diese Eindringlinge verursacht werden, wenn sie sich durch den Körper bewegen. In der Tat könnten Teile dieser Immunantwort Typ 2 eines Tages benutzt werden, um den Wundheilungsprozess zu verbessern. Zusätzlich löst diese Immunreaktion Typ 2 eine Reihe von regulierenden Prozessen aus, die schädliche Immunreaktionen blockieren oder Entzündungen, die andernfalls die Gewebeschädigung verschlimmern.

Immunantwort Typ 2 gezielt nutzbar machen

»Was wir gerne machen würden, ist Teile der Immunantwort Typ 2 dafür zu nutzen, um schädliche Entzündungen gezielt zu bekämpfen, die zu Autoimmunerkrankungen wie Diabetes und chronisch entzündlichen Darmerkrankungen führen können«, sagt Gause. Er fügt hinzu, dass Entzündungsreaktionen auch mit anderen Krankheiten in Verbindung gebracht werden einschließlich Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Stoffwechselstörungen und sogar Allergien und Fibrosen, als Folge von Titanspänen, die von künstlichen Gelenken abblättern. »Wenn wir neue Wege finden, um die regulierenden Anteile der Immunantwort Typ 2 zu stimulieren, hätten wir neue Werkzeuge, um die schädlichen Entzündungsreaktionen gezielt zu kontrollieren, die mit dieser Vielzahl verschiedener Krankheiten in Verbindung stehen.«

Im Moment können lebende Helminthen oder ihre Nebenprodukte für kurze Zeit in den Körper eingeführt werden, um ein geschwächtes Immunsystem zu trainieren. Eine von Gause durchgeführte Studie aus dem Jahr 2012 stellte fest, dass das Einführen von Helminthen für zwei Wochen, das Immunsystem von Mäusen dazu anregte, Zytokine zu produzieren oder Botenstoffe, die ihnen dauerhaften Schutz vor Typ 1-Diabetes verliehen.

Zuviel Hygiene ist negativ fürs Immunsystem

Diese Ergebnisse spiegeln die Erfahrungen bei Menschen in Entwicklungsländern wider. Dort sind Infektionen mit Helminthen verbreitet, aber die Häufigkeit von Autoimmunerkrankungen wie Typ 1-Diabetes ist sehr niedrig. »Es gibt eine wachsende Zahl von Hinweisen, die die Hygiene-Hypothese unterstützen. Demnach beeinträchtigt der verminderte Kontakt mit Bazillen und Würmern in Industrieländern die Entwicklung von immunregulierenden Reaktionen, die sonst die schädlichen Entzündungsprozesse kontrollieren«, meint Gause.

Laut Gause ist das Endergebnis dieser Entwicklung ein erhöhtes Vorkommen verschiedenster Krankheiten, die in Verbindung stehen mit schädlichen Entzündungen. »Wenn wir einen kontrollierbaren Weg finden, um den Nutzen einer Wurminfektion für das Immunsystem anzuwenden, ist es denkbar, dass wir als Gesellschaft nicht länger den scheinbaren Kompromiss dulden müssen zwischen sauberen Lebensbedingungen und entzündlichen Erkrankungen.«


Quelle: William C. Gause, Thomas A. Wynn, Judith E. Allen. Type 2 immunity and wound healing: evolutionary refinement of adaptive immunity by helminths. Nature Reviews Immunology, 2013; 13 (8): 607 DOI: 10.1038/nri3476

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