Montag, 6. Januar 2014


Ballaststoffe aus Obst und Gemüse
beugen allergischem Asthma vor
(Foto: romanov / pixabay.com)

Ballaststoffe aus Obst, Gemüse und Getreide sind vielleicht eine ungewöhnliche, aber wirkungsvolle Behandlung gegen Asthma.


Die Ernährung der westlichen Industrieländer hat vielleicht mehr mit der Entwicklung von allergischem Asthma zu tun als bislang angenommen. In den letzten 50 Jahren stieg der Rate der Neuerkrankungen sprunghaft an. Gleichzeitig hat sich unsere Ernährung geändert: Obst und Gemüse landen immer weniger auf unseren Tellern. Neue Studien am Universitätsspital Lausanne konnten bei Mäusen nachweisen, dass das Fehlen fermentierbarer Nahrungsfasern allergische Entzündungen in der Lunge fördert. Denn wenn genügend Ballaststoffe aufgenommen werden, die von den Darmbakterien fermentiert werden können, entstehen dabei Fettsäuren, die die Immunreaktion in der Lunge beeinflussen.

Ballaststoffe nicht nur für die Darmgesundheit

Dass viele Ballaststoffe in der Nahrung den Darm in seiner Funktion unterstützen, gesund erhalten und sogar Darmkrebs vorbeugen, ist seit langem bekannt. Auch dass eine gesunde Darmflora gut fürs Immunsystem ist und die körpereigene Abwehr gegen Krankheitserreger stärkt. Die Wissenschaftler in Lausanne konnten nun erstmals zeigen, dass der Einfluss der Darmbakterien sogar bis zur Lunge reicht.

Für die Studie wurde eine Gruppe von Mäusen mit Futter ernährt, das einen Faseranteil von vier Prozent hatte. Die Kontrollgruppe bekam dagegen nur einen Faseranteil von 0,3 Prozent, was in etwa unserer normalen Ernährungsweise entspricht, die in der Regel nur noch ungefähr 0,6 Prozent Ballaststoffe enthält.
Die Mäuse wurden mit einem Hausstaubmilbenextrakt in Kontakt gebracht und die Mäuse, die nur wenig Ballaststoffe im Futter hatten, reagierten sehr viel stärker allergisch mit deutlich mehr Schleimbildung in der Lunge. Zur Kontrolle wurden noch Mäuse mit Standardfutter verglichen mit einer Gruppe, die besonders viel Ballaststoffe bekamen. Und auch hier reagierte die ballaststoffärmere Mäusegruppe heftiger auf die Allergene als die Gruppe, die viele Fasern zu sich nahm.

Ballaststoffe mildern Immunreaktion

Der Schutz durch die Ballaststoffe wird durch eine Reihe verschiedener Reaktionen hervorgerufen. Die Ballaststoffe werden zunächst im Darm von Bakterien zersetzt und in kurzkettige Fettsäuren umgewandelt. Diese speziellen Fettsäuren können vom Körper besonders gut aufgenommen werden und erreichen über den Blutstrom das Rückenmark, wo sie die Reifung der Immunzellen im Knochenmark beeinflussen. Allergieauslösende Substanzen wie zum Beispiel der Hausstaubmilbenextrakt ziehen die Immunzellen an, sie wandern in die Lunge und lösen dort eine abgeschwächte Immunreaktion aus.

Ein weiterer Grund für Obst und Gemüse

Die Wissenschaftler halten ihre Forschungsergebnisse für klinisch relevant und auch auf den Menschen übertragbar. Die untersuchten Aspekte des Immunsystems unterschieden sich bei Mensch und Maus nur wenig. Dennoch bleiben viele Fragen offen. Die Forscher planen deshalb weitere klinische Studien, die klären sollen, wie sich eine mit zusätzlichen Ballaststoffen angereicherte Diät auf Allergien und Entzündungsprozesse auswirkt. Doch auch die bisherigen Ergebnisse unterstreichen abermals die Empfehlung von Experten: Essen Sie mehr Obst, Gemüse und Vollkornprodukte. Das hilft in jedem Fall, länger gesund zu bleiben.

Quelle: Aurélien Trompette, Eva Gollwitzer, Koshika Yadava, Anke K. Sichelstiel, Norbert Sprenger, Catherine Ngom-Bru, Carine G. Blanchard, Tobias M. Junt, Laurent P. Nicod, Nicola L. Harris, Benjamin J. Marsland (2014). Gut microbiota metabolism of dietary fiber influences allergic airway disease and hematopoiesis through GPR41. Nature Medicine. doi: 10.1038/nm.3444

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